VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die zwei Gesichter des Januars
Die zwei Gesichter des Januars
© Studiocanal

Kritik: Die zwei Gesichter des Januars (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Fällt der Name Patricia Highsmith, denkt man sofort an Klassiker der Thriller-Literatur wie "Zwei Fremde im Zug" oder den äußerst erfolgreichen Romanzyklus rund um den Identitätskünstler Tom Ripley (Stoffe, die auch den Weg ins Kino gefunden haben). Weniger bekannt ist hingegen der 1964 veröffentlichte Roman "Die zwei Gesichter des Januars", der nach einer deutschen Verfilmung aus dem Jahr 1986 nun erneut für die Leinwand adaptiert wurde. Kein Geringerer als "Drive"-Drehbuchautor Hossein Amini legt mit dem Noir-Thriller sein Regiedebüt vor und wandelt dabei virtuos auf den Spuren von Suspense-Legende Alfred Hitchcock.

Wie so oft in Highsmiths Werken, sind die Protagonisten aus "Die zwei Gesichter des Januars" fragwürdige Zeitgenossen. Menschen, die ihren eigenen Vorteil über den anderer stellen, nach außen jedoch den Anschein von Anstand und Aufrichtigkeit wahren. Das amerikanische Ehepaar Chester (Viggo Mortensen) und Colette MacFarland (Kirsten Dunst) ist mit Finanzbetrügereien zu viel Geld gekommen und kann sich nun einen aufwendigen Lebensstil leisten. Der junge Stadtführer Rydal (Oscar Isaac) wiederum, ein US-Bürger, der fließend Griechisch spricht, hält sich mit kleinen Gaunereien über Wasser und schaut bewundernd, aber ebenso neidisch zu den eleganten Landsleuten auf. Als ein tödlicher Unfall die drei unerwartet zusammenschweißt, ist umgehend klar, dass die gemeinsame Flucht vor der griechischen Polizei kein gutes Ende nehmen kann.

Amini versteht es allerdings vortrefflich, die zu erwartende Eskalation hinauszuzögern und eine konstant knisternde Atmosphäre zu kreieren. Entscheidend für das Gelingen ist vor allem die geschickte Informationsverteilung. So weiß etwa der Zuschauer, im Gegensatz zu Rydal, dass Chester seinen Verfolger, einen schmierigen Privatdetektiv, bei einem Handgemenge im Hotel versehentlich getötet hat. Ein Umstand, der während der Flucht mehrfach aufzufliegen droht und die Beziehung der beiden Männer in eine gefährliche Richtung lenken könnte. Rydals Interesse an der hübschen Colette (und umgekehrt!) wird hingegen nie mit expliziten Auskünften unterfüttert. Auch wenn Begehrlichkeiten in den vertrauten Gesprächen der beiden auszumachen sind, liefert der Film keinen eindeutigen Beweis für einen Ehebruch. Gleichwohl reichen Verdachtsmomente aus, um die Spannungen innerhalb der Schicksalsgemeinschaft stetig ansteigen zu lassen, bis sie sich in den Ruinen von Knossos auf unerwartete Weise entladen.

Einen interessanten Kontrast zum düsteren Intrigenspiel der Figuren bildet das von Kameramann Marcel Zyskind stilsicher eingefangene Mittelmeersetting der 1960er Jahre. Helle Farben und Sonnenschein dominieren, weisen freilich aber umso nachdrücklicher auf den schmalen Grat zwischen Schein und Sein hin, den der Thriller von Anfang an in den Blick nimmt. Während Kirsten Dunst als Femme fatale eine eher funktionale Rolle zukommt, die nicht allzu viel Raum zum Glänzen bietet, dürfen sich Viggo Mortensen und Oscar Isaac ein fesselndes Psychoduell liefern, das vor der antiken Kulisse fast schon mythologische Dimensionen erreicht: zwei Männer, die das Schicksal aneinander gekettet hat und die sich ohne den Untergang des anderen wahrscheinlich nicht mehr retten können.

Fazit: Hossein Aminis Adaption des Highsmith-Romans "Die zwei Gesichter des Januars" überzeugt nicht nur mit einer langsamen, aber konsequenten Spannungssteigerung und starken Darstellerleistungen. Auch optisch wirkt der knisternde Noir-Thriller äußerst stimmig.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.