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Kritik: Triple 9 (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Voraussetzungen für einen überzeugenden Gangsterthriller sind bei "Triple 9" allemal gegeben. Mit John Hillcoat ("The Road") sitzt ein Mann auf dem Regiestuhl, der sich in der Vergangenheit bereits als kompetenter Genre-Liebhaber bewiesen hat. Die Prämisse klingt vielversprechend. Und das Darstellerensemble, das Charaktergrößen wie Woody Harrelson und Kate Winslet umfasst, kann sich wirklich sehen lassen. Umso bedauerlicher, dass der Film am Ende nicht mehr als ein mittelprächtiger Großstadtreißer ist, der einige spannungsgeladene Actionmomente zu bieten hat.

Dass Hillcoat virtuos inszenieren kann, unterstreicht schon der Überfall im ersten Akt, der in seiner von pulsierenden Klängen befeuerten Intensität an die fulminante Eröffnungssequenz aus Denis Villeneuves Drogenthriller "Sicario" erinnert. Ähnlich schweißtreibend fällt zu einem späteren Zeitpunkt die Stürmung einer Wohnung aus, bei der sich Jungpolizist Chris Allen (Casey Affleck) mit seinen Kollegen Zimmer für Zimmer vorarbeitet, während der Zuschauer jeden Augenblick mit dem Schlimmsten rechnen muss.

Den Schauspielern kann man keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil, durch ihren Einsatz entwickeln die leider viel zu dünn gezeichneten Genrefiguren zumindest etwas Eigenleben. Das gilt auch für die klischeehaft angelegte Mafiapatin Irina Vlaslov, die eine gegen den Strich besetzte Kate Winslet zum Besten geben darf. Dummerweise sind die Darsteller jedoch an ein Drehbuch gefesselt, das keinen Wert auf eine differenzierte Milieubeschreibung legt und mit zunehmender Dauer arg konstruierte Wendungen bemüht, um den Erzählmotor nicht abzuwürgen. Zu leiden hat unter den dramaturgischen Mängeln nicht zuletzt die grimmig-unheilvolle Atmosphäre, in die Hillcoat den Handlungsort Atlanta taucht. Ein düsterer Sündenpfuhl mit blutigen Bandenkriegen, einer allmächtigen Russenmafia und Polizisten, die zu skrupellosen Killern mutieren, um sich Profit zu sichern und ihre eigene Haut zu retten. Stoff für einen echten Genrekracher. Vorausgesetzt, man weiß die Zutaten richtig zu kombinieren.

Fazit: Trotz spektakulärer Besetzung und mitreißender Actionszenen bleibt John Hillcoats grimmiger Gangsterthriller "Triple 9" hinter den Erwartungen zurück. Schuld daran ist vor allem ein dürftiges Drehbuch, das beherzt in die Klischeekiste greift und allzu oft auf Zufälle vertraut.





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