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Oblivion
Oblivion
© Universal Pictures Germany

Kritik: Oblivion (2012)


Alles nur schöner Schein, ist der erste Gedanke, der nach der Sichtung von Joseph Kosinskis Scifi-Epos aufkommt – und das trifft sogar in mehrfacher Hinsicht zu. Der Zuschauer wird in "Oblivion" in eine nahe dystopische Zukunft entführt. War aber das Thema in "Tron: Legacy", Kosinskis Sequel zum Virtual-Reality-Klassiker "Tron", noch, wie aus einer guten Idee ein faschistoides System und Despotismus entstehen können, wirkt das Ganze diesmal anfänglich wie eine Lehrstunde über die Folgen des nuklearen Holocausts.

Melancholisch-elegisch ist die getragene Grundstimmung von "Oblivion", und wer auf schwelgerische Landschaftspanoramen steht, wird sich an der archaisch-urwüchsigen Schönheit Islands (dort entstanden die meisten Außenaufnahmen) kaum sattsehen können. Ganz im Kontrast dazu steht das futuristische Design der künstlichen Lebensoasen, die für die Techniker und deren Operationsoffiziere das Zuhause sind. Einen weiteren Kontrast zu den zeitweise leicht transzendierten Bildern stellt überdies die recht konventionell gestrickte Action dar, ohne die der Streifen wohl zu sehr ins Avantgardistische abgedriftet wäre.

Dass dies mit dem zugrundeliegenden Mystery-Flair des Films, der durchaus mehr Gewicht und eine bessere Ausarbeitung verdient hätte, mitunter nicht immer gut harmoniert, wundert nicht; zumal die vielen allzu offensichtlichen Andeutungen und Verweise schon zu Beginn und die nicht allzu schwere Vorhersehbarkeit des relativ simplen Plots, das Vergnügen relativ früh verderben können. Und wenn die Auflösung dann letzten Endes in erwartungsgemäß konventionelle Mainstreampfade führt, ist das Wundern schon längst nicht mehr groß. Den Garaus bereitet "Oblivion" aber beinahe der Nebenplot, der mit einer romantisch-sülzigen Geschichte aufwartet, die nur noch unfreiwillig komisch wirkt.

Dass sich "Oblivion" bei alledem noch überaus deutlich bei bereits bekannten Genrefilmen motivisch oder thematisch bedient, beispielsweise "Die Insel", "Dune", "Terminator" oder "Matrix", hätte hingegen nicht einmal ausgesprochen gestört, wenn daraus etwas wirklich Überraschendes oder Neues entstanden wäre. Doch auch hier versagt der Film, dessen Figuren zudem überaus lange steril und inhaltsleer bleiben, sodass sich weder eine Sympathieebene einstellen kann, noch die Handlung als solches zu emotionalisieren vermag. Zum Ende hin wartet der Film zwar mit Erklärungen auf, die zumindest nachvollziehbar machen, warum die Akteure eben so sind, wie sie sind. Zu dem Zeitpunkt ist das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen.

Fazit: Der große Wurf ist "Oblivion" nicht. Mit den starken visuellen Elementen, der Phasenweise kontemplativen Stimmung und durchaus ansehnlicher Action, könnte er aber zumindest manch Genrefreund einen vergnüglichen Kinoabend bescheren, wenn es gelingt, den Ga-Ga-Kitsch der Lovestory zu ertragen.




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