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Das Schwergewicht - Hauptplakat
Das Schwergewicht - Hauptplakat
© 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Das Schwergewicht (2012)


Wenn man "Das Schwergewicht" nur auf seine unrühmliche Fassade reduziert, bleibt eine durchschnittliche, größtenteils langweilige "coming-of-age" Sportgeschichte, die in ihrem Handlungsverlauf so gar keiner Konvention aus dem Weg gehen möchte. Doch wie eine Fassade bewerten, wenn die nur das Gebäude verdecken soll?
Denn diese Fassade, die sich "Kevin-James-Komödie" nennt, dient eigentlich nur der plumpen Vermittlung grundlegender amerikanischer Werte: "Jeder kann sein Traum leben, wenn er nur hart arbeitet" und "Jeder ist für sich selbst verantwortlich". Schrecklich pathetisch werden diese uramerikanischen Glaubenssätze serviert in Kevin James ambivalenter Rede über zerstörte Zellen im Biologieunterricht. Und der Plotverlauf versucht dem Zuschauer auf widerwärtige Weise einzubläuen, dass wir eben unsere Fäuste benutzen, wenn es keinen Ausweg gibt - und dann kann auch der kleine dicklich-runde Durchschnittskerl den großen bestialisch-tätowierten Übermenschen "Mixed Martial Arts Fight" besiegen und sich zum Helden machen.
Mehr steckt leider nicht hinter Frank Coracis Film, der hinter seiner Verpackung einer - leider holprigen - Komödie widerwärtige Manipulationsversuche und Propaganda versteckt. Das kann man als Werbefilm für die United Fighting Championchip sehen oder als (erfolglosen) Werbefilm für Mitt Romney. Wie auch immer. So eine ungeheuerliche Frechheit hat nichts mit Kino oder Film zu tun.

"Here Comes The Boom" lautet der amerikanische Originaltitel und er ist gleichbedeutend für die Aussage des Films: Der erhoffte wirtschaftliche und gesellschaftliche Boom in Amerika, der momentan von den Politikern lediglich herbeigeredet wird, muss durch den einfachen Mann gewährleistet werden.
Kevin James' Figur, sowie das Auftreten des ungebrochen populären "Kings Of Queens" Darstellers passt dabei genau ins Bild. Denn der rundlich-dickliche Schauspieler, der einen Biologielehrer mimt, hat genau die Attitüde, die den einfachen amerikanischen Otto-Normal-Verbraucher anspricht. Einer kämpft gegen das Unrecht und geht als strahlender Held aus dem Kampf hervor. Dabei ist es eine urtypische Tradition, dass dieser Kampf mit Fäusten und Tritten vollzogen werden muss. Dazwischen darf James dann im "Club der toten Dichter"-Stil als John Keating-Kopie über Tische klettern und wahnwitzige Theorien über Zellen und Organismen aufstellen. Das grundsätzliche System aber bleibt dabei immer unangetastet und unkritisiert.

Fazit: Mit "Das Schwergewicht" kommt eine müde und konventionelle US-Komödie in die Kinos, die penetrant versucht, dem Zuschauer den Glauben an den American Dream einzubläuen.




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