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Django Unchained - Hauptplakat
Django Unchained - Hauptplakat
© Sony Pictures

Kritik: Django Unchained (2013)


Die Verbundenheit Quentin Tarantinos zum Western im Allgemeinen und dem Italo-Western im Besonderen war seinen Filmen stets anzusehen. Nun hat er diesem Genre mit "Django Unchained" eine erzählerisch überraschend konventionelle, inhaltlich dafür aber umso mutigere Referenz erwiesen. Stilistisch ist die Nähe zum Western in den Kameraeinstellungen, hektischen Zooms und Schnitten bereits zu erkennen, daneben erweist er mit der Titelfigur Django (gespielt von Jamie Foxx) insbesondere Sergio Corbuccis Film aus dem Jahr 1965 seine Referenz – und natürlich hat Franco Nero auch einen Gastauftritt. Dabei zeigt vor allem die rohe Gewalttätigkeit Tarantinos Rückbindung an das Genre: Quälend lange werden Auspeitschungen und Bestrafungen gezeigt, dagegen nimmt sich das explosive blutige Finale fast schon angenehm rasant aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Western – oder Southern – spart Quentin Tarantino die brutale Seite der Sklaverei nicht aus, sondern zeigt dessen blutiges Gesicht.

Trotz einer Laufzeit von 165 Minuten unterhält "Django Unchained" gut. Die Geschichte hat einige Wendungen, wenngleich Tarantino erzählerische Experimente meidet, sondern nahezu stringent von Djangos stetig wachsender Rache-Kompetenz erzählt. In nur wenigen, dafür umso anrührenderen Rückblenden wird seine Vergangenheit und seine große Liebe zu Broomhilda geschildert, die aber im Gegensatz zu anderen Frauenfiguren bei Quentin Tarantino kaum eigene Stärke entwickelt. Vor allem überzeugt "Django Unchained" in den bekannten Tugenden Tarantinos. Es gibt starke Dialoge, viel makaberen Humor, einen sehr guten Soundtrack und eine gute Besetzung.Jamie Foxx besticht als düsterer Sklave Django, der die Chance auf Rache bekommt. Christoph Waltz knüpft fast nahtlos an "Inglourious Basterds" an und spielt eine gute Version von Hans Landa. Leonardo DiCaprio überzeugt als schmieriger Südstaaten-Plantagenbesitzer Calvin Candle und selbst in Nebenrollen wissen Don Johnson und Jonah Hill kleine Akzente zu setzen. Die größte Überraschung und das größte Wagnis ist aber Samuel L. Jackson in der Rolle des intriganten Haussklaven Stephen. An dieser Figur zeigt sich die Perversität der Sklaverei nicht durch Brutalität, sondern durch devote Heuchelei und Intriganz, mit der Stephen sich seinem Besitzer Calvon Candle ebenbürtig fühlen mag, aber stets dessen Besitz bleibt. Kaum erkennbar hinter der Maske des Alters verschwindet Samuel L. Jackson in dieser Rolle und spielt die schwierigste Figur des gesamten Films, die Quentin Tarantino bereits den Vorwurf des Rassismus eingebracht hat.

Insgesamt ist "Django Unchained" ein guter Film, mit dem Quentin Tarantino an "Inglourious Basterds" anknüpfen kann. Dennoch bleibt am Ende des Gefühl, dass eine Weiterentwicklung des Regisseurs fehlt und die Chance vergeben wurde, mehr als nur einen mit Referenzen gespickten Genrefilm zu drehen. Fraglos bewegt sich Tarantino auf überdurchschnittlichem Niveau und spielt virtuos mit der Filmgeschichte und Popkultur. Doch es fehlt eine weiterführende Position, die über einen Kommentar hinausgeht. Fazit: Mit starken Dialogen, makabren Humor, einer guten Besetzung und überzeichneter Brutalität ist "Django Unchained" ein typischer Tarantino-Film, der trotz seiner beträchtlichen Laufzeit nicht langweilt.




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