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96 Hours - Taken 2
96 Hours - Taken 2
© Universum Film

Kritik: 96 Hours - Taken 2 (2012)


Es gibt Schauspieler die verpuffen wie Eintagsfliegen, ohne nennenswert Erinnerungswürdiges in der Cine-History zu hinterlassen und andere wiederum werden mit dem Alter immer besser. Ein legendäres Beispiel für letztere wäre der schottische Schauspieler Sean Connery, der umso älter desto populärer wurde, und der gebürtige Ire, Liam Neeson, scheint mit seinen jugendlichen 60 Lenzen inzwischen auf Connerys Spuren zu wandeln. Seit 2008 spielte er in 17 Filmen und ist damit hervorragend im Geschäft, besser als viele seiner jüngeren Kollegen.

In dem Actioner "96 Hours" aus dem Jahre 2009 spielte er den Ex-Agenten Mills, dessen Tochter während eines Parisaufenthaltes von albanischen Mädchenhändlern entführt wurde und (jungfräulich, wie es sich für ein ordentliches amerikanisches Teenager-Mädchen gehört) an den meistbietenden Haremsbesitzer verkauft werden sollte. Kurzentschlossen war damals Mills ins Flugzeug gestiegen, stülpte Paris auf den Kopf um die Schurken heraus zu schütteln und beförderte sie anschließend reihenweise ins Jenseits; bis er das liebe Töchterlein endlich wieder in den Arm schließen konnte. Der Film, der von Luc Besson mitgeschrieben und produziert wurde, strotzte nur so vor Testosteron, lieferte blutige Fights und rasante Verfolgungsjagden, war anderseits allerdings auch vor Klischees geradezu überladen und von einer vielschichtigen Story fehlte zudem jede Spur. Genau diese eingängige Geradlinigkeit und der konsequent schnelle Erzählstil, ließen ihn aber zu einem Überraschungserfolg avancieren. Dass er Anbetracht dessen nicht ohne Fortsetzung bleiben kann, leuchtet ein.

Mills muss in "96 Hours – Taken 2" wieder ran und Albaner abmurksen was das Zeug hält. Anlass dafür liefert der Vater einer der Männer, die von Mills getötet wurden, der am Grab seines Sohnes blutige Rache schwört. Mills weilt derzeit in Istanbul zu einem Kurzurlaub, mit Töchterchen und seiner Ex-Frau, die gerade von ihrem Lebensgefährten verlassen wurde. Die Albaner nutzen die Gunst der Stunde und entführen ihn samt seiner Ex-Frau. Glücklicherweise entkommt aber die Tochter, die anschließend ihren Vater befreien kann. Die Ex-Frau muss allerdings auch noch gerettet werden, also metztelt sich Mills durch das Labyrinth des urbanen Molochs am Bosporus und durch die Reihen der Albaner.

Klingt stupide, ist es auch! Und macht kaum einmal wirklich Spaß, obwohl es im Grunde ein Aufguss von Teil eins ist. Merkwürdigerweise scheint dieses Sequel aber alles zu entbehren, was den Vorgänger noch auszeichnete: die Atemlosigkeit, die Coolnes der Hand-to-Hand-Fights, die atmosphärische Dichte und die Rasanz. Spannung oder eine Ebene des Mitfieberns mit den Akteuren will sich selten einstellen. Es dauert ohnehin viel zu lange für einen Actioner, bis der Streifen Fahrt aufnimmt. Zwischenzeitlich stellt sich schon beinahe die Befürchtung ein, sich in ein durchschnittliches TV-Familiendrama verirrt zu haben.

Selbst aber als die Action endlich einsetzt, will das nicht wirklich zufrieden stellen. Leichen pflastern zwar auch diesmal den Weg von Ex-Agent Mills, doch wirkt das alles, als wäre es einer Weichspülkur unterzogen worden. Blut fließt lediglich in homöopathischen Mengen und bei den Kampfszenen wurde diesmal wesentlich früher weggeschnitten. Selbst Neeson vermittelt keine allzu große Spiellaune. Insgesamt erweckt der Film damit den Eindruck, auf die Schnelle runtergefilmt worden zu sein. Zudem tun sich solch eklatante Logiklücken auf, dass sich das Publikum zwangsläufig verschaukelt fühlen muss. Ungereimtheiten im Plot fanden sich zwar auch im ersten Teil, die straighte Inszenierung kaschierte das aber weitgehend. Das vermisst man bei "96 Hours – Taken 2" schmerzlich.

Fazit: Das ist nicht die Fortsetzung, die sie hätte sein können. Hier wurde hastig eine hanebüchene Story mit zweitklassiger Action zu einem Brei verquirlt, der sich vielleicht noch zum Silberscheiben pressen eignet, das Geld für die Kinokarte aber kaum wert ist.





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