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Schlussmacher - Hauptplakat
Schlussmacher - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: Schlussmacher (2012)


Die deutsche Filmförderung gleicht heutzutage einem blutig umkämpften Schlachtfeld. Neuproduktionen kämpfen um jeden Cent staatlicher Förderung, attackieren, warten ab, halten verzweifelt die Stellung und buhlen mit allen Mitteln um die Unterstützung der Bundesländer. Ranghohe deutsche Filmemacher, bekannte Regisseure oder Schauspieler erhalten, so scheint es jedenfalls bei der viel zu oft absolut unannehmbaren Qualität der Filme, eine Art Blanko-Scheck. So reibt man sich als Zuschauer manchmal verwundert die Augen, wenn im Abspann eines zu Wuttränen rührenden Films zahlreiche Förderanstalten unterschiedlicher Bundesländer genannt werden. So auch (leider) bei der neuen Matthias Schweighöfer-Komödie "Schlussmacher", die das neue Kinojahr 2013 gleich mal auf katastrophale Weise einweiht und damit wenig Anlass auf Hoffnung gibt.

Der junge Regisseur wie Hauptdarsteller nähert sich mit seiner Filmfurunkel Stück für Stück dem Til Schweiger-Genre an (das typischerweise von einem Arsch handelt, der lernen muss Verantwortung zu übernehmen). Penibel ist die Rolle von Paul auf den Leib des Semi-Hollywoodstars zugeschnitten - doch der einst so spritzige Schweighöfer ("Friendship") mimt selbst den B-Schweiger und geht damit total baden.

Die Vorteile von "Product-Placement" liegen auf der Hand. Für ein paar wenige Gefälligkeiten gibt es ordentlich Geld aus der Wirtschaft. In Schweighöfers Film aber drängelt sich der Werbe-Partner nicht nur in den Vordergrund, er dominiert den Film und hat scheinbar auch vorgegeben, wie Szenen auszusehen haben.
Besonders Mercedes-Benz beansprucht mit seinen A- bis Z-Klassen gleich die Hälfte der Spielzeit. Immer wieder unterbricht der Film sein Tempo, wenn er (wie so oft) nichts zu erzählen hat und zeigt Schweighöfer und seinen ungeliebten Mitfahrer beim Autofahren.
Untermalt sind diese immer wiederkehrenden Szenen von einem ohrenbetäubenden Soundtrack - ganz so, als hätte Schweighöfer persönlich am Regler der ausgekauten Radio-Pop-Musik gedreht. Dies ist zugleich audiovisuelle, wie optische Folter – und ein Angriff auf Verstand wie Wohlbefinden. Es dröhnt durch die Boxen, kracht und blubbert und soll offenbar davon ablenken, dass der Film praktisch nichts zu erzählen hat.

Von Schweighöfer-Filmen konnte man sich bisher immer mehr erhoffen. Aber nun verliert auch er sich im Strudel gleichgeschalteter filmischer Mainstream-Ödnis. Es dreht und dreht und dreht sich nur um sich selbst. Kein Fünkchen Originalität, kein Ansatz einer durchdachten Handlung, die nicht als leere Hülle für den immer gleichen dilettantischen Versuch Humor zu versprühen herhalten müsste. Damit ist "Schlussmacher" schon jetzt ein Klassiker unter den Klischees deutscher 08/15 Filmkost. Hinzu kommt die Enttäuschung, dass sogar dem Darsteller Schweighöfer jener Charme komplett abhanden gekommen ist, den er bisher so überzeugend ausstrahlte. Seine Figur, wie auch jede andere in dem Film, ist kein Charakter, sondern eine Art schlechte Kompilation unzähliger Komödien zuvor. Ein wenig Schweiger hier, ein wenig Ulmen dort und dazu das beste von Wilke-Möhring. Aber: Man wärmt ja auch keine Fünfminuten-Terrine nach zwei Tagen noch mal auf und erhofft sich, dass was Besseres raus kommt als zuvor. Der "Schlussmacher" allerdings versucht sich an genau diesem Folterexperiment.

Sobald der Film dem RTL-Niveau eines durchschnittlichen Samstagabend nacheifert, geht mit dem Machwerk auch gleich das filmische Abendland unter. Auf der Zielscheibe peinlicher Witze stehen, wie könnte es nicht diskriminierender und engstirniger sein, fette Frauen, die angeblich Ähnlichkeiten mit Wildschweinen aufweisen, dazu Lesben und russische Oligarchen, die ihr Klischee erfüllen müssen. Da fragt Toto nett: "Haben Lesben nicht immer kurze Haare und keinen Busen?"
Aber ja, seufzt da der geneigte Kinogänger – das ist natürlich VOLLKOMMEN richtig!. Und am Ende haben sie auch flotte Dreier. Denn insgeheim stehen Lesben selbstverständlich auf Männer.

Fazit: Nach 108 Minuten dauerhaftem Face-Palm Beschuss wird dringend geraten, die eigene Stirn beim Arzt durchchecken zu lassen. Auch Antidepressiva sollten möglichst verfügbar sein. Bei diesem filmischen Patienten ist es allerdings für einen Arzt schon längst zu spät, denn er gibt kein einziges ernstzunehmendes Lebenszeichen von sich.





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