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Adieu Paris
Adieu Paris
© Wüste / Iris Productions

Kritik: Adieu Paris (2011)


Um die Auswirkung schicksalhafter Begegnungen, die Irrungen und Wirrungen der Liebe und schwierige Neuanfänge dreht sich alles in Franziska Buchs schwermütigem Liebes-Drama "Adieu Paris". Ein Film, den man von Buch nicht unbedingt erwartet hätte, trat sie bis jetzt doch vornehmlich mit Kinderfilmen wie "Emil und die Detektive" oder "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen" in Erscheinung. Zwar erfüllt sie mit "Adieu Paris" durchaus das ein oder andere Liebesfilm- und Paris-Klischee, unterhaltsam und einfühlsam inszeniert ist dieses gut besetzte Liebes-Drama, in dem die Hauptpersonen immer wieder schwere Schicksalsschläge zu überwinden haben, aber allemal.

Die ersten 20 Minuten des Films gehören fast ausschließlich der attraktiven Autorin Patrizia, unprätentios und sympathisch verkörpert von Jessica Schwarz. Patrizia hat mit ihrem letzten Roman den großen Durchbruch geschafft und auch in der Liebe scheint es rund zu laufen: mit dem französischen Charmeur und Womanzier Jean-Jacque führt sie eine heimliche, leidenschaftliche Affäre. Das Glück verlässt Patrizia, als sie erfährt, dass ihr Lover in Paris einen schweren Autounfall hatte. Umgehend macht sie sich auf den Weg in die farnzösische Metropole, ohne zu ahnen, dass es bald noch schlimmer kommen wird: Ausgerechnet am Krankenbett von Jean-Jacque trifft sie auf die kühle, unnahbare Ehefrau des Geliebten, meisterhaft verkörpert von Sandrine Bonnaire. Zum Zeitpunkt dieses Aufeinandertreffens, hat Patrizia bereits die erste Begegnung mit dem Banker Frank hinter sich: Am Düsseldorfer Flughafen kreuzten sich ihre Wege zum ersten mal.

Auch der verheiratete Frank steht bis dato auf der Sonnenseite des Lebens. Etwas, das ihn mit Patrizia verbindet: beide erfolgreich im Beruf und in der Liebe. Einen herben Schicksalsschlag muss jedoch bald auch Frank verarbeiten: der Deal mit dem französischen Wurstfabrikanten erweist sich als großer Betrug und Frank steht bald vor seiner Entlassung. Auch seine Ehe leidet unter dem finanziellen Fiasko. "Adieu Paris" rückt also Menschen in den erzählerischen Mittelpunkt, die bislang eine eher oberflächliche Art von Glück genossen haben, durch herbe Schicksalsschläge aber letztlich dazu gezwungen werden, ihr Leben neu zu ordnen und essentielle Entscheidungen zu treffen. Beide - sowohl Patrizia als auch Frank - stehen vor den Scherbenhaufen ihres Lebens. Die Bilder, die Buch für ihr gefühlvolles Liebes-Melodram findet, sind dabei ausgewogen und hübsch anzusehen. Vor allem die Optik der Flashback-Szenen und Rückblenden, die das frische Liebes-Glück von Patrizia und Jean-Jacque in schwelgerischen Bildern einfangen, ist extrem berauschend. Auch die von Buch prächtig dargestellte, ins rechte Licht gerückte Seine-Metropole inklusive der anmutigen Stadtansichten mit ihren endlosen Boulevards und riesigen Plätzen, wird Paris-Liebhaber entzücken.

Zwar ist die mitunter ein wenig unglaubwürdig geratene Story (so viele Zufälle in so kurzer Zeit sind dann doch ein wenig zu viel des Guten) natürlich nicht frei von Klischees. Da ist der französische Liebes-Schwerenöter und Romantiker, der seine Frau mit einer jüngeren Geliebten betrügt und dazu noch auf den Namen Jean-Jacque hört. Dann der zunächst äußerst schmierig und gelackt daherkommende Spitzen-Banker Frank, der sich mit einem Risiko-Deal gehörig verspekuliert und bald vor den Trümmern seines Lebens steht. Oder der französische Wurstfabrikant Albert, ein dicklicher, humorvoller Wursthersteller mit kleinem, gemütlichem Dorfladen. Es ist Regisseurin Buch aber hoch anzurechnen, dass sich ihr melancholischer Liebesfilm am Ende noch zu einem Sterbehilfe-Drama entwickelt, das dieses schwierige und komplizierte Thema (Sterbehilfe) von verschiedenen Blickwinken und Positionen aus beleuchtet.

Fazit: Feinfühlig inszeniertes, großartig gespieltes Liebes-Melodram über die Auswirkung schicksalhafter Begegnungen und die Irrungen und Wirrungen der Liebe, leider nicht gänzlich frei von Klischees.




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