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Die Liebenden - von der Last, glücklich zu sein
Die Liebenden - von der Last, glücklich zu sein
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Kritik: Die Liebenden - von der Last, glücklich zu sein (2011)


"Ich kann ohne Dich leben, aber nicht leben, ohne Dich zu lieben" singt Madeleine (Ludivine Sagnier, später Catherine Deneuve) mehrmals in diesem Film. Sie ist eine Liebende, die ohne dieses Gefühl nicht leben kann. Im Paris der 1960er Jahre ist ihre Liebe noch voller Leichtigkeit. Madeleine ist Schuhverkäuferin, verdient sich aber als Mädchen für gewisse Stunden etwas Geld hinzu. Dabei lernt sie den tschechischen Arzt Jaromil (Rasha Bukvix, später Milos Forman) kennen, der zu ihrem Geliebten wird. Sie heiraten, gehen nach Prag und bekommen ihre Tochter Véra. Aber sie können nicht zusammenleben, es ist die Leidenschaftlichkeit ihrer Liebe, die sie fast wahnsinnig werden lässt. Nachdem Madeleine herausfindet, dass Jaromil sie betrügt, geht sie angesichts des nahenden Prager Frühlings mit ihrer Tochter zurück nach Paris. Dort heiratet sie den Gendarmen François (Guillaume Denaiffe), weil sie nicht alleine sein kann. Zehn Jahre später lässt ein Anruf von Jaromil ihre alten Gefühle wieder aufflammen. Sie ist bereit alles für ihn aufzugeben.
Auch ihre Tochter Véra (Clara Couste, später Chiara Mastroianni) träumt von der großen Liebe. Aber längst ist die Liebe nicht mehr leicht und sorglos, deshalb fehlt ihr auch der Leichtsinn ihrer Mutter. Letztendlich verliebt sich Véra in den homosexuellen Drummer Henderson (Paul Schneider), der befürchtet, er könne sich mit HIV infiziert haben. Trotz der Unmöglichkeit einer gemeinsamen Zukunft klammert sich Véra an ihre Liebe – und verletzt dafür ihren Ex-Lover Clément (Louis Garrel) immer wieder.

In seinem Film mit passenden Titel "Die Liebenden“ erzählt Regisseur Christophe Honoré von Menschen, die lieben und geliebt werden. Seine Geschichte umfasst einen Zeitraum von 1963 bis ins Jahr 2008, so dass sogleich die Veränderungen im Bild von der Liebe deutlich werden. Am Anfang lebt Madeleine in einer idyllischen, nahezu verklärten Welt. Ungehindert kann sie ihre Leichtigkeit ausleben. Ludivine Sagnier spielt Madeleine mit sehr viel Ausstrahlung und einer gelungen Mischung aus Charme und Frivolität. In späteren Jahren verkörpert Catherine Deneuve Madeleine als eine sinnliche Frau, die nach außen gefasst und distinguiert wirkt, aber um ihre eigenen Fehler weiß. Dagegen sieht sich Madeleines Tochter Véra einer größeren Verantwortlichkeit in der Liebe ausgesetzt. Sie kann sich nicht mehr so hingeben wie ihre Mutter, außerdem schreckt sie vor Bindungen zurück. Fast scheint es, als liebe sie Henderson gerade ob der Unmöglichkeit, mit ihm glücklich zu werden. Allerdings ist es schwierig, dem Charakter von Véra näher zu kommen. Chiara Mastroianni überzeugt in dieser Rolle nicht vollends. Ihr Tanz in London in der Bar wirkt eher verzweifelt als verführerisch, außerdem ist die Dramatik in ihren Beziehungen nicht nachvollziehbar. Das liegt vor allem daran, dass die Chemie zwischen Louis Garrel und ihr nicht stimmt. Zwar bekommt er am Ende des Films die Gelegenheit, sein Können zu zeigen, aber gerade im Vergleich mit Milos Forman, der als gealterter Jaromil dessen selbstherrliche Verliebtheit mit Freude verbreitet, bleibt er – ebenso wie Véras vermeintlich große Liebe Henderson – blass.

Dadurch entstehen in dem Mittelteil auch einige Längen, mit denen dann aber das Ende zum Teil versöhnt. Hier singt Catherine Deneuve einen jener Chansons, die die Handlung des Films mehrfach unterbrochen haben. Darin wird das Geschehen eher reflektiert als vorangetrieben. Mit ihrem letzten Lied umfasst sie die Stimmung des Films wunderbar, so dass der Zuschauer wohlgestimmt das Kino verlässt.

Fazit: "Die Liebenden" ist ein Film, der vor allem ausgesprochenen Fans des französischen Kinos gefallen wird – und allein dank Catherine Deneuve und Milos Forman sehenswert ist.




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