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Labor Day
Labor Day
© Paramount Pictures

Kritik: Labor Day (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Bislang stand der kanadische Filmemacher Jason Reitman (Sohn von "Ghostbusters"-Regisseur Ivan Reitman) vor allem für gewitzt erzähltes und verhältnismäßig anspruchsvolles US-Kino. Ob "Thank You for Smoking", "Juno" oder "Up in the Air", die meisten seiner treffsicher besetzten Arbeiten kreisen um interessante Themen, die Reitman einem größeren Publikum zugänglich machen konnte. Vor diesem Hintergrund muss es schon ein wenig verwundern, dass der junge Regisseur und Drehbuchautor nun Joyce Maynards eher banalen Roman "Der Duft des Sommers" adaptiert hat, dessen Geschichte nicht nur mit erheblichen Glaubwürdigkeitsproblemen ringt, sondern auch überaus schematisch daherkommt.

Adele (Kate Winslet) leidet an Panikattacken und Angstzuständen, will ihr Haus nicht mehr verlassen und ist daher auf ihren dreizehnjährigen Sohn Henry (Gattlin Griffith) angewiesen. Seit sich ihr Ehemann von ihr getrennt hat, kümmert sich der Junge rührend um seine depressive Mutter und hofft insgeheim, dass sie bald wieder glücklich wird. Als er sie kurz vor dem Labor-Day-Wochenende überreden kann, mit ihm in den örtlichen Supermarkt zu fahren, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Durch Zufall geraten die beiden an den entflohenen Häftling Frank (Josh Brolin), der sich bei seinem Ausbruch verletzt hat und nach einem vorübergehenden Unterschlupf sucht. Er zwingt Adele, ihn mitzunehmen, und quartiert sich schließlich in ihrem Haus ein. Was wie eine Art Geiselnahme beginnt, entwickelt sich allerdings sehr bald zu einem vertrauensvollen Miteinander. Frank und Adele nähern sich immer mehr an, denn beide sehnen sich schon lange nach Zuneigung.

Auch wenn Reitman das stille Verlangen der verunsicherten Frau nach einem Mann im Haus spürbar zu machen versucht, wirkt das Umkippen von Bedrohung hin zu bedingungsloser Anziehung nicht plausibel. Viel zu schnell wandelt sich Frank vom gefährlichen Eindringling zum rettenden Engel, der dem eingefahrenen Leben von Mutter und Sohn neues Leben einhaucht. Er bekocht sie, zeigt ihnen mit Hingabe, wie man Pfirsichkuchen backt, bringt das Haus wieder in Schuss und übt mit Henry Baseball-Würfe. Der verurteilte Mörder scheint alles zu können und eine überraschend emotionale Seite zu haben. Verwerflich ist das nicht. Ärgerlich wird es aber, wenn Frank im Garten von Adeles Anwesen ober beim Reparieren der Dachrinnen zu sehen ist, obwohl die Polizei mit Hochdruck nach ihm fahndet. In diesen Szenen führt "Labor Day" das Verhalten der Ausbrecher-Figur regelrecht ad absurdum.

Spannungsmomente – etwa das Auftauchen von Nachbarn – schiebt Reitman routiniert in den Plotverlauf ein, kann dem Geschehen damit aber keine nachhaltig ambivalente Färbung geben. Es dominiert der süßliche Blick auf die Annäherung zwischen Adele und Frank, die beide eine tragische Vergangenheit haben, wie eine Reihe von Rückblenden deutlich macht. Zur melodramatischen Verklärung der Verhältnisse trägt neben den leuchtend-warmen Bildern freilich auch der Voice-Over-Kommentar des erwachsenen Henry (Stimme: Tobey Maguire) bei, der als Erzähler des Films fungiert und sich an das fast märchenhaft anmutende Labor-Day-Wochenende zurückerinnert. Interessant ist dabei, dass der Junge in diesen Tagen seine eigenen sexuellen Sehnsüchte entdeckt und ein recht forsches Mädchen kennen lernt. Leider kommt dieser Nebenstrang über Ansätze nicht hinaus, was schon enttäuschend ist, wenn man bedenkt, dass der Regisseur in seiner Coming-of-Age-Studie "Juno" äußert amüsant mit dem Thema umzugehen wusste.

Dass der Film zunehmend in überladenem Hollywood-Kitsch versinkt, ist den Hauptdarstellern am wenigsten anzulasten. Winslet und Brolin spielen durchaus beherzt gegen logische Brüche und Rührseligkeiten an, können letztlich aber nicht allzu viel gegen die konstruiert erscheinende Entwicklung ihres Liebesverhältnisses ausrichten.

Fazit: Eine unglaubwürdige Prämisse, leuchtend-verträumte Bilder und offen ausgestellte Gefühlsduselei – die Romanadaption "Labor Day" ist Hollywood-Melodrama in Reinform. Kaum zu glauben, dass sich der sonst so pfiffige Filmemacher Jason Reitman dafür nicht zu schade war.




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