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Der Dieb der Worte - Hauptplakat
Der Dieb der Worte - Hauptplakat
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Der Dieb der Worte (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Brian Klugmans und Lee Sternthals Regiedebüt "Der Dieb der Worte" ähnelt in mancher Hinsicht der deutschen Bestsellerverfilmung "Lila, Lila", die ebenfalls ein Plagiat im Literaturbetrieb zum Thema hat. Wie die beiden Jung-Regisseure allerdings mehrfach betonten, begannen sie mit der Entwicklung ihrer Geschichte schon einige Jahre, bevor Martin Suters Roman veröffentlicht wurde. Der Diebstahl geistigen Eigentums ist immer wieder Inspirationsquelle für Bücher und Filme und bleibt dabei keineswegs auf ein Genre beschränkt. Während der auf einer Vorlage von Stephen King basierende Thriller "Das geheime Fenster" die Auseinandersetzung zwischen einem vermeintlichem Plagiator und dem rechtmäßigen Urheber eines Werks als düsteres Psychoduell inszeniert, nehmen Klugman und Sternthal vor allem die tragisch-dramatischen Aspekte in den Blick.

"Der Dieb der Worte" entfaltet seine Geschichte auf drei unterschiedlichen Ebenen. Die erste befasst sich mit dem von Dennis Quaid gespielten Starautor Clay Hammond, der bei einer öffentlichen Lesung aus seinem gefeierten Werk "The Words" auf eine junge Studentin trifft, die hartnäckige Fragen zu seinem Buch stellt und ihm gleichzeitig eindeutige Avancen macht. Die beiden anderen Ebenen bebildern die Handlung von Hammonds Roman. So sind in einem ersten Schritt Rorys verzweifelte Versuche, endlich in der Literaturwelt Fuß zu fassen, die Entdeckung des fremden Manuskriptes und sein Aufstieg zum erfolgreichen Schriftsteller zu sehen. In einem zweiten Schritt muss der junge Autor sich dann dem rechtmäßigen Urheber seines Debütromans stellen. Hier stehen vor allem die Geschehnisse im Vordergrund, die den alten Mann vor mehr als 50 Jahren dazu veranlasst haben, eine tieftraurige, autobiografisch durchsetzte Geschichte zu Papier zu bringen.

Auch wenn die verschachtelte Erzählweise auf den ersten Blick äußerst komplex erscheinen mag, ist sie für den Zuschauer jederzeit durchschaubar. Dafür sorgen allein schon die wiederholt eingestreuten und mitunter sehr aufdringlichen Voice-Over-Texte. Nicht nur Clay Hammond kommentiert die Ereignisse seines Romans und die Befindlichkeiten seiner Figuren mehrfach, auch der von Jeremy Irons verkörperte alte Mann fungiert als erklärender und paraphrasierender Erzähler. Angesichts des großen Bogens, den Klugman und Sternthal mit ihrer Geschichte schlagen, erscheint diese Vorgehensweise beinahe unumgänglich. Gleichzeitig offenbart sie aber auch, dass die Darstellung und Verknüpfung der drei Autorenschicksale letztlich überambitioniert ist. Während Rorys Welt trotz einiger klischierter Bilder interessant und ansprechend gestaltet ist, bleiben die durchaus tragischen Schilderungen des alten Mannes auf oberflächliche und weichgezeichnete Rückblenden beschränkt. Clay Hammond, der Schöpfer dieser beiden Romanfiguren, ist lediglich das Abziehbild eines erfolgreichen und weltgewandten Schriftstellers. In sein Innenleben, dem gegen Ende des Films eine wichtige Bedeutung zukommt, erhält der Zuschauer nur selten Einblick. Die Verbindungen zwischen seiner persönlichen Befindlichkeit und der von ihm entwickelten Geschichte rund um Rory und den alten Mann sind wenig greifbar und dienen am Ende der doch arg vereinfachten Erkenntnis, dass Fantasie und Wirklichkeit oftmals enger miteinander verwoben sind, als wir es wahrhaben wollen.

In schauspielerischer Hinsicht sticht vor allem Bradley Cooper hervor. Er gibt dem zu Beginn erfolg- und rastlosen Rory ein zumeist glaubwürdiges Gesicht und schafft es auch im Verlauf der Geschichte, die Gewissensbisse spürbar zu machen, die den jungen Autor befallen, als ihm der alte Mann von den traurigen Hintergründen seines Manuskriptes erzählt. Auch Jeremy Irons und Dennis Quaid sind in ihren Rollen überzeugend, können den Figuren aber nicht mehr Dimension verleihen, als es das Drehbuch zulässt.

Fazit: Hochkarätig besetztes, aber schwerfällig entwickeltes Drama um Fiktion und Wirklichkeit, das zu ausufernd gerät und den Zuschauer nur selten richtig gefangen nehmen kann.




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