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Ted
Ted
© Universal Pictures Germany

Kritik: Ted (2012)


Manche kleine Jungs wünschen sich, nie groß zu werden, andere, all das zu dürfen, was die Erwachsenen dürfen. Ein paar wenige haben aber weitaus bescheidenere Wünsche, wie einen echten Freund zu haben; einen richtigen, mit dem man durch dick und dünn gehen kann und der einen nie im Stick lassen würde. Doch solche Freunde sind rar, und wenn man tatsächlich eines Tages solch einen finden sollte, grenzt es vielleicht schon an Zauberei. Auf jeden Fall sollte man solch einen Freund hegen und pflegen.

Der kleine John hat nicht wirklich viele Freunde im Leben. Selbst von den Losern, die mit der Schnauze im Dreck liegen und verprügelt werden, erntet er in der Regel nur ein: "Verpiss dich!". Wenn solch ein Kind imaginäre Freunde entwickelt, sollte man sich nicht wundern, doch es kommt noch viel besser: Zu Weihnachten bekommt John einen sprechenden Teddybären geschenkt. Der Junge freut sich über die Maßen über das tolle Geschenk. Am schönsten wäre es aber, wenn Teddy nicht bloß ein paar Sätze vom Band ablassen könnte, sondern richtig lebendig wäre. Nun, warum auch immer, als John am nächsten Tag erwacht, ist sein Wunsch wahr geworden. Teddy lebt – und wie!

Bald ist der kleine Bär eine nationale Berühmtheit, die es in alle Nachrichtensendungen, auf die Titelseiten der Magazine und in Talkshows schafft. Doch nichts ist schnelllebiger als die Medienlandschaft von heute, und so ist der Wunderbär bald wieder vergessen. Die Freundschaft zu John bleibt allerdings. 25 Jahre später sind die beiden immer noch unzertrennbare Buddies mit Hang zu einem spätpubertären locker-flockigen Lebensstil; wobei es Ted allemal heftiger als John (Mark Wahlberg) treibt. Der hat zumindest einen Job und eine Freundin (Mila Kunis), die jedoch alles andere als begeistert von dieser Menage a trois ist.

"Ted" ist der Spielfilmerstling des Regisseurs, Schauspielers, Komikers und Synchronsprechers Seth MacFarlane, der vor allem als Schöpfer und Sprecher der beiden Trickfilmserien "Family Guy" und "American Dad" Bekanntheit und in manchen Kreisen sogar Kultstatus erlangte. Dementsprechend wundert es wenig, dass der zum Leben erwachte Teddy sich als "Erwachsener" genauso anhört, wie der Vater in "Family Guy" und auch denselben extremen Humor an den Tag legt. Obwohl der Film im Grunde eine Art modernes Märchen über das Nicht-erwachsen-werden-wollen von Männern darstgellt, sollten all jene, die so etwas wie eine Feelgood-Komödie erwarten, vielleicht besser einen Bogen um den Streifen machen.

Für Zartbesaitete ist dieses überaus derbe Filmvergnügen nicht wirklich was. Nicht nur, dass das böse F-Wort inflationär zum Einsatz gelangt; überdies wird dieser Akt auch in allen nur erdenklichen Posen und Praktiken angedeutet sowie auch ausgiebig zelebriert. Vor allem vom plüschigen Protagonisten, selbst wenn ihm dafür eigentlich ein unerlässlicher anatomischer Bestandteil fehlt. Not macht in der Beziehung aber wohl erfinderisch – dennoch unterlässt es Ted nicht, sich bei seinem Hersteller regelmäßig darüber zu beschweren, dass Teddybären ohne Penis ausgeliefert werden.

Eine wie immer geartete Handlung sollte man aber nicht ernstlich erwarten. Zwar zieht sich Johns Beziehung, mit der es wegen Teds Gebaren – angesiedelt irgendwo zwischen römischer Dekadenz, Proleten-Single-Dasein und Dauer-Hippie-Happening – nicht zum Besten steht, als roter Faden durch den Film; im Grunde lebt die Show aber vom ultracoolen Bär-Talk und der Aneinaderreihung von zum Teil grenzwertigen Gags, in der selbst Körperausscheidungen für eine gelungene Lachnummer herhalten. Trotz aller Derbheit entfaltet der Film auf einer anderen, geradezu zauberhaften Seite einen eigentümlichen Retro-Flair, der besonders jene ansprechen sollte, die in den 80ern Kind oder Teenager waren. Für all die sind auch die zahlreichen popkulturellen Anspielungen der Zeit gedacht, bis hin zur geradezu ikonisch hochstilisierten Verehrung des grandiosen Film-Flops "Flash", dessen kulthafte Anbetung, die zum Running Gag ausartet, alle jenen ein Fragezeichen im Kopf bescheren sollte, die nicht Kinder dieser Ära waren.

"Ted" ist im Grunde wie die schiere Manifestation der dunklen Seite im Mann. Er säuft, kifft, vögelt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist; sagt immer was er denkt und denkt selten, bevor er spricht; und über das Morgen macht er sich keinen Kopf. Verpackt in den Körper einen knuddeligen Bären kann man dem kleinen Monster trotzdem nicht grollen. Dabei entbehrt er lediglich des Unterleibs eines Ziegenbocks, Hörnern und einer Flöte, um als Gott Pan durchzugehen. Lässt man diese Betrachtungsweise aber beiseite, ist der Streifen or allem ein waschechter Buddie-Movie und eine wundervolle Parabel über die Weigerung die Kindheit loszulassen. Mark Wahlberg verdient sich darin Höchstnoten für sein authentisches Interagieren mit seinem virtuellen Plüschpartner, ohne das, die Magie der Geschichte nicht hätte funktionieren können.

Fazit: Grandioser Spaß, der derbe in manchen üblen Niederungen wühlt, aber Dank der beiden Protagonisten nie seinen Charme verliert. Empfindliche Seelen könnten aber durchaus ihre Probleme mit dieser Art Humor haben – und mit einer kindertauglichen Komödie sollte man, trotz des animierten Teddys, den Film keinesfalls verwechseln.




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