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Die Hüter der Tundra
Die Hüter der Tundra
© W-Film

Kritik: Die Hüter der Tundra (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Regisseur und Drehbuchautor René Harder beginnt seinen Dokumentarfilm mit dem Blick auf eine alte Samin, die in ihrem Wohnzimmer sitzt und tatkräftig der Handarbeit nachgeht. Die Frau spricht direkt in die Kamera und sagt, dass sie gerne eine Märchen erzählen würde, aber dass sie sich leider nicht mehr an dieses erinnern könnte. Das Vergessen wird so zum Ausgangspunkt dieses filmischen Porträts, das voller Melancholie von der bedrohten samischen Kultur berichtet. Doch "Die Hüter der Tundra" ist trotz dieser Einführung viel mehr als ein wehleidiger Abgesang, nämlich vor allem ein engagiertes Aufbegehren gegen das Vergessenwerden.

Dafür steht besonders die Protagonistin Sascha Artiewa, eine junge Ehefrau und Mutter aus Krasnotschelje, die sich als Abgeordnete des samischen Parlaments mit Herzblut für den Erhalt ihrer kleinen Dorfgemeinschaft einsetzt. Im Gegensatz zu ihrer vergesslichen Großmutter weiß Sascha nämlich ganz genau, wovon sie sprechen will, und Harder macht sie dankenswerterweise zur Erzählerin seines Films, die aus dem Off immer wieder das Geschehen auf der Leinwand kommentiert. Der Zugang des Publikums zur wenig bekannten Welt der Samen ist durch die einnehmende Protagonistin ein durchaus persönlicher, der es leicht macht, sich auf das an Entbehrungen ebenso wie an einzigartigen Freuden reiche Leben in der russischen Tundra einzulassen.

Die sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen sowie politischen Aspekte einer samischen Dorfgemeinschaft werden so durch Saschas Augen auf vielfältige Weise betrachtet und erfahrbar. Die Regie nimmt sich meist auf angenehme Weise zurück und bietet seiner Heldin damit nicht bloß einen Raum zum Erzählen, sondern auch einen Raum, der den Zuschauern eine unvoreingenommene Begegnung mit einer fremden und dabei bisweilen erstaunlich vertrauten Lebenswelt ermöglicht. Dass der Soundtrack manches Mal zu aufdringlich wirkt und an sich schon starke Szenen unnötigerweise mit Gefühlen überfrachtet, ist nur ein kleines Manko dieses sehenswerten Dokumentarfilms.

Fazit: René Harder lässt in seinem Dokumentarfilm eine junge Samin von ihrem Alltag und ihrer Kultur erzählen. Das Ergebnis ist das komplexe und äußerst sehenswerte Porträt einer samischen Dorfgemeinschaft inmitten der russischen Tundra.




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