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In the Land of Blood and Honey
In the Land of Blood and Honey
© 2012 FilmDistrict

Kritik: In the Land of Blood and Honey (2011)


"Ein Film, der wirklich etwas bedeutet" – das war Angelina Jolies Absicht mit ihrem Regiedebüt, wie sie auf der Pressekonferenz der Berlinale 2012 kund gab. Was er nun konkret bedeutet, wird nicht völlik klar.
Ihre Erzählung aus dem Bosnienkrieg - komplett auf bosnisch - zeigt unter anderem kaum fassbare Gewalt, brutale Vergewaltigungen, die Erniedrigung alter Frauen und das willkürliche Töten von Kindern. Im Zentrum stehen der Serbe Danijel (Goran Kostic) und die muslimische Malerin Ajla (Zana Marjanovic), die 1992 auf der Tanzfläche wild miteinander flirten - bis eine Bombe den Club zerstört. Später finden sie sich in einem Lager wieder: Ajla unter gequälten Frauen, Danijel als Kommandant der Peiniger. Zwischen den beiden entwickelt sich zunächst eine von Sex bestimmte Beziehung und schließlich eine Nichtganz-Liebesgeschichte (Angelina: "Ob es Liebe ist, liegt an ihnen zu entscheiden"), dominiert von erotischer Spannung und dem Bewusstsein einer verpassten Chance.
Auf den Konflikt und seine Hintergründe geht Jolie nur oberflächlich ein – die Bedrohung fällt ohne Vorwarnung über das Leben einer muslimischen bosnischen Nachbarschaft her. Ein wenig Hintergrund liefert sie aus dem Mund von Danijels Vater, einem serbischen General (Rade Serbedzija), wobei leider zu deutlich wird, dass er eher zum Publikum, als mit seinem Sohn spricht. Auch sonst scheint Angelinas Aktivisimus immer mal wieder durch. Sie recherchierte offensichtlich gründlich führ ihr Drehbuch und zeigt auch ein Händchen für die Inszenierung dramatischer Szenen. Ihre Charaktere bewegen sich allerdings nicht immer ganz folgerichtig durch die Handlung. Bei dem Pressetermin gab die Regisseurin außerdem zum Besten, der Film würde "keine Seite einnehmen und nicht mit Fingern zeigen - außer vielleicht auf die internationale Gemeinschaft". Letzteres mag zwar stimmen, welche Seite "die Gute" ist, steht jedoch außer Frage.
Die Schauspieler liefern allesamt makellose Darstellungen, allen voran Kostic, der immerhin gegen undurchsichtige Motive anspielte - ob er überwiegend selbstsüchtig handelt, oder doch ernsthafte Gefühle hegt, wird, wie Jolie sagt, tatsächlich jeder anders wahrnehmen. Der Schauspieler selbst hielt es für eine "Pflicht, sich mit meiner ganzen Seele hinein zu werfen". Und das sieht man.
Jolies zweite Intention "es sollte hart anzusehen sein, es sollte im Kopf bleiben" hat sie erfüllt. Man fragt sich nur, über was genau man ihrer Meinung nach länger nachdenken soll. Die Unmöglichkeit von Liebe, wenn der Kampf ums Überleben, Familie und Loyalität ihr im Weg stehen? Die Gräuel des Bosnienkrieges? Die fast schon rituellen Vergewaltigungen? Die Serben?
Der Schauspielerin ist mit ihrem Regiedebüt ein verstörendes Kriegsdrama gelungen, das noch um einiges besser hätte sein können, wenn man die 126 Minuten um etwa eine halbe Stunde gekürzt und den Charakteren stärkere Dialoge in den Mund gelegt hätte. Dass die Geschichte der Lager erzählt werden muss, ist klar und dass ausgerechnet ein glamouröser Hollywoodstar sich diesem düsteren Kapitel des 20. Jahrhunderts widmet - ganz ohne Stars und nicht auf Englisch - ist ohne Zweifel bemerkenswert.




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