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Am Ende eines viel zu kurzen Tages
Am Ende eines viel zu kurzen Tages
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Kritik: Am Ende eines viel zu kurzen Tages (2010)


Auf das Leben kann der 15-jährige Donald (Thomas Brodie-Sangster) nicht warten. Er ist krank und wird sterben. Zwischen Krankenhausaufenthalten und Schulbesuchen, Chemotherapie und Partys muss er einen Weg finden, mit dieser Erkenntnis umzugehen. Mit seinen Zeichnungen hat er sich eine eigene Welt erschaffen, in der ein Superheld als sein Alter Ego gegen den grausamen Schurken Glove kämpft, der ihn töten will. Diese Welt ist düster – und sein Held ist nicht in der Lage zu lieben. Der Tod ist für Donald gegenwärtig, daher überlegt er, wie er seinem Leben selbst ein Ende setzen könnte, um scheinbar die Oberhand zu behalten. Er balanciert auf dem Geländer einer Autobahnbrücke und weicht einem Zug erst in letzter Sekunde aus. Als er wieder einmal von der Polizei nach Hause gebracht wird, schicken ihn seine ratlosen Eltern zu dem Psychologen Dr. Adrian King (Andy Serkis), der von Donald nur Dr. Death genannt wird. Langsam dringt er zu dem Jungen durch – und dann tritt noch die exzentrische Shelly (Aisling Loftus) in Donalds Leben und er verliebt sich zum ersten Mal.

Der irische Regisseur Ian Fitzgibbon erzählt in "Am Ende eines viel zu kurzen Tages" eine gefühlvolle Coming-of-Age-Geschichte, die sich aufgrund des Erzählstils wohltuend von Filmen wie beispielsweise dem im letzten Jahr zu sehenden "Restless" unterscheidet. Im Gegensatz zu Gus van Sants todkranker Protagonistin Annabel (Mia Warshikowska) trifft Donald nicht auf einen todessehnsüchtigen Gleichgesinnten und flüchtet sich mit ihm in eine schöne Retro-Welt, sondern hat in seinen düsteren gezeichneten Bildern ein Ventil für seine Emotionen gefunden. Die animierten Szenen unterbrechen den Fortgang der Handlung. Sie lassen die Bedrohung, die Donald durch seine Erkrankung fühlt, spürbar werden und durchbrechen seine nach außen hin abgeklärte Fassade. Glove ist ein grässlicher Schurke, der mit seinen langen Fingern den Helden durchbohren will – so wie sich der Krebs in Donald hineinfrisst. Dadurch erhält der Film eine zweite Ebene, die aber weit mehr als eine reine stilistische Besonderheit ist. Sie setzt die nötigen Widerhaken und eine Sperrigkeit in den Film, die ihn vor dem Abdriften ins Melodram bewahren. Zugleich lassen die animierten Szenen eindringlich die Grausamkeit der Erkrankung deutlich werden.

Die melancholische Atmosphäre des Films entsteht zudem durch die gut eingesetzte Musik, die das Lebensgefühl des Protagonisten vermittelt. Mit den amüsanten Szenen mit Donalds Freunden und seinem Bruder, die immer wieder die Normalität in dem Film verdeutlichen, setzt die Musik die richtigen Akzente. Sicher hätten manche Lieder etwas unauffälliger genutzt werden können, aber letztlich transportieren sie Stimmung in den Kinosaal.

Darüber hinaus ist "Am Ende eines viel zu kurzen Tages" sehr gut besetzt. Thomas Brodie-Sangster spielt überzeugend den todkranken Donald, ihm ist anzusehen, dass er sich an der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet – und zugleich weiß, dass er niemals erwachsen sein wird. Eine Entdeckung ist zudem Aisling Loftus als überaus intelligente und verletzliche Shelly, die letztlich Donalds Fantasie-Frauenbild durchbricht. Aisling Loftus spielt sie mit einer überzeugenden Mischung aus Gefühl und Schroffigkeit – und lässt den klischeehaften Auftritt von Jessica Schwarz als Edel-Prostituierte in den Hintergrund treten.

Basierend auf dem Roman "Superhero" von Anthony McCarten, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat, ist Ian Fitzgibbon ein sehenswerter Film gelungen, der die traurige Erkenntnis vermittelt, dass man gegen den Tod man nicht ankämpfen kann, da er am Ende immer gewinnt. Aber gerade deshalb ist der Weg zu diesem Sieg umso entscheidender.

Fazit: "Am Ende eines viel zu kurzen Tages" ist ein gefühlvoller Coming-of-Age-Film, der mit seiner gelungene Erzählweise und Inszenierung sowie der guten Besetzung berührend unterhält.





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