VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Tribute von Panem - Catching Fire
Die Tribute von Panem - Catching Fire
© Studiocanal

Kritik: Die Tribute von Panem - Catching Fire (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Die Tribute von Panem – Catching Fire" ist ein typischer zweiter Teil einer Trilogie, der seine Funktion als Mittelteil konsequent wahrnimmt. Zunächst konzentriert er sich auf die Folgen der Hungerspiele für Katniss und Peeta: Sie haben furchtbare Träume, können indes im Dorf der Sieger wohnen und müssen nicht hungern. Allerdings gehört ihr Leben auch dem Kapitol, das über ihren Aufenthaltsort und ihr Verhalten bestimmen will. Nach diesen ersten Minuten erweitert Regisseur Martin Lawrence den Blickwinkel auf die anderen Distrikte: Die Not der Menschen fasst er in eindringliche, graue Bilder. Auf der Tour der Sieger wird deutlich, wie viel Hoffnung Katniss' Rebellion gegen die Regeln des Spiels den Menschen gemacht hat – und dass das Kapitol mit allen Mitteln bereit ist, diese zu zerstören. Menschen werden ermordet, weil sie stumm gegen das Regime mit einer zum Himmel gestreckten Hand rebellieren. Die Schwarzmärkte werden brutal geräumt, Katniss' Freund Gale (Liam Hemsworth) wird öffentlich auf dem Marktplatz ausgepeitscht und schließlich ersinnt Snow mit dem neuen Spielemacher Plutarch Haevensbee (Philip Seymour Hoffman) einen Weg, Katniss bloßzustellen und zu töten. Zu den 75. Jubliäumsspielen müssen die Sieger vergangener Spiele abermals antreten. Mit diesen Spielen beginnt die Überleitung zu dem auf zwei Teile angelegten abschließenden Film, der spätestens nach dem gelungenen offenen Ende von "Catching Fire" sehr erwartet werden dürfte.

Die Qualitäten des ersten Teils sind auch in "Catching Fire" zu finden: Sehr gute Schauspieler, famose Kostüme und ein beeindruckendes Produktionsdesign lassen die Welt von Panem lebendig werden. Durch den größeren Blickwinkel der Geschichte verwendet Francis Lawrence viel Sorgfalt darauf, die Perfidität des gesamten Systems zu zeigen. Beispielhaft wird es in der Szene deutlich, in der Peeta erfährt, dass es im Kapitol ein Getränk gibt, das einen erbrechen lässt. Nur so können alle Köstlichkeiten probiert werden – während in einigen Distrikten gehungert wird. Dadurch entstehen insbesondere im Mittelteil einige Längen, die aber bei einer Laufzeit von über 140 Minuten fast zwangsläufig erscheinen.

Die Verlagerung von Katniss zu einer allgemeineren Perspektive korrespondiert mit der Kameraarbeit – was insbesondere bei den Hungerspielen zu erkennen ist. Die Vorbereitungen, die Kostümwahl, die Bedeutung der Sponsoren und andere Eigenheiten werden nur kurz erwähnt, hier setzen Francis Lawrence und das Drehbuch von Simon Beaufoy klugerweise auf die Kenntnisse aus dem ersten Teil. Auch die Gegner werden nur kurz eingeführt, lediglich einige andere Tribute bekommen im Verlauf der Spiele mehr Profil und lassen mitunter auch die traumatisierenden Folgen der Kämpfe erkennen. Während der Kämpfe wird dann nicht mehr wie im ersten Teil die Handkamera eingesetzt, sondern Francis Lawrence setzt auf actiongerechte Totalen, die zusammen mit dem Setting in einem Dschungel auch den künstlichen Charakter der Spiele betonen.

Neben den Qualitäten des ersten Teils treffen aber auch dessen Kritikpunkte auf "Catching Fire" zu. Jennifer Lawrence erscheint nicht 17-jährig wie die Romanfigur und dadurch wird die Brutalität, Kinder gegeneinander antreten zu lassen, abgeschwächt. Auch die Spiele sind weniger grausam als im Buch geschildert – hier zeigt sich das Bemühen der Filmemacher, eine möglichst erfolgsversprechende Altersfreigabe zu bekommen. Doch abgesehen davon gelingt Jennifer Lawrence der Balance-Akt aus kämpferischer Bogenschützin, unfreiwilliger Symbolfigur und junger Frau sehr gut. Seit "Winter's Bone" hat sie sehr viel schauspielerische Erfahrung gesammelt, die sie hier zeigen kann – wenngleich einige Szenen am Ende auch zeigen, dass sie noch Potential nach oben hat. Dieser Film lebt von ihrer Performance – und sie trägt diese Last scheinbar mühelos. Es bleibt zu hoffen, dass es eine gute Entscheidung war, den letzten Teil der Buchvorlage auf zwei Filme aufzuteilen. Denn diese Filmreihe hat einen sehr guten Abschluss mehr als verdient.

Fazit: "Die Tribute von Panem – Catching Fire" ist trotz einiger Längen im Mittelteil ein sehr unterhaltsamer und spannender Actionfilm mit einer unwiderstehlichen Heldin.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.