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Kritik: Sex Tape (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Dass die Chemie zwischen ihnen stimmt, bewiesen Cameron Diaz und "How I Met Your Mother"-Star Jason Segel bereits in der von Jake Kasdan inszenierten Schulkomödie "Bad Teacher". Für seinen neuen Spielfilm "Sex Tape" hat der junge Regisseur sie nun erneut gemeinsam vor die Kamera gelotst. Auch hier wirkt das Gespann äußerst sympathisch. Als leicht überfordertes Ehepaar, das fatalerweise beschließt, sich beim Liebesspiel zu filmen, um so die frühere Leidenschaft in die Beziehung zurückzubringen. Charmante Hauptdarsteller und eine vermeintlich frivol-abgedrehte Prämisse alleine machen allerdings noch lange keine gelungene Komödie, wie sich einmal mehr schmerzlich zeigt.

Mittlerweile ist es fast schon zur Unsitte geworden. Prominente, solche, die es noch werden wollen, und ganz gewöhnliche Menschen drehen Sex Tapes, die irgendwann im Internet auftauchen (oft nicht versehentlich) und die sensationslüsterne Öffentlichkeit am privaten Treiben teilhaben lassen. Eigentlich verwunderlich, dass Hollywood sich dieses Trends nicht schon längst bemächtigt hat, wo er doch so viel Potenzial für satirische Überhöhung bereithält. Potenzial, das Kasdans Aufarbeitung der Thematik leider nur ansatzweise zu nutzen weiß, wenn sich das sexgefrustete Ehepaar Annie und Jay auf die verzweifelte Suche nach den verschenkten iPads begibt, auf die ihr schlüpfriges Video nach einem Synchronisationsfehler gelangt ist.

Manche Ideen und Wendungen sind durchaus amüsant und verleihen dem Film etwas Schwung. Weitaus häufiger verfängt sich "Sex Tape" allerdings in einer merkwürdigen Mischung aus kalkuliert-provokantem Irrsinn und biederer Gefühlsduselei. Richtiggehend ärgerlich wird es spätestens im Finale, das zwar mit einem witzigen Cameo-Auftritt überraschen kann, die vorangegangenen Konflikte aber wenig glaubhaft und arg konventionell glattbügelt. Hier ist vom anarchischen Witz, den die Ausgangsidee versprach, fast gar nichts mehr zu spüren.

Zum herzhaften Lachen lädt die Sexkomödie nur dann ein, wenn sie sich ihrer Handlung (an der Jason Segel als einer der drei Autoren maßgeblich beteiligt war) mit einer gehörigen Portion Selbstironie nähert. So wie in den Passagen, in denen Rob Lowe Annies zukünftigen Boss, einen vermeintlich korrekten Geschäftsmann, als größenwahnsinnigen Exzentriker porträtieren darf. Szenen, die umso spaßiger daherkommen, wenn man weiß, dass der inzwischen 50-jährige Schauspieler seine hoffnungsvolle Karriere Ende 1980er Jahre mit einem Sex-Tape-Skandal beinahe komplett vor die Wand gefahren hätte.

Fazit: Eine Komödie, die Freizügigkeit und anarchischen Humor verspricht, letztlich aber zu selten zum großen Rundumschlag ausholt und stattdessen immer wieder klischierte Muster bedient. Wirklich erinnerungswürdig bleibt einzig der herrlich selbstironische Auftritt von Nebendarsteller Rob Lowe.




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