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Auf den zweiten Blick
Auf den zweiten Blick
© barnsteiner-film

Kritik: Auf den zweiten Blick (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der erste Langfilm der Schauspielerin Sheri Hagen ("Stella und die Störche“) ist ein Episodenfilm der ganz besonderen Art, der ein völlig neues, barrierefreies Kinoerlebnis ermöglicht. Dies ist freilich der Thematik des Films geschuldet. In zarten Bildern und mit großartigen Akteuren besetzt, lässt sie in „Auf den zweiten Blick“ ihre Protagonisten in der Weltmetropole Berlin nach dem kleinen, individuellen Glück suchen. Mit einer Besonderheit: Ein Großteil der Charaktere ist blind und muss sich in einer streng durchgestylten, visualisierten Welt – in der es vor allem auf Optik und äußere Attraktivität anzukommen scheint – zurechtfinden. „Auf den zweiten Blick“ ist ein zu Herzen gehender, brillant gespielter Episoden-Film. Zu Recht gewann er den Hauptpreis auf dem vierten Kirchlichen Filmfestival Recklinghausen.
Berlin ist der perfekte Schauplatz für Hagens Gefühlswirrwarr und emotionales Chaos der Charaktere – und letztlich auch für die Probleme und Schwierigkeiten, die das Leben im Dunkeln mit sich bringen. Berlin – Ein Metropole, die für multikulturelle Gesellschaft, Aufbruch, Schnelligkeit und Bewegung steht. In dieser Hinsicht natürlich ein krasser Kontrast zum alltäglichen Kampf der Sehbehinderten, sich im Großstadtdschungel mit Blindenstock und Gehhilfe zurechtzufinden. Berlin ist (aufgrund seiner enormen Größe) aber auch die Stadt des Alleinseins, der Anonymität und Einsamkeit. Und hier schließt sich der Kreis zur Handlung des Films. Alle Protagonisten sind letztlich auf der Suche nach dem großen Glück in der Liebe und dem richtigen Partner, hier steht die Stadt sinnbildlich für deren Überwinden dieser Isolation und Vereinsamung. Als Zuschauer wird man Zeuge, wie sich die Paare schließlich doch finden und sich allmählich alle einander annähern.
Das besondere an „Auf den zweiten Blick“ ist zudem, dass man den Film auch mit den Ohren „sehen“ kann. Während der (nicht sehbehinderte) Kinobesucher die Szenen automatisch mit allen Sinnen rezipiert, kommen in dem Film von Sheri Hagen bewusst akustische Beschreibungen (sog. „Audiodeskriptionen“) zum Einsatz, die ein barrierefreies Kinoerlebnis gewährleisten. Dabei wird die Handlung mit einem akustischen Kommentar versehen, um sie für das Publikum erfassbar zu machen. Die Kommentare konzentrieren sich dabei vor allem auf Elemente wie die Schauplätze, das Aussehen der Personen, sowie Mimik und Gestik.„Auf den zweiten Blick“ läuft daher in vielen deutschen Kinos mit Audiodeskriptionen.

Fazit: Stark gespielter, in ruhigen Bildern erzählter Episodenfilm über vier sehbehinderte Menschen und deren Kampf um Selbstbestimmung und die Suche nach der großen Liebe. (Bewertung: 4 Sterne)




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