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Mann tut was Mann kann - Plakat
Mann tut was Mann kann - Plakat
© Warner Bros.

Kritik: Mann tut was Mann kann (2011)


Paul (Wotan Wilke Möhring) trifft der Schlag. Von einer Sekunde auf die andere weiß er, dass er nun handeln muss. Er sprintet los, in seine Wohnung, da wo Schamski (Jan Josef Liefers) gerade seine Ex-Frau vernascht, schnappt sich den Porsche-Schlüssel, heizt los. Landstraße, Tempo 200, kein Problem. Auch für die Radarkontrolle nicht. Ein schönes Foto mit Handy am Ohr und das ganz ohne Führerschein. Für die Liebe muss alles hinten anstehen. Auch wenn sich der Benzintank obligatorisch auf den letzten Metern verabschiedet. Dann muss man für seine Herzensdame eben auch rennen, durch einen See robben und klatschnass die Hochzeitszeremonie sprengen, vor der versammelten Mannschaft eine peinlich-romantische Rede halten und die Braut dem "Anderen"noch kurz vor "Eheschluss" ausspannen.

Ein Tatsachenbericht? Nie und nimmer. Vielmehr das Produkt deutscher Drehbucharbeit am Fließband. In der Komödie "Was tut was Mann kann" kommt es jedenfalls dazu, unausweichlich – auch für den Zuschauer: Der Held bekommt seine Schönheit. Ein Spoiler? Ach, seien wir doch ehrlich…
Dass hinter dieser immer wieder abgespulten Liebesleier kein sonderlicher Reiz steht, interessiert kaum jemanden hinter der Kamera, weil es schließlich mehr oder weniger Erfolg hat. Wenn man sich die letztjährigen Kassenerfolge, die einen oder mehrere verliebte Männer zum Hauptthema hatten, anschaut, erkennt man schnell das immer gleiche Prinzip. "KeinOhrhasen“, "Zweiohrküken“, "Kokowääh“, "Männerherzen"oder "Männerherzen 2“.
Damit Rothemunds Film als Endprodukt für das deutsche Massenpublikum ordentlich Gewinn einfährt, bietet der Cast die gleichen Gesichter auf, die auch schon in den oben genannten Produktionen mitspielen durften - Möhring selbst war in "Männerherzen" genauso zu sehen wie Oliver Korittke. Jasmin Gerat durfte man mit Friederike Kempter bereits in "Kokowääh"sehen. Das sorgt für Wiedererkennungswert.

Zudem nutzt "Mann tut was Mann kann"das gleiche Schema wie die oben genannten Produktionen: Bis sich Paul und seine Herzensdame gefunden haben, darf der Zuschauer einige Running-Gags um den aggressiven Hund Fred erleben, bestaunen, wie Paul seinen Freunden zum Glück verhilft, um am Ende der Geschichte nicht mehr der egoistische Einzelgänger zu sein, sondern ein warmherziger, liebevoller Mann.
Dass solch plumpe Herangehensweise gar nicht mehr aufregen sollte, zeigt die Tatsache, dass eine solche Figur in jedem Film, der Männer zur Hauptfigur macht, vorkommen muss. Frauen sind zumeist vom Glück verlassen, werden von ihren Männern betrogen oder haben ein ungewolltes Kind an der Backe. Männer sind Arschlöcher oder hoffnungslose Romantiker, denen mal ordentlich in den Hintern getreten werden muss.

Also Schwamm drüber: Immerhin bleibt dem Regisseur zu Gute zu halten, dass er eine Portion Selbstironie einfließen lässt, wenn er die "Liebe auf den ersten Blick"genüsslich parodistisch zelebriert. Und alles was abseits des Bemühten und nicht dem (an sich durchaus sympathischen) Möhring passiert, lässt Qualität aufblitzen und versprüht dank eines sehr gut aufgelegten Nebencasts zumindest teilweise den Charme einer hübschen, aus den Fugen geratenen Komödie. So kann sich "Mann tut was Mann kann" abseits der Hauptfigur Paul als mindestens mittelmäßige, immer wieder auch unterhaltsame Komödie profilieren - und das vor allem dank Jan Joseph Liefers und seiner aufopferungsvollen Darstellerleistung.

Liefers durfte sein Talent fürs Komödiantische ja schon öfters unter Beweis stellen - ein Blick auf Thomas Jahns "Knocking On Heavens Door" genügt. Hier nun mimt er Guido Schamski – einen versoffenen Frauenliebhaber mit angeknackster Psyche, den Liefers mit charmanter Lässigkeit und selbstironischer Coolness locker von der Spule rollt.
Und immer wenn Liefers als Schamski oder der verpeilte Oliver Korittke als Günther die Bühne betritt, befreit sich die eingeschlafene Liebeskomödie von Rothemund aus dem erlahmenden Korsett der immer gleichen Liebesgeschichte um einen Einzelgänger, der von der Liebe getroffen, sein Leben ändert, um endlich Verantwortung zu lernen. Liefers philosophischer Diskurs mit Fahrer Bronko über den freien Willen, Günthers verzweifelte Anmachversuche bei einer jungen Kellnerin: Hier funktioniert der Humor des Films, weil er entscheidend gegen den Strich der Konventionen bürstet und auch mal Raum für vollkommen absurde, teils abenteuerliche Ideen lässt. Das tut gut, wirkt der Film sonst doch komplett vorprogrammiert - so austauschbar wie witzlos.

Fazit: Wer schon bei "Männerherzen"oder "KeinOhrHasen"das Kino stürmte, wird auch mit "Mann tut was Mann kann"etwas anfangen können. Die deutsche Fließbandarbeit von Mark Rothemund ist maßgeschneidert für einen Kinoerfolg und kann dank eines tollen Nebencast (Jan Josef Liefers) auch unterhalten!





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