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Was passiert, wenn's passiert ist
Was passiert, wenn's passiert ist
© Universal Pictures Germany

Kritik: Was passiert, wenn's passiert ist (2011)


Als der US-Amerikanische Sender Fox auf die fabelhafte Idee kam, hinter den Muppets bösartige linke Propaganda zu vermuten, war das Echo über diesen Unsinn so verheerend, als hätte die CDU passend zum Landtagswahlkampf ein Plakat mit dem inzwischen zum Klassiker deklarierten Spruch "CDU: C wie Zukunft" veröffentlicht.

Nun aber hat Rush Limbaugh, US-Radioreporter, neues Fressen gefunden. Hinter dem neuen Nolan-Film "The Dark Knight Rises" sieht er gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney gerichtete demokratische Gehirnwäsche. Bei solchen Mutmaßungen wirkt alles gleich viel surrealer und man fühlt sich wie von einer South-Park Folge verschlungen, aus der es kein Erwachen gibt. Wie würde es Lieutenant Rorke in "Act Of Valor" auf den Punkt bringen: "Das Scheiße-Ventil ist voll"! Gleiches gilt für die immer wieder aufgewärmten Schmonzetten - genannt "Feel-Good-Movies" aus der Produktionsfirma Hollywood. Ob Sommer oder Winter, werden die berühmten die 08/15 Movies auf immer gleichem Schmalz-pur-Niveau in die Kinos geworfen und mit Starbesetzung und vielen lustigen Albernheiten beworben. Markenzeichen in der heilen Welt der Feel-Good-Movies sind die immer schönen, immer schlanken und immer attraktiven Charaktere, die höchstens ein Lüftchen an Problemzonen überqueren müssen, bevor sie im sicheren Endzielhafen "Happy-End" einfahren. So könnte man auch der aktuellen Feel-Good-Komödie "Was passiert, wenns passiert ist" Gehirnwäsche, allerdings im Sinne des reaktionären Senders Fox, vorwerfen.

Der Film über die unterschiedliche Herangehensweise an Schwangerschaften gestaltet sich als der unsinnigste Klischeefilm, den man in diesem Jahr zu Gesicht bekommt - jedes Klischee, welches man über werdende Väter und Mütter kennt, wird zerhackt und irgendwie wieder neu zusammen gesetzt. Cameron Diaz, als fitnesssüchtige Superfrau, die ihre Entscheidungen alle selbst Treffen will, um dann schmerzlich zu erkennen, dass sie Hilfe braucht; Jennifer Lopez, die mit ihrer Rolle als arbeitslose Fotografin und gebärunfähige Möchtegern-Mutter vor allem beweist, dass sie lange nicht mehr vor der Kamera stand; Elizabeth Banks, die als Schwangerschaftsexpertin erkennen muss, was es wirklich heißt, schwanger zu sein: Sie alle erfüllen Klischees. Daneben stehen ein paar wenige Männer mit Vaterkomplexen, Selbstkomplexen oder Liebeskomplexen – egal was es aus dieser Richtung gibt: Es hagelt Komplexe.

Fast so einseitig und trivial, wie die Männer gezeigt werden, sind die Plots der enzelnen Episoden mit ihren fehlenden dramatischen Momenten, die der Film eigentlich verspricht. Schön und reich, wehen höchsten ein paar Lüftchen emotionaler Momente durch den Filmsaal, der ansonsten müde vor sich hinvegetiert. Verkrüppelte Kinder, Missgeburten oder gar Kinder im sozialen Brennpunkt - alles gestrichen. Würde zwar der Thematik gut tun, schadet aber der Optik. Die unterschiedlichen Handlungsfäden verlieren sich entweder ins Unendliche oder werden am Ende einfach passend gemacht. Ob das logisch nachvollziehbar bleibt, ist den Produzenten, die ihr Publikum offenbar als nicht besonders helle einstufen, egal. Da kann es dann schon mal passieren, dass ein Pärchen, welches eigentlich gar keins ist, am Ende noch schnell Händchen haltend den Flur entlang geht – es muss ja schließlich ein Happy-End geben.

Wie viele Hollywood-Produzenten haben auch die Macher von "Was passiert, wenns passiert ist" das Humorpotenzial in YouTube, Facebook und Twitter für sich entdeckt und ertränken ihre Mainstream-Produktion förmlich in entsprechenden Anspielungen - die hier allerdings wirken wie gepresste Varianten hölzerner Kalauer.

Einziges Aushängeschild des Film sind die bekannten Schauspieler - die allerdings auch nicht ernsthaft dazu beitragen können, dass der Zuschauer sich in diesem Feel-Good-Movie wirklich gut fühlt. Die meisten spielen zumindest im Mittelmaß, Rebel Wilson allerdings, die in ihrer Karriere bisher eine einzige Rolle gespielt hat, nämlich die der übergewichtigen, tollpatschigen Fettnäpfchentreterin, die für sexuellen Zoten und Stand-Up-Nummern zu ständig ist, erreicht nicht mal das. In Kirk Jones Film ist sie (wie so oft) zu keiner Sekunde auch nur annähernd unterhaltsam.
So ist der einzige Hoffnungsschimmer in dieser blutleeren Schmonzette, Elizabeth Banks, die im Morphium-Rausch oder in Wehen-Qual noch am meisten Spaß bereitet. Nur wer damit zufrieden ist und auch über den sonstigen Durchfall hinwegsehen kann, kann Vergnügen an diesem Gehirnwäsche-Versuch haben.

Fazit: Feel-Good-Movie unterster Schublade. Bis auf Elizabeth Banks fehlt der gesamten prominenten Darsteller-Riege der Witz, um irgendwie Humor in dieses seichte "Feel-Good-Movie" zu bringen. Ein Kinoticket lohnt sich jedenfalls nicht.





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