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Warm Bodies - Hauptplakat
Warm Bodies - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Warm Bodies (2012)


Haben die Fans im vergangenen Dezember nicht lange ausgehalten, um durchgefroren aber glücklich ihren großen Abschluss sehen zu dürfen? Oh ja, dass haben sie. Tapfer in der Kälte ausgeharrt haben sie, um Teil ihres Vampir-Finales zu werden. Diese Opferbereitschaft reichte bei manchen Kritikern sogar soweit, dieses fanatische Fangirl-Dasein mit wohlwollenden Worten zu ehren. Wo doch schon „Twilight: Breaking Dawn Teil 2“ genug schmeichelnde Streicheleinheiten für seine Fans beinhaltete. Einen ganzen Epilog wurde dem Fanherzen dann noch geschenkt.
Mit wohlwollenden und warmen Worten wurde nicht nur das Publikum, sondern auch alle Charaktere der Saga in einem dramatischen Ende noch einmal gewürdigt. Vielleicht wollte man auch dafür entschädigen, dass der eigentliche Film eine echte Niete war. Denn das dachte sich wiederum Jonathan Levine, der vielleicht ganz heimlich den ganzen Schmalz und Liebespathos nicht mehr ertragen konnte und sich daher das Angebot der Filmproduzentin Bruna Papandrea genauer anhörte. Diese hatte sich die Rechte an Isaac Marions Roman-Erstling „I am a Zombie filled with Love“ gesichert, eine klassische „Romeo und Julia“ Liebesgeschichte, eben nur auf Zombies und Apokalypse getrimmt. Ironisch, dass Papandrea das Konzept auch an Summit Film schickte, jenes Studio, welches auch für die Twilight-Filme verantwortlich ist. Summit übernahm. Man kennt sich in diesem Fantasy-Milieu eben gut aus. Doch davon will „Warm Bodies“ nichts wissen. Ganz im Gegenteil: Regisseur Levine, der nach seiner Tragik-Komödie „50/50“ seinen ersten Genre-Streifen herausbringt, setzt auf eine herrlich persiflierende Retrospektive des Zombie-Genres und verdreht damit noch ein Stück weiter die Perspektive, die 2002 Edgar Wrights „Shaun of The Dead“ einnahm. Simon Peggs und Nick Frosts Auftritt stand noch unter dem deutschen Einspieler „Eine romantische Komödie mit Zombies“. „Warm Bodies“ hingegen kann man als „Zombiefilm mit Romantik“ verstehen, der gerade in der ersten halben Stunde extrem viel Spaß bereitet, sich dann im romantisch-verqueren Liebesfilm einnistet, um am Ende vielleicht ein wenig zu gutwollend und zu harmlos etwas über Menschlichkeit auszudrücken. Doch die ironische Duftnote, die von der ersten Sekunde an den Film umweht, lässt das Werk von Jonathan Levine nicht mehr los. Das hier ist ironische Genre-Kost. Für Teenies.

„Warum er nur immer so blass sei“, fragt sich der junge Zombie R und fügt hinzu: „Ich sollte mehr ausgehen, ich sollte vernünftiger essen.“ Seine Körperhaltung ist zudem auch noch furchterregend und seine Schritte so langsam. Solche Off-Kommentare kennt man eigentlich höchstens von verbitterten Privatermittlern im klassischen Noir-Film, doch wahrscheinlich hat man sie noch nie aus dem Mund eines Zombies gehört. Da ist es kein Wunder, dass sich Levine die Chance nicht entgehen lässt, um auch ein wenig über echte Menschen herzuziehen. Denn R möchte nicht nur stumpfsinnig vor sich hin schlurfen, sondern mit anderen in Verbindung treten. Die glorreiche Vergangenheit, gezeigt in einer in Sepia gehaltenen Rückblende, zeigt dies. Damals war sein Zuhause, ein nun mehr herunter gekommener Flughafen, noch belebt und die Menschen redefreudig. Alle hatten diese Handys in der Hand.
Levines Witz ist lakonisch, sarkastisch und hundsgemein. Durch die toten Augen von R erlebt man die postapokalyptische Welt aus einer ungewöhnlichen Sicht, die längst vergessen hat, warum überhaupt Zombies das Land bevölkern. Solche Verweise zeigen, dass sich Levine zwar im klassischen Zombie-Genre breit macht, sich um Konventionen aber nicht kümmert: Er verkehrt sie gar ins Gegenteil und parodiert sie. Selbstreflektion gehören nicht zu den typischen Eigenarten eines Zombies. „Warm Bodies“ setzt aber darauf seinen Fokus und entblößt die Blödsinnigkeiten des Zombie-Genres, wie er auch den Menschen des 21. Jahrhunderts bloß stellt. Handy-Zombies eben.

Doch „Warm Bodies“ traut sich nicht zum Extremen und beweist damit, dass er als Genre-Perle dennoch für ein massenkompatibles Publikum gedacht ist. Spannungselemente sind so gut wie nicht vorhanden und auch besondere Geschmacklosigkeiten, die im Bezug auf Zombies möglich sind, sucht man ebenso vergeblich. Blutende Mäuler, spritzende Wunden oder herumfliegende Gliedmaßen zählen nicht zum Repertoire des Films dazu, der merklich das Tempo ab der Hälfte des Films gegen die gemächlichen Regeln des Liebesfilms eintauscht.
Levine zeigt, dass es ihm nicht daran liegt Zombie- und Liebesfilm mit aller Gewalt zu persiflieren. Er versucht sich eher an der nicht ganz ernstzunehmenden, aber ungemein süßen Vereinigung beider. Dass ist intelligenter und weniger heuchlerisch als so mancher Teenie-Film. So sind kleine Hänger und ein wenig Durchlauf als Verschnaufpause auszuhalten, weil es immer wieder kleine Ausbrüche von Levine gibt.

Fazit Jonathan Levines Mash-Up zwischen „Frankenstein“ und „Romeo und Julia“ geht auf, weil die Balance zwischen der persiflierenden Retrospektive auf das Zombie-Genre verrückter, die Charaktere rund um R(omeo), Julie(a) und John Malkovich als Sidekick abwechslungsreich bleiben. Vielleicht ist „Warm Bodies“ am Ende mit seinem FSK 12 zu handzahm und zu sehr als Teenie-Film aufbereitet. Mit kleinen Abzügen: Sehr sehenswert!





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