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What Happiness Is - Auf der Suche nach dem Glück
What Happiness Is - Auf der Suche nach dem Glück
© Kinostar

Kritik: What Happiness Is - Auf der Suche nach dem Glück (2011)


Kann man das individuelle Glück statistisch erfassen und mit politischen Mitteln mehren? Im Königreich Bhutan glaubt man daran. Dort gibt es das Konzept des Bruttonationalglücks. Maßstab für die Aktivitäten der Regierung ist demnach nicht nur, und nicht in erster Linie, eine prosperierende Wirtschaft und der Wohlstand der Menschen. Um sich von westlichen Maßstäben wie dem Bruttoinlandsprodukt abzugrenzen und die eigene Kultur vor fremden Einflüssen zu schützen, achtet man im Land auch sehr auf immaterielle Werte wie eine intakte Natur. Der Dokumentarfilm schildert, was die Menschen erzählen, als sie für eine repräsentative Sozialstudie im ganzen Land befragt werden.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die amtliche Befragung ergibt, dass sich 41 Prozent der Menschen glücklich fühlen. Also kennt auch Bhutan kein Patentrezept für das Glück. Überhaupt unterscheiden sich die Antworten der Bewohner nicht so stark von dem, was Menschen in westlichen Kulturen für wichtig halten. Manchen bedeutet materieller Wohlstand sehr viel. Eine junge Frau sagt, zu ihrem Glück gehörten Elektrizität und Handymasten. Der technologische Fortschritt und die Infrastruktur spielen eine große Rolle in diesem Land, in dem es bis Ende des 20. Jahrhunderts noch kein Fernsehen gab und nur wenige Straßen. Obwohl die meisten Menschen, besonders in den entlegenen Gebirgsdörfern, sehr arm sind, hat persönliches Unglück oft andere Ursachen: Einsamkeit im Alter oder fehlende Anerkennung.

Friedl hat ein Auge für die Schönheit der Landschaft im Himalaya und die bunten Gewänder der Dorfbewohner, die sich vom grünen oder dunstigen Hintergrund abheben. Wenn er in den Hütten filmt, in denen die Menschen auf dem Boden sitzen, teilt sich Vieles über die authentische Atmosphäre mit. Oft scheinen die Befragten erahnen zu wollen, was die Interviewer als fortschrittlich und gut einschätzen, um dann entsprechend zu antworten. Dennoch stehen manche zum offenbar noch weit verbreiteten Glauben an Geister.

Friedl schaut aber nicht nur den Interviewern über die Schulter. Er nutzt die Gelegenheit, um auch selbst mit ein paar wenigen Einzelpersonen ins Gespräch zu kommen. Er erfährt persönliche Geschichten von Glück und Leid, die dem Fragebogen wohl entgehen. Insgesamt jedoch ist der Überraschungsfaktor des beobachtenden Dokumentarfilms, der nur wenige erklärende Off-Kommentare beisteuert, gering. Die Menschen in Bhutan ticken nicht viel anders als bei uns – trotz geringerer materieller Ansprüche.

Fazit: Der österreichische Dokumentarfilm ermöglicht einen seltenen Einblick in die Lebensumstände und Ansichten der Bewohner von Bhutan, deren Glück politischer Maßstab ist. Indem er eine repräsentative Befragung der Regierung beobachtet, liefert der Film allerdings wenig Überraschendes und bleibt ziemlich oberflächlich.





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