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Poltergeist
Poltergeist
© 20th Century Fox

Kritik: Poltergeist (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Seit Anfang des Jahrtausends überrollt die Kinosäle eine Horrorfilmwelle. Neben neuen Spielarten dominieren Remakes und Fortsetzungen alter Klassiker. Kaum ein Markstein des Genres, der nicht betroffen ist. Fast allen gemein: Die Neuauflage reicht nur in wenigen Fällen an das Original heran. Das musste auch schon Tobe Hooper schmerzlich erfahren. Nach mehreren Versionen von "Blutgericht in Texas" (1974) hat es jetzt dessen "Poltergeist" (1982) erwischt. Für den zeichnete seinerzeit immerhin Steven Spielberg als Produzent verantwortlich; was dem Film deutlich anzumerken ist. Auch bei "Poltergeist" reicht die aktuelle der alten Version nicht das Wasser, schlägt sich aber ganz passabel.

Denn schon in Hoopers Vorlage lief nicht alles rund. Die schlechten Spezialeffekte und die viel zu dominante Musik wirken beim Wiedersehen stellenweise unfreiwillig komisch. Der Charme, mit dem in den 1980ern so viele Filme aus der Spielberg-Schmiede das Familienleben in den amerikanischen Vorstädten in all der Kürze ihrer Exposition realistisch auf die Leinwand brachten, wirkt hingegen auch heute noch.

Diesen Charme versucht Regisseur Gil Kenan in seinem Remake einzufangen. Das gelingt ihm zumindest zu Beginn. Auch 2015 nimmt sich "Poltergeist" viel Zeit, seine Charaktere einzuführen und zu entwickeln. Das Familienleben ist behutsam an das Amerika nach der Finanz- und Immobilienkrise angepasst. Der Vater (Sam Rockwell) steht nicht mehr länger erfolgreich im Berufsleben, sondern ist arbeitslos. Das Haus, in dem der titelgebende Geist sein Unwesen treibt, ist deutlich schäbiger als in der prosperierenden Ära eines Ronald Reagan. Und wenn die Kamera schließlich durch die Räume gleitet, langsam über die Gesichter der Schlafenden fährt und aufzeichnet, wie die Haushaltsgeräte des Nachts ihr Eigenleben entwickeln, wähnt sich der Zuschauer tatsächlich in einem Spielberg-Film.

Wie schon das Original ist auch das Remake kein blutiger Schocker. "Poltergeist" lebt von seinem Spannungsaufbau und von den gelungenen Effekten. Die 3D-Technik ist hier eine echte Bereicherung, kann sie angesichts der langsamen, häufig ungeschnittenen Kamerabewegungen ihre Raumwirkung doch viel besser entfalten als im unübersichtlichen Kampfgetümmel so manches Superheldenvehikels.

Doch während sich der Zuschauer bei vielen Großproduktionen wünscht, eine halbe Stunde weniger im Kinosaal zu sitzen, dürfte es bei "Poltergeist" etwas mehr sein. Trotz 94 Minuten Laufzeit wirkt der Film in seiner zweiten Hälfte, besonders im entscheidenden letzten Drittel zu gehetzt. Als sich die Ereignisse überschlagen, fällt die Erzählung auseinander. Logik- und Anschlussfehler häufen sich, und es entsteht der Eindruck, als ob hier einige Meter dem Schneidetisch zum Opfer gefallen wären. Das schadet schließlich auch der Atmosphäre, denn die geht zusehends verloren. Schlimmer noch: Eine Szene, die dem Zuschauer nachhaltig in Erinnerung bleiben wird, fehlt ganz.

Fazit: Remake eines Horrorfilmklassikers, das sich nicht genügend Zeit lässt, seine Geschichte konsequent zu Ende zu erzählen. Die dichte Atmosphäre des Beginns geht in den entscheidenden Momenten verloren. Dennoch besser als manch andere Neuauflage.




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