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Life in a day - Ein Tag auf unserer Erde
Life in a day - Ein Tag auf unserer Erde
© Rapid Eye Movies

Kritik: Life in a day - Ein Tag auf unserer Erde (2011)


Wow, was für eine Arbeit! Dem Aufruf von Filmemacher Ridley Scott und YouTube für ein Compilation-Filmprojekt genau am 24.07.2010 sein Leben zu dokumentieren und dabei auch auf - je nach Wunsch und Neigung - Fragen über den persönlichen Glauben, über Ängste oder eben auch nur den eigenen Tascheninhalt einzugehen, folgten Menschen aus 197 Ländern. Rund 80.000 einzelne Clips unterschiedlichster Qualiätäten, insgesamt etwa 4500 Stunden Material, kamen so an nur einem Tag zusammen. Regisseur Kevin MacDonald und sein Team sichteten das Material, sortierten es chronologisch und thematisch und schnitten schließlich ausgewählte Clips zu einem 95minütigem Dokumentarfilm zusammen, der das menschliche Leben an einem Tag, von Mitternach bis Mitternacht, in all seinen Facetten zeigt. Eine Mammutaufgabe, die MacDonald und sein Cutter-Team unter Joe Walker da hinter sich gebracht haben.
Nun kann man sich aber natürlich dennoch fragen, warum im drei-Teufels-Namen man für mitunter trivialste Heimvideos von FREMDEN auch noch Geld bezahlen sollte (zumal man sich Ähnliches auf YouTube ja auch ganz umsonst ansehen kann). Doch das Ergebnis der Fleißarbeit ist gleich aus mehreren Gründen wert, gesehen zu werden.

Zum einen natürlich schon allein dem Konzept zuliebe. Als Compilation-Doku 2.0 ist "Life in a Day" schon wegen der Grundidee ein Dokument unserer Zeit - ermöglicht erst durch den weltweiten Siegeszug von YouTube.

Zum anderen, weil es in letzter Zeit kaum einen Film gab, der vergleichbar deutlich macht, dass wir alle gleich sind. Schon in den Anfangsszenen, in denen alltägliche morgendlichen Verrichtungen zusammengefasst sind, macht klar: Egal ob wir in einem Federbett oder auf einer Tatamimatte schlafen, ob wir uns die Zähne mit elektrischer Zahnbürste oder mit einem faserigen Holzstückchen putzen, ob wir zum Frühstück Brot essen oder Reis mit Bohnen, ob wir unser Essen aus dem Kühlschrank holen oder es erst frisch geschlachtet werden muss - letztlich stehen sechs Milliarden Menschen morgens auf, waschen sich, putzen die Zähne und frühstücken. Und egal ob wir an Allah oder Gott glauben oder den rosarot getupften Elefanten, egal ob aus New York oder Kabul, ob alt oder jung, männlich oder weiblich: im Glauben, im Fanatismus, in Liebe und in Hass, in Träumen und Ängsten sind wir trotz aller Unterschiede einer wie der andere.

Und schließlich, weil MacDonald und Walker es irgendwie geschafft haben, aus all den Clips nicht nur einen kohärent dem Laufe eines Tages folgenden, sondern auch einen berührenden Film zusammenzupuzzeln. Dies indem walkers Montage kürzeste Filmschnipsel mit längeren Aufnahmen verbindet, die einem etwas mehr Einblick in das Leben der Gefilmten geben. Da ist beispielsweise der Homosexuelle, der sich dabei filmt, wie er sich vor seiner Großmutter am Telefon outet. Ein Familienvater filmt Sohn und krebskranke Frau im Krankenhaus. Da sind Szenen eines mexikanischen Jungen, der seinen Lebensunterhalt als Schuhputzer verdient und Clips eines Koreaners, der seit Jahren um die welt radelt. Aufnahmen vom Duisburger Love Parade-Horror. Und, ganz am Ende, eine junge Frau die in ihrem Auto sitzt und weint, weil ihr den ganzen Tag nichts Außergewöhnliches geschehen ist, was sich lohnen würde zu filmen - wo sie doch so sehr darauf gehofft hatte, sich so sehr gewünscht hatte eine Chance zu bekommen den Menschen zu zeigen, dass es sie gibt... So bietet "Life in a Day" vermutlich für jeden irgendeine berührende Szene, während die Negativpunkte - die Dauer eher nervige Musik, gelegentliche Längen und Trivialitäten - sind da eher vernachlässigbar. Gelungen!

Fazit: Gelungenes Doku-Experiment, dass klar macht: Wir sind alle gleich...unterschiedlich. Sehenswert!




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