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Lay the Favorite
Lay the Favorite
© The Weinstein Company

Kritik: Lady Vegas (2012)


Starke Frauen und Hollywood. Da war doch mal was! Wahre Begebenheiten und Hollywood. Da war doch auch mal was! Wer sich nun düster an Steven Soderberghs herausragendes Drama "Erin Brockovich" erinnert, weiß, was eine fabelhafte Wirkung ein ausgeklügelter Regisseur, eine starke Hauptdarstellerin und eine starke Hauptfigur so anrichten kann. Ein Oscar und einen Golden Globe für Julia Roberts – die wahrhaftige Verkörperung einer kecken, attraktiven und direkten Superfrau. Nun aber die alte Leier und Hollywood. Da war doch leider auch noch was. Richtig: Wer in der Traumfabrik einmal eine gute Idee hat, der kann sich sicher sein: Sie wird gedehnt, ausgequetscht, verwurstet, zertrampelt, durchgekaut und am Ende wieder ausgespuckt. Im Kombination mit dem ebenso beliebten und gerade bei sommerlichen Temperaturen favorisierten Feel-Good-Movie, den sich die Produzenten doch tatsächlich als Leistung auf die Visitenkarten drucken würden, entwickeln sich immer wieder Filme eines Musters, die für einige Filmfans einem einzigen Schimpfwort gleich kommen. Stephen Frears – ein Regisseur, der mit Filmen wie "High Fidelity" beinahe Kultstatus erreichte – würde man eine solchen cineastischen Rohrkrepierer eigentlich nicht zu trauen. Und wenn man sich einmal die Besetzungsliste zu "Lady Vegas" anschaut, würde niemand im Traum auf die Idee kommen, dass man sich wirklich auf unterdurchschnittlichen Niveau eines Feel-Good-Movies befinden. Doch trotz des selbstironischen und ausufernden Auftretens von Bruce Willis, Catherine Zeta-Jones und Vince Vaughn (was für Namen!) geht "Lay The Favorite" (so der Originaltitel) als seelenlose und sprunghafte Erin Brockovich C-Kopie in den Filmsommer 2012 ein. Belanglos. So einfach ist dieses Unterhaltungsgerüst zusammenfassbar.

Wie schon Julia Roberts Figur der alleinerziehenden Mutter Erin Brockovich basiert der Charakter von Rebecca Hall ebenso auf wahren Begebenheiten. Und wenn dieser Satz einmal im Kopf des Zuschauers eingebrannt und ein verständnisvolles Raunen und respektvoll hochgezogene Augenbrauen durch die Massen gegangen ist, haben die Produzenten eigentlich schon gewonnen. Wenn man sich nämlich "Lady Vegas" zu Ende angeschaut hat, wird man mit runzelnder Stirn sich fragen: Haben die Drehbuchautoren sich die Geschichte des autobiographischen Werks von Beth Raymer so zusammengedichtet, wie sie es für ihren Plot brauchten – oder hat Frau Raymer wirklich ein so magisches und hollywoodtypisches Leben hinter sich? So entsteht der Eindruck, dass Real-Vorlagen missbraucht werden, um ein wenig Eindruck beim Zuschauer zu schinden. Fairness halber sollte natürlich gesagt sein, dass der Film auf seiner Ebene des Feel-Good-Movies passabel unterhalten kann – vor allem, weil eben jener hochkarätige Cast mit unglaublichem Willen und mimischer Leidenschaft den harmlosen Plot auffangen will. Aber es grenzt an Arbeitsverweigerung, dass ein Film mit möglichem Potenzial, einem guten Regisseur und einem solchen Cast sich zu einem so konventionellen Hollywoodbrei hinreißen lässt.

Das besondere Problem bei "Lady Vegas" ist die Fülle an Wendungen und Drehungen im Plot in Verbindung mit den kurzen 90 Minuten Laufzeit. So rast Regisseur Frears durch den Plot wie ein Wahnsinniger, dessen Kehrtwenden durch nichtstattfindende Charakterzeichnungen, die über den Tellerrand der gängigen Muster hinausreichen, keine Chance auf Nachvollziehbarkeit haben. Schlussfolgerichtig: Der Film verliert sich in wilden Twists, neuen Schauplätzen, ausdruckslosen Charakteren und einem nichtssagenden, schmalspurigen und vor allem austauschbaren Plot. Alles wirkt nach Schema A, der Film besitzt keinen eigenen Charme, keine Atmosphäre und dadurch auch keinen selbsständigen Stil.
Die Geschichte um Beth Raymer, die zu einer der größten Buchmacherinnen aufsteigt, hätte in Kombination mit der Frage nach Legalität und Illegalität sogar wirklich Potenzial für einen Film mit mehr Biss gehabt. Stattdessen konzentriert sich Frears voll und ganz auf seine Hauptfigur, gespielt von Rebecca Hall, die mit ihrem Over-Acting an manchen Stellen über das gesunde Mittelmaß hinaus schießt und permanent von den Schwergewichten Willis, Zeta Jones und Vaughn in den Schatten gestellt wird.
Bei den genannten Hollywood-Größen sammeln sich denn auch die Stärken des Films. Besonders Vince Vaughn als durchgedrehter Buchmacher der illegalen Sorte weiß mit seinem unglaublichen Redefluss zu gefallen. Und wenn der ikonisch angezogene Willis in seinen Kniestrümpfen die Leinwand betritt, macht der Film besonders viel Spaß, weil er eine ironische Seite an den Tag legt, die ihm wirklich gut steht. Abgesehen von den Kniestrümpfen. Auch Catherine Zeta-Jones, die mit bösartigen Blicken und hämischen Grinsen nur so um sich wirft, zeigt große Klasse. Dass ihre Figur, wie jede andere, am Ende im kitschigen Schmonzettenstrudel der Hollywoodmaschinerie untergeht, kann allerdings auch sie nicht verhindern. Aber die drei Superstars schaffen es wenigstens Leben und Pepp in ihre schablonenhaften Figuren reinzubringen. Es scheint als habe nicht nur die Bezahlung gestimmt, auch der Spaß bei den Schauspielern ist da – und die vielen kleinen Pointen und lustigen Momente, die der Film dann doch noch besitzt, retten ihn vor einer kompletten Katastrophe.

Fazit: Trotz erstklassiger Besetzung eine mittelerschwere Katastrophe. "Lady Vegas" wirkt wie ein gängiges Klischee, ohne Seele und eigenem Charme. Ein Feel-Good-Movie, den man mit Vorsicht genießen sollte.





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