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Kritik: Sushi in Suhl (2011)


So kurios und unglaubwürdig die Geschichte um den Koch Rolf Anschütz aus Suhl klingt – sie beruht auf wahren Begebenheiten. In "Sushi in Suhl" erzählt Regisseur Carsten Fiebeler ("Kleinruppin forever") die unglaubliche Geschichte vom ersten und einzigen Japan-Restaurant der DDR. Mit seinen japanischen Speisen und dem fernöstlichen Ambiente in seinem Restaurant begeisterte Anschütz schnell die einheimischen und japanischen Gäste. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität durfte der "Dreivierteljapaner", wie Anschütz sich gerne bezeichnete, selbst nach Japan reisen und wurde sogar vom Kaiser Hirohito persönlich empfangen. Zähneknirschend musste die Partei Anschütz und die neue kulinarische Ausrichtung des "Waffenschmied" dulden. Fiebeler erzählt diese Geschichte mit viel Witz, Ironie und einem herausragenden Hauptdarsteller in der Rolle des außergewöhnlichen Kochs Rolf Anschütz, der mit seinen Speisen weit über die Grenzen seiner sozialistischen Heimat hinaus bekannt werden sollte.

"Sushi in Suhl" ist keine gängige Ost-Komödie. Im Mittelpunkt steht weder ein typischer "Ossi" noch versucht der Film, melancholische Ostalgie-Gefühle beim Zuschauer hervorzurufen. Der Film erzählt eine deutsch-deutsche, auf Tatsachen beruhende Geschichte, die fast zu kurios ist um wahr zu sein. Doch sie ist wahr und Regisseur Fiebeler findet für ihre filmische Umsetzung genau die richtige Mischung aus heiteren und ernsten Tönen. Es ist (im wahrsten Sinne des Wortes) köstlich mit anzusehen, wie sich Anschütz für die fernöstlichen Speisen und die Kultur begeistert und sich seine eigene kleine, japanische Welt inmitten des grauen, tristen Sozialismus erschafft - und damit schnell die Menschen begeistert. Mit großer Leidenschaft, viel Liebe zum Detail und Akribie bereitet er Sushi und gebratenen Reis zu, und dem Zuschauer läuft dabei nicht nur einmal das Wasser im Munde zusammen.

Ernste Töne stimmt der Film dann verstärkt ab der Hälfte an, wenn Anschütz merkt, dass er sich durch die ganzen Ereignisse zunehmend von seiner Familie entfremdet hat. Erst sehr spät stellt der Koch fest, dass seine Heimat bei aller Liebe und Begeisterung für die japanische Kultur, Traditionen und die Speisen doch die DDR ist. Dabei ist der Film zu jeder Zeit sehr gefühlvoll aber nie zu kitschig geraten – selbst am Ende nicht, wenn Anschütz in Japan bewusst wird, dass er in der DDR und nicht in Japan zu Hause ist. Zu verdanken ist dieser Umstand auch Hauptdarsteller Uwe Steimle, der eine beeindruckende One-Man-Show abliefert. In seinem Spiel findet sich genau die richtige Mixtur aus Tragik und Komik, die auch den Film auszeichnet. Dabei verkörpert Steimle seinen Anschütz angenehm zurückhaltend. Anschütz kommt als unauffällige, zurückhaltende Figur daher, die selbst dann nicht den Boden unter den Füßen verliert, als sich das Restaurant zu einem der bekanntesten des Landes entwickelt. Das führt dazu, dass man als Zuschauer über den kompletten Zeitraum des Films mit Anschütz sympathisiert und ihm gespannt auf seinem Weg zum berühmten Gastronomen folgt.

Fazit: "Sushi in Suhl" erzählt mal komisch und heiter, mal ernsthaft und nachdenklich die unglaubliche Geschichte vom ersten Japan-Restaurant der DDR und macht den Zuschauer auf sympathische Art mit einem bis dahin wenig bekannten Kapitel der DDR-Geschichte vertraut.





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