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Carrie - Hauptplakat
Carrie - Hauptplakat
© Sony Pictures

Kritik: Carrie (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Brian De Palmas Stephen King-Verfilmung "Carrie – Des Satans jüngste Tochter" aus dem Jahre 1976 brachte für den Filmemacher den kommerziellen Durchbruch und gilt als einer der größten Horrorklassiker der Filmgeschichte. Trotz eines für heutige Zeiten kleinen Budgets ist De Palmas "Carrie" aufgrund der guten Schauspieler und aufgrund der virtuosen Regie hervorragend gealtert. Der Film sieht einfach meilenweit besser aus, als viele andere amerikanische Horrorklassiker aus jener Zeit, wie z.B. Wes Cravens "The Hills have Eyes" (1977). De Palmas "Carrie" ist ein zeitloser Klassiker und daher ist jedes Remake des Films von vornherein dafür prädestiniert, gnadenlos gegen das Original zu verlieren. Kimberly Peirce beweist mit ihrer Neuverfilmung, dass man zumindest die Zuschauergeneration zufrieden stellen kann, die das Original nicht mehr kennt. Peirce ist ein grundsolider Horrorfilm geglückt ist, der sich im Vergleich mit anderer US-Stangenware an Horrorfilmen durchaus sehen lassen kann.

Mit Julianne Moore in der Rolle von Carries Mutter ist zumindest eine wirklich gute Schauspielerin an dieser Produktion beteiligt. Moore liefert eine Performance ab, die sich nicht unbedingt vor dem entsprechenden, bereits legendären Auftritt von Piper Laurie in De Palmas Verfilmung verstecken muss. Doch bereits die Besetzung der Hauptdarstellerin ist äußerst problematisch. Die bezaubernde Chloë Grace Moretz passt so gar nicht in die Rolle des hässlichen kleinen Entleins, als das Carrie sowohl in Stephen Kings Buchvorlage, als auch in Brian De Palmas kongenialer Verfilmung dargestellt ist. Angeblich soll die Verkörperung der Hauptdarstellerin durch eine sehr hübsche Schauspielerin betonen, wie sehr Carries Selbstbild durch den Einfluss ihrer Mutter gestört ist. Wenn das der tatsächliche Grund für diese Besetzung ist, so muss man feststellen, dass dieses Konzept nicht wirklich aufgehen mag. Aber vielleicht suchte man auch einfach nur ein Eye Candy für das männliche Kinopublikum. Diese Wahl könnte aber auch ein Ausdruck des unbedingten Willens der Regisseurin sein, alle Mehrdeutigkeiten der Vorlage zu beseitigen und aus einem komplexen Drama einen möglichst simplen Rache-Film zu generieren. Und nach Schema-F hat die Heldin eben gut auszusehen, die böse Widersacherin sollte hingegen weniger hübsch, aber dafür möglichst fies sein.

Auf Eindeutigkeit legt Kimberly Peirces ebenso flotte, wie uninspirierte Inszenierung, größten Wert. Keine Entwicklung, die nicht bereits frühzeitig angekündigt und kein wichtiges Detail, auf das nicht mit einem gewaltigen Zaunpfahl hingewiesen wird. Aus der äußerst symbolträchtigen Vorlage um die Nöte einer heranwachsenden Frau, wird so ein temporeiches Revenge-Movie, in dem die Messer immer äußerst kontrolliert fliegen und in dem auch politische Korrektheit äußerst groß geschrieben wird. Deshalb werden auch nur die wirklich Bösen bestraft. Aber da Rache an sich auch nicht so ganz koscher ist, wird aus sadistischen Attacken im Zweifelsfall eine besondere Form der Selbstverteidigung. Doch der Gewaltpegel stimmt und das CGI-Blut spritzt in Strömen, weshalb der Film für einen anspruchslosen Horrorabend durchaus zu gebrauchen ist. Damit die anvisierte jugendliche Zielgruppe auch in den USA den Film tatsächlich zu sehen bekommt, wurde in dieser Geschichte eines traumatischen sexuellen Erwachens konsequenterweise auf jede Darstellung von Nacktheit verzichtet. Dafür ist die Gewalt umso garstiger bzw. sorgen die übertrieben lauten Soundeffekte wenigstens dafür, dass dieser Eindruck entsteht.

Fazit: Kennt man die ursprüngliche Verfilmung von Brian De Palma nicht, so ist der neue "Carrie" ein grundsolider Horrorfilm, den man gut einmal an sich vorbeirauschen lassen kann. Ist man jedoch ein Liebhaber des Originals, erscheint einem die Neuverfilmung bestenfalls als ein weiteres überflüssiges Remake.





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