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Doctor Strange
Doctor Strange
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Doctor Strange (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Viel falsch machen kann man nicht, wenn man "Sherlock"-Star Benedict Cumberbatch als begnadeten und arroganten Neurochirurgen besetzt, der seine Kollegen immer wieder genüsslich auflaufen lässt. Überzeugend gibt der britische Schauspieler den genialischen Mediziner und macht auch den Schmerz nachfühlbar, der Dr. Stephen Strange nach einem schweren Autounfall befällt. Da er seine zertrümmerten Hände nicht mehr kontrollieren kann, steht er plötzlich vor den Scherben seiner glorreichen Karriere, die ihm alles bedeutet hat. Ironischerweise bietet dem streng wissenschaftlich orientierten Mann ausgerechnet die Welt der Magie ein Schlupfloch, das er jedoch mühsam für sich erkunden muss. Begleitet wird Cumberbatch dabei von einer wie immer grazil und erhaben wirkenden Tilda Swinton, die hier als Zauberei-Gelehrte namens "Die Älteste" in Erscheinung tritt.

Mehr noch als andere Beiträge des Marvel Cinematic Universe verschreibt sich der mittlerweile vierzehnte Film des Leinwandgroßprojekts fantastischen Ereignissen, mystischem Geraune und dem Glauben an ein Universum alternativer Dimensionen. Parallelwelten, Zeitreisen und changierende Bewusstseinszustände bestimmen den neuen Blockbuster aus dem Hause Marvel und geben Regisseur Scott Derrickson ("Erlöse uns von dem Bösen") die Möglichkeit, alles in die Waagschale zu werfen, was die Computertechnik heute leisten kann. Das Ergebnis ist ein atemberaubender Bilderstrom mit originellen Einfällen und rauschhaften Passagen, die manchmal sogar an einen LSD-Trip erinnern. Auch in puncto Actionsequenzen schöpft "Doctor Strange" aus dem Vollen und schafft es mehrfach, den Zuschauer mitzureißen, auch wenn einige Einlagen – etwa der Prolog des Films – überdeutlich an Christopher Nolans Traum-Mindfuck "Inception" denken lassen, in dem Pariser Straßenzüge ein Eigenleben entwickeln. Derrickson und seine kreativen Mitstreiter finden erfreulicherweise Mittel und Wege, den ähnlich aussehenden Geschehnissen eine eigene Note zu verleihen.

Während das Fantasy-Abenteuer visuell beeindruckt, bleibt der Plot rund um die von Bösewicht Kaecilius vorangetriebene Verschwörung hinter den Erwartungen zurück. Obwohl Paralleluniversen und die Relativität der Wirklichkeit im Mittelpunkt der Handlung stehen, hat das Drehbuch nur wenige staunenswerte Überraschungen zu bieten und fällt letztlich konventioneller aus als behauptet. Besonders enttäuschend – nicht zum ersten Mal im Marvel-Kino-Kosmos – ist die holzschnittartige Zeichnung des Antagonisten, den selbst Charakterkopf Mads Mikkelsen nicht vor der Beliebigkeit bewahren kann. Umso mehr muss es Benedict Cumberbatch richten, der auch in den ironischen Momenten den passenden Ton anschlägt. Eine ordentliche Chemie stellt sich im Zusammenspiel des Hauptdarstellers mit Rachel McAdams ein, die Stranges Kollegin Dr. Christine Palmer verkörpert. Schade nur, dass den beiden Figuren nicht etwas mehr gemeinsame Zeit gegönnt wird.

Fazit: Optisch berauschender Marvel-Beitrag mit überzeugendem Hauptdarsteller, tollen Effekten und einprägsamen Actionmomenten, der allerdings keine wirklich raffinierte Geschichte erzählt und noch dazu Mads Mikkelsen als 08/15-Schurken verheizt.





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