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Der Fluss war einst ein Mensch
Der Fluss war einst ein Mensch
© Filmgalerie 451

Kritik: Der Fluss war einst ein Mensch (2011)


Eine Filmerfahrung der besonderen Art stellt "Der Fluss war einst ein Mensch", das Spielfilmdebüt des Berliner Kameramanns und Filmemachers Jan Zabeil, dar. Der Film wurde mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet und schildert auf innovative, aber auch schwer verdauliche Art und Weise einen uralten Kampf: Mensch gegen Natur. Sein surreal angehauchtes Survival-Drama ist ein Werk, das ohne Drehbuch auskommt, mit gängigen Erzählweisen und -formen bricht und als One-Man-Show nur eine einzige Person in den Mittelpunkt rückt. Diese Person, ein junger Deutscher, ist alleine in einem afrikanischen Land unterwegs und muss in einem riesigen, menschenleeren Sumpfgebiet ums Überleben kämpfen.

In die Rolle dieses Mannes schlüpfte mit Alexander Fehling einer der aktuell begehrtesten Jung-Schauspieler des Landes, der 2010 für seine Leistung in dem Kinofilm "Goethe!" für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde. Im Jahr darauf erhielt er auf der Berlinale einen Preis als "Shooting Star" des europäischen Films. Fehling trägt mit seiner bedrückenden, intensiven Perfomance einen in allen Belangen ungewöhnlichen Film, der neben Fehling aber noch einen weiteren Hauptdarsteller hat: die ebenso beeindruckende wie bedrohliche afrikanische Natur und Wildnis. "Der Fluss war einst ein Mensch" ist vor allem für diejenigen Zuschauer geeignet, die ihre Freude an ungewöhnlichen, unkonventionellen Filmen und Projekten abseits der Norm haben.

Man erfährt nicht viel über den jungen Protagonisten und sein Vorhaben. Sowohl sein Name, als auch Sinn und Zweck seiner Reise bleiben im Unklaren. Nur dass er Schauspieler ist erfährt man. Dies ist Teil des ungewöhnlichen Konzepts des Films. Ohne Drehbuch machten sich Regisseur Jan Zabeil und sein kleines Team nach Afrika auf, um dort im Okavango-Delta, mit über 20.000 Quadratkilometern eines der größten und tierreichsten Feuchtgebiete Afrikas, ein außergewöhnliches filmisches Projekt umzusetzen. Der Film bietet nur wenig Dialoge, die kurzen Gespräche spielen sich fast ausschließlich zwischen dem jungen Deutschen und dem alten Bootsführer auf Englisch ab. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich: Im Zentrum steht hier nicht das gesprochene Wort sondern die Schönheit und Gefahr der Natur und der Wildnis. Man sieht den Deutschen, wie er von dem alten Afrikaner, natürlich namenlos, auf einem Holzboot durch das beeindruckende, verzweigte Flussdelta gesteuert wird. In langen Einstellungen und berauschenden Kamerafahrten fängt Zabeil die Schönheit des Deltas ein. Ein ausgedehntes, schwer zugängliches Labyrinth, das in überwältigenden, malerischen Bildern eingefangen wird. In diesen Momenten wirkt der Film sehr dokumentarisch, einzig der Off-Kommentar fehlt.

Eine Zäsur für den Protagonisten und die Zuschauer ergibt sich, als der alte Bootsführer vom jungen Deutschen tot aufgefunden wird, auch, wenn man nicht erfährt, was den Tod des Mannes verursachte. Ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich der Film, der sich in den ersten Minuten vor allem der Pracht der Natur widmete, zu einem Survival-Drama, das fortan den Überlebenskampf des Deutschen schildert. Die Kamera zeigt den jungen Mann in einer schier ausweglosen, irreal anmutenden Situation: Er muss einen Ausweg aus dem endlosen Flussdelta finden und sich daher – alleine und ohne professionelle Anleitung – auf die Suche nach Zivilisation begeben. Durch Nahaufnahmen und Alexander Fehlings nachhaltiges Spiel mit Gestik und Mimik, wird seine Angst und Furcht nur allzu deutlich. Auch hier bedarf es wieder keiner Worte, keiner Einschübe oder Erläuterungen, um den Gefühlszustand der Hauptperson darzustellen. Um die Ausweglosigkeit und Isolation zu vermitteln, macht sich der Film zudem erneut die Landschaft und ihre Weite zu Eigen. Dabei bedient er sich – trotz der zunehmend bedrohlichen Situation – verträumter, fast hypnotischer Aufnahmen und ändert auch mit diesem Einschnitt in der Handlung nichts an seiner langsamen, schwelgerischen Erzählweise. Hier bleiben die Macher ihrem Konzept konsequent treu und sorgen dafür, dass der Zuschauer von der ruhigen, gemächlichen Darstellung und Inszenierung der lebensbedrohlichen Situation zugleich fasziniert und erschüttert ist. Alexander Fehling meistert seine Rolle mit Bravour.

Fazit: Ebenso faszinierend wie ungewöhnlich und komplex schildert "Der Fluss wie einst ein Mensch" den Überlebenskampf einen jungen Mannes inmitten der bedrohlichen afrikanischen Wildnis. Dabei kommt der Film mit zwei Darstellern aus: einem bedrückend intensiv aufspielenden Alexander Fehling und dem prachtvollen Okavango-Delta als Handlungsort, dem weltweit größten Binnenfluss-Delta.





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