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Wir sind die Millers
Wir sind die Millers
© Warner Bros.

Kritik: Wir sind die Millers (2013)


Die Millers tun nur so, als wären sie eine amerikanische Durchschnittsfamilie. In Wirklichkeit rümpfen sie über die zur Schau gestellte Zusammengehörigkeit die Nase, wissen aber selbst nicht so genau, ob sie Familienwerte für scheinheilig halten oder sie vermissen. Die Persiflage eines Roadtrips mit dem widerspenstigen Nachwuchs im Wohnmobil dient der kernigen Komödie von Regisseur Rawson Marshall Thurber als roter Faden. Genüsslich werden Rechtschaffenheit, sexuelle Prüderie und Campingplatzidylle aufs Korn genommen, vor allem wenn die Millers auf die Fitzgeralds, eine Urlauberfamilie wie aus dem Bilderbuch, stoßen.

Bevor die Millers im überdimensionierten Miet-Wohnmobil in Richtung Mexiko aufbrechen, weiß man schon, dass ihnen das Leben die Illusionen geraubt hat. Umso lustiger wirkt es, dass schon der erste Kiosk am Straßenrand zu einem typischen Streit zwischen Kindern und Eltern führt: Casey möchte Feuerwerkskörper kaufen, schließlich ist ja Nationalfeiertag, und David ruft die Seinen gereizt zur Ordnung. Väterliche Ratschläge, mütterliche Fürsorge, Liedersingen im Auto, sich ankeifende Eltern – es gibt nichts, was die Komödie den Millers erspart. Dabei kämpfen sie hauptsächlich dagegen an, sich nicht wider besseres Wissen doch wie eine Familie zu benehmen.

Noch eine Nummer härter wird es, als die Fitzgeralds aufkreuzen und mit ihrem Wohnmobil den defekten, mit Drogen völlig überladenen Karren der Millers bis zur nächsten Werkstatt ziehen. Papa Don (Nick Offerman) ist ein gottesfürchtiger ehemaliger Drogenfahnder, Mutter Edie (Kathryn Hahn) eine überschwängliche Seele von Mensch und Tochter Melissa (Molly Quinn) viel zu hübsch, um dem ungeküssten Kenny nicht den Kopf zu verdrehen. Die echte Familie in diesem Film nimmt es mit den amerikanischen Werten so ernst, dass es den Millers dabei unheimlich wird. Hinter der biederen Fassade lauert Triebhaftigkeit. Rund um das Tabuthema Sex findet die Geschichte reiche satirische Jagdgründe. Dabei spielt sie gekonnt mit den zwiespältigen Moralvorstellungen in den Köpfen der Zuschauer: Nur weil man Davids unkorrekte Sprache lustig findet, möchte man dennoch nicht, dass er seinen Sohn vorschickt, als ein korrupter mexikanischer Polizist erotische Dienste einfordert.

Jason Sudeikis und Jennifer Aniston spielen ihre Rollen als abgeklärte, aber doch nicht restlos verkommene Erwachsene locker und überzeugend. Emma Stone gibt die freche Straßengöre und Will Poulter den Jugendlichen, der so intensiv nachdenkt, dass man ihn beschützen möchte. Komische Nebenrollen sind für einen schrillen Drogenboss und einen sehr spaßfernen Grenzpolizisten reserviert. Der treffsichere Humor, mit dem diese einfallsreiche Komödie hinter die moralische Fassade der Nation blickt, macht sie zum gelungenen Filmvergnügen.

Fazit: Die kernige Komödie "Wir sind die Millers" entlarvt ohne Scheu vor heiligen Kühen die Heuchelei hinter amerikanischen Familienwerten und erliegt dennoch auf vergnügliche Weise den Reizen eines Urlaubs im Wohnmobil.




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