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Der Auftsteiger
Der Auftsteiger
© Kool Filmdistribution © Die FILMAgentinnen

Kritik: Der Aufsteiger (2011)


Sieben Jahre lang hat Regisseur und Drehbuchautor Peirre Schoeller an seinem ebenso bissigen wie vielschichtigen Polit-Drama gearbeitet. "Der Aufsteiger" vermittelt ein stimmiges Bild vom (privaten wie beruflichen) Alltag eines nach Macht strebenden, erfolgreichen Politikers und dem allmählichen Zerfall der eigentlichen Ideale und Zielsetzungen. Der Film unterscheidet sich dabei aber deutlich von Polit-Dramen der jüngeren Zeit aus Hollywood ("Margin Call", "Ides of March"), die es sich bei der Einordnung in gute (Vaterlandsliebe, persönliche Ideale und Werte u.a.) und böse Kräfte (Machtstreben, Krieg, Gier u.a.) in der Politik doch sehr leicht machten – trotz gelungener Herangehensweisen an Themen wie Banken- und Finanzkrise oder dem Wahlkampf. "Der Aufsteiger" ist glaubwürdiger, seriöser und letztlich auch schonungsloser als die genannten Filme, bedarf aber auch einer gehörigen Motivation durch den Kinobesucher, sich auf die komplexe Thematik einzulassen.

"Der Aufsteiger" beginnt mit einer seltsamen Traumsequenz, die durchaus auch in einem David Lynch-Film gut aufgehoben gewesen wäre. Schwarz verhüllte Mönche bereiten sich im Elyseé-Palast – der als Sitz des französischen Präsidenten als Sinnbild für das Zentrum von Macht und Politik steht – auf eine ganz spezielle Zeremonie vor: eine nackte Schönheit kriecht auf allen Vieren in den weit geöffneten Schlund eines riesigen Krokodils und verschwindet bald ganz darin. Diese Eröffnungsszene nimmt bereits die Quintessenz des ganzen Films vorweg, die besagt, dass sich "nackte" Politiker, die all ihre Leitbilder und Ziele wie Kleider abgestreift haben, langsam aber unaufhörlich in den Schlund von Macht und Gier begeben. So auch Saint-Jean, der im Film zunächst als fleißiger, ehrbarer Politiker erscheint, der alle Termine und Auftritte (wie z.B. sein Auftreten vor der versammelten Medienmeute nach dem Busunfall) professionell hinter sich bringt und das politische Leben mit all seinen Herausforderungen tadellos und scheinbar mit links meistert.

Olivier Gourmet ist die Idealbesetzung für den Polit-Star Bertrand Saint-Jean. Er hat Charisma und Charme und strahlt eine große Gelassenheit und Ruhe aus, die ihm im stressigen und schnelllebigen Polit-Geschäft immer wieder zugute kommen. Eine weitere wichtige Rolle übernimmt Sylvain Deblé als Langzeitarbeitsloser Martin, der durch eine PR-Maßnahme die Chance erhält, für einige Zeit als Fahrer für den Verkehrsminister zu arbeiten. Die Beziehung zwischen dem hochrangigen Politiker und dem einfachen Bürger steht wiederum sinnbildlich für das Verhältnis und die mitunter schwierige Beziehung zwischen Politik und Bürgertum. Ebenso, wie die Kommunikation zwischen Saint-Jean und Martin nur zögerlich und eher steif und angespannt von statten geht, so kompliziert ist ganz allgemein auch die Beziehung zwischen eben diesen beiden "Kräften" Politik und Volk. "Der Aufsteiger" ist aber auch ein Film, der seine Zuschauer auffordert Mitzudenken und den Versuch zu unternehmen, die unzähligen Metaphern und Sinnbilder (für die Realität) zu erkennen und zu hinterfragen. Insofern eignet sich der Film vor allem für Fans von intelligenten, hintersinnigen Filmen über politische Inhalte, die eher komplex als leicht verständlich und zugänglich angelegt sind.

Fazit: "Der Aufsteiger" versteht sich als ebenso intelligenter wie komplexer Blick in die Hinterzimmer der politischen Entscheider.





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