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Anleitung zum Unglücklichsein
Anleitung zum Unglücklichsein
© Studiocanal

Kritik: Anleitung zum Unglücklichsein (2012)


Den Namen eines Buchbestsellers für einen Filmtitel zu nutzen ist nicht unproblematisch, auch wenn damit Neugierde geweckt wird, denn die Erwartungen sind sehr hoch gesteckt. Sherry Hormann ist dieses Wagnis eingegangen und bringt eine Beziehungskomödie in die deutschen Kinos, die auf Paul Watzlawicks humorvollen Lebensratgeber "Anleitung zum Unglücklichsein" aufbaut.

Leider ist es Hormann nur bedingt gelungen, die ironischen Weisheiten Watzlawicks in einer ansprechenden Story zu verpacken.
In einer Anekdote von Watzlawicks Sachbuch klatscht zum Beispiel ein Mann alle zehn Sekunden in die Hände. Nach dem Grund für dieses Verhalten befragt, erklärt er: "Um die Elefanten zu verscheuchen." Auf die Bemerkung, dass es hier gar keine Elefanten gebe, antwortet er: "Na, also! Sehen Sie?"
Watzlawick wollte damit darauf hinweisen, dass der konsequente Versuch, ein Problem zu vermeiden, in Wahrheit zur Verewigung führt.
Tiffany, die Heldin der Geschichte, so möchte uns Hormann zeigen, ist nun genau so eine "Elefantenvertreiberin". Allerdings fällt es schwer, der Hauptfigur Tiffany Blechschmid ihre Gehemmtheit und Unsicherheit abzukaufen. Sie ist eine gut aussehende, nicht unsympathische Frau, die auch keine Probleme hat, bei Männern zu landen. Anstatt den Film mit vielen kleinen Geschichten zu überfrachten, wäre es besser gewesen, die Figur der Tiffany facettenreicher darzustellen, um der Thematik gerecht zu werden.

Oft ist die Handlung unausgereift und die Dialoge klingen zu aufgesetzt. Die Weisheiten, die täglich mit den in Tiffanys Feinkostladen feilgebotenen Glückskuchen rezipiert werden, wirken pseudointellektuell eingeflochten. Und selbst die Geschichte aus Watzlawicks Vorlage, dass Tiffany sich über den gesamten Film hinweg nicht traut den Nachbarn um einen Hammer zu bitten, aus Angst, dieser könne es ablehnen, will nicht so recht passen. Vielmehr hat man das Gefühl, die Verbindung zum Buch soll präsent bleiben.

Störend ist außerdem, dass der Film von seiner Machart her stark an "Die fabelhafte Welt der Amélie" erinnert, bei weitem aber nicht heranreicht. Eher wirkt es peinlich, diesem nicht untypisch deutschen Film diese leichte französische Note geben zu wollen. Da fragt man sich, ob nicht mehr Mut zur Eigenständigkeit besser gewesen wäre.

Positiv zu erwähnen ist allerdings die Rolle der scheinbar omnipräsenten Mutter, brillant gespielt von Iris Berben, die zu den unmöglichsten Augenblicken ihrer Tochter Tipps aus dem Jenseits gibt. Neben diesen Szenen hat der Film durchaus weitere gelungene Stellen, in seiner Gesamtheit enttäuscht er allerdings. Insbesondere wenn man weiß, dass es Sherry Hormann besser kann, wie sie mit "Irren ist männlich" und "Frauen sind was Wunderbares" bereits bewiesen hat.

Fazit: "Anleitung zum Unglücklichsein" schafft es leider nicht, der populären Vorlage gerecht zu werden. Zwar gibt es durchaus gelungene Stellen in dieser Beziehungskomödie, insgesamt enttäuscht der Film allerdings.





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