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Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich - Hauptplakat
Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich - Hauptplakat
© Koch Media

Kritik: Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich (2012)


Die Handlung von "Charlies Welt" und der exaltierte Lebensstil der Hauptfigur Charles Swan muten wie ein Abbild des tatsächlichen Lebens von Schauspieler Charlie Sheen an. Zumindest des Lebens, das Sheen in den letzten Jahren geführt hat - vor den Augen der Öffentlichkeit. Sheen stolperte in den vergangenen Jahren von einem Drogenskandal in den nächsten und führte ein ähnlich ausschweifendes Leben wie die Hauptfigur in "Charlies Welt". Regie führte hier der Sohn von Regisseur Francis Ford Coppola, Roman Coppola, der vor kurzem für sein Drehbuch zum Wes Anderson-Film "Moonrise Kingdom" für den Oscar nominiert war und bisher hauptsächlich mit Musikvideos von sich reden machte (Fatboy Slim, The Strokes). "Charlies Welt" erinnert stark an die surrealen Bilderwelten von Wes Anderson, leider gelingt Coppola aber hier nicht mehr, als ein paar nette Einfälle zusammenhanglos und ohne Leidenschaft aneinanderzureihen. Zudem agieren die Darsteller ausdrucks- und witzlos.

Dass Regisseur Roman Coppola ein durchaus fähiger Mann ist und etwas von Filmen versteht, bewies er mit seinen herrlich aus dem Rahmen fallenden, mit großartigen Einfällen gespickten Drehbüchern zu den Filmen "The Darjeeling Limited" und "Moonrise Kingdom". Diese Filme inszenierte der Meister des skurrilen Humors, Wes Anderson, von dem sich Coppola für "Charlies Welt" deutlich inspirieren ließ. Und auch "Charlies Welt" bietet die Anderson-typischen, verrückt-skurrilen Zeitgenossen (z.B. Bill Murray als Buchhalter Saul), die grotesken Einfälle (z.B. eine verrückt-frivole Beerdigungsparty) und den bizarren Humor. Leider reiht Coppola seine Ideen jedoch nur zusammenhanglos und uninspiriert aneinander, so dass keinerlei Mitgefühl oder Sympathie für die Protagonisten aufkommen mag. Diese lieblose Aneinanderreihung der (ab und an durchaus gelungenen) Ideen, ist auf Dauer extrem ermüdend.

Einen enttäuschenden Eindruck hinterlässt auch der gesamte Cast, ohne jede Ausnahme. Das Spiel sowohl von Hauptdarsteller Charlie Sheen als auch den namhaften Nebendarstellern, wie etwa Bill Murray oder Patricia Arquette, ist erschreckend lustlos und passiv geraten. Hinzu kommt, dass es Regisseur Coppola dem Zuschauer durch das ständige hin und her springen zwischen Gegenwart, Fantasie und Erinnerung nicht einfach macht, den wahnwitzigen Geschehnissen auf der Leinwand zu folgen. Erzählerisch bekommt er zu keinem Zeitpunkt ein Bein auf den Boden, dem Film fehlt zudem der für die Dramaturgie so wichtige rote Faden.

Fazit: Löchriges Drehbuch, kein roter Faden, gelangweilte Darsteller - "Charlies Welt" ist der enttäuschende zweite Spielfilm von Wes Anderson-Spezi Roman Coppola, der seine besten Einfälle wohl schon für "The Darjeeling Limited" und "Moonrise Kingdom" verbraten hat.




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