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Kritik: The East (2012)


"The East" ist nicht einfach nur ein gut inszenierter Spionagethriller. Was ihn so spannend macht, ist seine ökologische Thematik und eine gesellschaftskritische Haltung, die sehr aktuell wirkt. Wie seine Hauptfigur Sarah sympathisiert der Film mit den jungen Aktivisten, die sich als Revolutionäre im Kampf gegen kriminelle Profitgier begreifen. Wegen der Wahl ihrer Mittel werden sie als Terroristen gejagt. Die Doppelnatur dieser Aussteiger, die sowohl idealistisch, als auch skrupellos sind, stürzt die Undercover-Agentin Sarah in einen massiven inneren Konflikt.

Dabei ist Sarahs Doppelidentität schon anstrengend genug: Die junge Frau muss viele gefährliche Situationen meistern, um überhaupt in das Quartier der Gruppe eingeschleust zu werden. Und dort ist sie selbst ihr größtes Problem, weil sie sich verraten könnte. Die aus "Another Earth" bekannte Hauptdarstellerin Brit Marling versorgt die Agentin mit einer sehr attraktiven Mischung aus drahtiger Präsenz und Verletzlichkeit. Marling fungiert auch als Produzentin des Films und schrieb gemeinsam mit dem Regisseur Zal Batmanglij das Drehbuch. Die Geschichte, die über Suspense und überraschende Wendungen verfügt, wird in einem Rhythmus inszeniert, der emotionale Elemente und Action gut ausbalanciert.

Eine wichtige Rolle nimmt in der Geschichte die Lebensweise der Gruppe ein. Hier kommt der zweiten gemeinsamen Arbeit von Marling und Batmanglij nach "Sound of My Voice" zugute, dass die beiden ehemaligen Studienkollegen einen Sommer mit sogenannten Freeganern verbrachten – Menschen, die für nichts bezahlen und ein einfacheres und selbstbestimmtes Leben führen wollen. Sie ernährten sich zum Beispiel von Abfällen aus Müllcontainern. Im Film strahlen die Szenen in der Anarchistenkommune eine hohe Authentizität, gerade aufgrund dieser persönlichen Erfahrungen der Filmemacher, aus. Es sind besonders die innigen, herzlichen Situationen in der Gruppe, die Sarahs Selbstkontrolle auf eine harte Probe stellen.

Alexander Skarsgard spielt Benji, der sich in Sarah verliebt, als einen nachdenklichen Sympathieträger. Wenn es um Sarah geht, umspielt oft ein charmantes kleines Lächeln seinen Mund, das seine nüchternen Worte Lügen straft. Ellen Page spielt das hitzköpfige Gruppenmitglied Izzy, Toby Kebbell stellt einen ehemaligen Medizinstudenten dar, der von einem Medikament einen schweren Nervenschaden bekommen hat. Der Thriller mit dem überraschenden Ende wirkt auch deswegen so intensiv, weil man nicht nur mit Sarah, sondern auch mit den Figuren der Gruppe mitfiebert.

Fazit: "The East" ist ein außergewöhnlicher Spionagethriller mit starken Charakteren und einer aktuellen, konsumkritischen Botschaft. Er bezieht seine Spannung auch aus der Faszination für die Lebensweise und Motive von Untergrundaktivisten, die gleichzeitig die Rolle der Bösen einnehmen.




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