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Kritik: Dein Weg (2010)


Spätestens mit Bestseller "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling ist der Jakobsweg hierzulande ein Synonym für das Pilgern und spirituelle Wandern geworden. Nachfolgende Bücher und auch Fernsehfilme wollten an diesen Erfolg anknüpfen und so mag mancher angesichts der Geschichte von "Dein Weg" auch denken "nicht noch einer". Aber Emilio Estevez' Film ist wohltuend zurückhaltend und überraschend unterhaltsam.

Nachdem sein Sohn David (Emilio Estevez) bei dem Versuch, den Camino bis nach Santiago de Compostela zu begehen, ums Leben gekommen ist, entscheidet sich Tom (Martin Sheen), den Weg mit der Asche seines Sohnes zu wandern. Unterwegs begegnet er anderen Pilgern, die aus den verschiedensten Gründen den Jakobsweg begehen. Gleich zu Beginn seines Weges lernt Tom den Holländer Joost (Yorick van Wageningen) kennen, der durch das Pilgern abnehmen will, später stoßen die Kanadierin Sarah (Deborah Kara Unger), die mit dem Rauchen aufhören will, und der Ire Jack (James Nesbitt), der unter einer Schreibblockade leidet, zu der Gruppe hinzu.

Zunächst werden Toms Mitwanderer leicht klischeehaft eingeführt: der Holländer kifft ständig und hat alle möglichen Drogen dabei, der Ire redet sehr viel und ist natürlich Schriftsteller und die einzige Frau in der Runde ist wütend – aber je weiter sie gemeinsam den Weg beschreiten, desto mehr wachsen sie auch dem Zuschauer ans Herz. Sie haben alle eine Geschichte, warum sie den Camino begehen wollen. Vor allem aber verzichtet Emilio Estevez, der das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und den Film produziert hat, glücklicherweise in seinem Film auf übertriebene Selbstfindungsszenen und dramatische Wendungen. Die Veränderungen geschehen im Inneren und werden daher nicht mit großem Pathos und Gesten ausgedrückt, vielmehr beobachtet der Zuschauer eine Gruppe Reisender, die durch den Camino verändert wird. Dadurch fällt es nicht allzu störend ins Gewicht, dass manche Zwischenfälle wirken, als wolle Estevez nebenbei einige europäische Problematiken abarbeiten. Dazu gehört insbesondere der Diebstahl von Toms Rucksack durch einen Sinti. Auch werden die Strapazen des Weges völlig ausgespart. Stattdessen gibt es leckeres Essen und Rotwein, alle Menschen sind nett und es sind zwar noch andere Pilger zu sehen, aber nirgends ist es überfüllt. Doch angesichts der guten Schauspieler und ruhigen Erzählweise lässt sich das verschmerzen. Denn letztlich steht eine Frage im Mittelpunkt dieses schönen Films: Entscheiden wir uns für ein Leben – oder leben wir einfach vor uns hin?

Fazit: Trotz einiger Längen und Klischees unterhält "Dein Weg" auf angenehme Weise und erzählt von dem Jakobsweg als spiritueller Erfahrung ohne übertriebene Momente.




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