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Savages
Savages
© Universal Pictures

Kritik: Savages (2012)


Oliver Stone gehört zu den bekanntesten Regisseuren in Hollywood. Wegen seines kontroversen Stils und wegen Filmen wie "John F. Kennedy – Tatort Dallas" oder "Natural Born Killers" wurde er ebenso berühmt wie berüchtigt und galt lange als Enfant terrible der Traumfabrik. Aus dem jungen Wilden ist inzwischen aber ein 66-jähriger geworden, dessen letzte Filme sich als monumentaler Historienschwulst, patriotisches Katastrophentheater und weichgespülte Biopics verhasster Ex-Präsidenten entpuppten. Und selbst die Fortsetzung seines Kultfilms "Wall Street" erwies sich als erstaunlich zahnlos.

Mit "Savages" greift er nun nicht ganz soweit nach oben, liefert aber einen beachtenswerten schmutzigen kleinen Drogenfilm, der ihn wieder an seine Glanzzeiten anknüpfen lässt. Im Mittelpunkt stehen zwei Gruppen Drogenhändler, die aneinander geraten und sich in der Folge einen erbitterten Kampf liefern. Ausgangspunkt der Geschichte, die aus dem Off heraus von der weiblichen Protagonistin erzählt wird, ist ein Drogendealer-Trio, dass in einer Menage á trois lebt.

In vielem erinnert "Savages", der auf dem gleichnamigen Bestseller Don Winslows (deutscher Titel: "Zeit des Zorns") basiert, an solch kontroverse Werke Stones wie "Natural Born Killers", ohne aber dessen bissigen Zynismus in sich zu bergen. Der Inszenierungsstil lässt dennoch unwillkürlich Assoziationen an die brutalen Mediensatire aus dem Jahre 1994 aufkommen. Stone changiert auch hier zwischen psychedelisch anmutender Farbästhetik, Schwarz-Weiß-Sequenzen und Wackelkamera, liefert offenherzige Sexszenen, überspitzte Gewalteinlagen und sogar Motive, die an Kultstreifen wie "Pulp Fiction" erinnern. Zur hohen Kunst gerät das allerdings nicht. Stone macht jedoch keinen Hehl daraus, dass er mit seinem Drogen-Thriller nicht aufs Arthouse-Publikum zielte, sondern gehobenes skurril-makaberes Popocorn-Entertaintment zu liefern beabsichtigte, was ihm durchaus gelungen ist.

Zu flach geraten sind ihm jedoch insgesamt die Portraits seiner Protagonisten, und auch deren Beziehungsgeflechte werden nicht konsequent genug ausgelotet, obwohl der Film sich Zeit nimmt, die Figuren sauber einzuführen. "Savages" wirkt zudem nicht selten zu betont stylisch, wenn er ein ums andere Mal in wilder Abfolge aberwitzige Szenen aneinander reiht, die durchaus einer ausbalancierten Ausgestaltung bedurft hätten. Manch eine Charakterentwicklung blitzt dadurch lediglich in Ansätzen auf, obschon im Verborgenen überaus interessante Wandlung mit den Figuren von statten gehen, die dann in der Folge aber zu überfallartig in die Handlung geworfen werden. Wären da nicht die herausragenden Nebenfiguren, die den Film enorm mittragen, würde das alles noch wesentlich stärker negativ ins Gewicht fallen.

Dank Salma Hayek als laszive wie bösartige Kartellchefin und Benicio del Toro als gewissenlosen Sadisten und Mörder sowie John Travolta als schmierigen korrupten Drogenfahnder gelingt es Stone "Savages" qualitativ auf der Spur zu halten. Zeigen sich doch alle drei Superstars in ausgesprochener Spiellaune. Die drei sind es auch, die im Wesentlichen die schräge Komik transportieren, die Stone in seinen Film pflanzte. Und ihn damit aus dem Durchschnittssumpf der üblichen Hollywood-Produktionen heraus zu heben vermögen.

Fazit: Halluzinogen angehauchter Drogen-Thriller, der wie der Schlamassel auslösende Superstoff, den Zuschauer auf einen irren Trip mit Sex, Gewalt, unvorhersehbaren Wendungen und grotesk überzeichneten Figuren mit nimmt. Sehenswert vor allem für jene, die den üblichen Hollywood-Schemata nicht mehr allzu viel abgewinnen können.





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