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To Rome with Love
To Rome with Love
© Tobis Film

Kritik: To Rome with Love (2012)


"Die Stadt lädt dazu ein, eine Reihe von Geschichten gleichzeitig zu erzählen", sagt Woody Allen über seinen neuen Film "To Rome With Love". Und so schildert der Altmeister eine Vielzahl von Episoden, die sich allesamt in Rom ereignen. Dabei reiht er die Geschichten nur lose aneinander – und verliert sie nach und nach aus den Augen. Sicherlich sollte "To Rome With Love" kein Episodenfilm werden – darauf deutet schon die zeitliche Struktur der Geschichten hin, die sich mal über einen Nachmittag, dann über mehrere Monate hinziehen –, aber die Miniaturen ergeben kein stimmiges Ganzes und sind schon in sich nicht sorgfältig zu Ende gedacht. Deutlich wird es an der stärksten Episode des Films, die von dem Architekturstudenten Jack und der Gefahr der Verführung durch die beste Freundin seiner Freundin handelt. Mühelos und gekonnt gelingt es Woody Allen, den erzählerischen Status von John, dem älteren Architekten, im Unklaren zu lassen. Fungiert er als allwissender Erzähler oder ist Jack gar sein junges Alter Ego? Entspinnt sich Jack einen Mentor, John ist sein personifizierter Verstand, der Monicas Strategie durchschaut – oder einfach nur eine Zufallsbekanntschaft? Diese Möglichkeiten bestehen nebeneinander, noch dazu harmonieren Alec Baldwin und Jesse Eisenberg gut miteinander und weisen eine deutliche äußere Ähnlichkeit auf. Dadurch ergeben sich weitere Spiegelungsoptionen, die Woody Allen ebenso wenig nutzt wie die erzählerischen Spielräume und das Potential seiner Schauspieler. Fraglos ist Ellen Page schön als skrupellose Monica besetzt, aber Greta Gerwig ist in ihrer Rolle als Jacks Freundin kaum Zeit vergönnt. Auch in den anderen Geschichten können die Schauspieler nicht über die oftmals leblosen und konstruierten Dialoge hinwegtäuschen – und selbst der großartigen Judy Davis gelingt es kaum gegen die Beschränktheit ihrer Rolle anzuspielen. Immerhin sind ihr die besten Pointen des Films vergönnt.

Hat die Geschichte um den verhinderten Opernsänger alleine aufgrund der herrlichen Inszenierung am Ende einen gewissen Unterhaltungswert, bleiben andere Geschichten schwächer. Die Episode um Milly und ihren Mann ist vorhersehbar und flach, außerdem ist sie nicht gut gespielt. Roberto Benigni vermag es immerhin, seine Ein-Mann-Show durchzuziehen, wenngleich er die angenehme Zurückhaltung, die er anfangs an den Tag legt, nicht durchzuhalten vermag, und letztlich doch überdreht. Aber zu seiner Geschichte fällt Woody Allens Drehbuchnicht mehr ein als dass Ruhm letztlich auch angenehme Seiten hat. Für eine – womöglich selbstreflexive – Auseinandersetzung mit seiner eigenen Berühmtheit reicht diese Erkenntnis nicht aus.

Aufgrund der schwachen Geschichten entwickelt sich in "To Rome With Love" kaum Charme. Stattdessen drängt sich der Gedanken auf, dass Woody Allen eine Vielzahl von Ideen noch schnell verfilmen wollte. Aber das reicht selbst bei ihm nicht für einen guten Film.

Fazit: In "To Rome With Love" reiht Woody Allen eine Reihe von Geschichten aneinander, die aber nur ansatzweise geglückt und durchdacht sind. Gegen die schwache Inszenierung und das schwache Drehbuch können auch die Schauspieler nicht viel ausrichten.




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