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21 and Over
21 and Over
© Relativity Media

Kritik: 21 & Over (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Wie es scheint, war die Versuchung zu groß. Jon Lucas und Scott Moore, die das Drehbuch zum ersten "Hangover"-Teil verfassten, nehmen in ihrem Regie-Debüt "21 & Over" unumwunden Bezug auf ihren Sensationserfolg aus dem Jahr 2009, wenngleich sie mit ihrer College-Komödie nun vor allem auf ein junges Publikum abzielen. Schon die Eröffnungssequenz unterstreicht die Nähe zum absurd-komischen Kater-Trip des "Wolfsrudels". Casey und Miller laufen hier in einer Art Prolog nackt über den morgendlichen Campus, wobei ihre Hintern mit roten Striemen bedeckt sind und ihre Geschlechtsteile lediglich von Socken verhüllt werden. Was folgen muss, ist klar: Die Aufarbeitung einer fatal verlaufenen Nacht. Anders als in "Hangover" wissen Casey und Miller allerdings genau, in welch peinliche Situationen sie geraten sind.

Verwerflich ist es sicher nicht, wenn sich Filmemacher von ihren früheren Werken inspirieren lassen. "21 & Over" zeigt jedoch schmerzlich, wozu ein solcher "Ideenklau" im schlechtesten Fall führen kann. Während sich in "Hangover" alle noch so aberwitzigen Einfälle und Wendungen am Ende zu einem abgedrehten, aber stimmigen Gesamtbild zusammenfügen, präsentiert sich der College-Spaß als Flickwerk aus willkürlichen und bemüht provokanten Handlungen. Geschmacklosigkeiten wie das Pinkeln in eine grölende Menge stehen albernen Slapstick-Einlagen oder vollkommen beliebigen Story-Einfällen gegenüber. Besonders deutlich wird das allzu berechnende Streben nach Absurdität, als der Zuschauer erfährt, warum Casey und Miller zu Beginn nackt über das Unigelände laufen. Was womöglich eine Parodie auf die Rituale amerikanischer Studentenverbindungen darstellen soll, ist im Kontext der Geschichte nichts weiter als ein unmotivierter Twist, der nur mühsam zum Lachen einlädt.

Da sich in der temporeichen Inszenierung ein vermeintlich amüsantes Ereignis an das nächste reiht, bekommen die Protagonisten viel zu selten Raum zur Entfaltung. Ernsthaftes Interesse an ihrem Schicksal will sich beim Zuschauer daher nie wirklich einstellen. Das gilt umso mehr für die im letzten Drittel in den Mittelpunkt rückende Läuterung der jungen Männer, die nicht ansatzweise glaubwürdig vorbereitet wird. Freundschaften werden aufgekündigt und neu geschlossen, es findet eine Auflehnung gegen allzu herrische Elternfiguren statt, und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Die gewaltsame Etablierung moralisch-aufbauender Entwicklungen erscheint angesichts des vorangegangenen Bemühens um Grenzüberschreitungen wie ein schlechter Witz. Gleichzeitig ist dieser konservative Umschwung aber einmal mehr Beleg für die ziellose Ausrichtung des gesamten Films.

Fazit: Die stark von "Hangover" beeinflusste College-Komödie "21 & Over" ist letztlich nicht mehr als eine lieblose Nummernrevue, die mit ihren gewollt absurden Story-Wendungen und der oberflächlichen Wandlung der Hauptfiguren einen wenig überzeugenden Eindruck hinterlässt.





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