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Scherbenpark
Scherbenpark
© Neue Visionen

Kritik: Scherbenpark (2012)


Mit der Verfilmung von Alina Bronskys gleichnamigem Roman erzählt Bettina Blümner nach einem Drehbuch von Katharina Kress die Geschichte eines mutigen und wütenden 17jährigen Mädchens, das die Ermordung ihrer Mutter verkraften muss. Wird in Alina Bronskys Roman Saschas Entwicklung zu einer Coming-of-Age-Geschichte, kommt die Sascha im Film aber zu einem anderen Schluss: Sie dachte, sie sei erwachsener als sie eigentlich ist. Daher hinterlässt der Film ein zwiespältigen Eindruck: Auf der einen Seite ist er mit Jasna Fritzi Bauer in der Hauptrolle sehr gut besetzt, auch ist die Bildsprache ansprechend, auf der anderen Seite aber ist die Sascha des Films weniger konsequent und stark als im Buch. Dazu trägt vor allem bei, dass Sascha im Film ständig von männlichen Beschützern umgeben ist: Im Scherbenpark steht ihr ein Verehrer bei, bei Volker und Felix sucht sie nach familiären Halt. Ihre Sexualität nutzt sie nicht als Ausflucht – daher gibt es keinen spontanen Geschlechtsverkehr im Gebüsch, zwischen ihr und Volker ist so gut wie keine sexuelle Spannung, vielmehr erlebt sie mit Felix ihr erstes Mal. Auch fehlt der im Roman angedeutete sexuelle Missbrauch durch den Stiefvater. Diese größere Unschuld passt zu der Aussage, dass Sascha wohl weniger erwachsen ist als sie dachte, jedoch fügen sich dann andere Szenen nicht: Wenn sie beispielsweise routiniert die Verantwortung für ihre Geschwister übernimmt, indem sie den Rucksack des Bruders zurückholt oder den Wohngeldantrag ausfüllt; wenn sie den Liebhaber ihrer Tante aus der Wohnung wirft – und wenn sie sich äußerst pragmatisch beim Sex mit Felix verhält. Aber vor allem ist ärgerlich, dass Sascha beständig auf der Suche nach einer neuen Familie und männlichen Beschützern zu sein scheint – und schließlich sogar ihr leiblicher Vater zu ihr Kontakt aufnehmen will. Dadurch ist diese Geschichte nicht die Reise eines jungen Mädchens zu sich selbst, sondern zu einer neuen Familie – und somit einem traditionellen Hort junger Mädchen.
Vermutlich gefällt dieser Film besser, wenn man die kompromisslose Romanvorlage nicht kennt – so fällt aber allzu sehr auf, dass der Filme alle Widerhaken und provokanten Aspekte auslässt. Und das ist gerade angesichts der bisherigen Filme von Bettina Blümner und ihrem talentierten Cast schade.

Fazit: Jasna Fritzi Bauer ist der Lichtblick in der Verfilmung von "Scherbenpark" – wenn sie trotzig und wütend durch ihr Viertel geht, ist dort die junge Frau zu erkennen, die in ihrem Leben sehr viel durchmachen musste. Ansonsten wäre angesichts der literarischen Vorlage mit mehr Mut bei der Verfilmung mehr möglich gewesen.





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