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Chelsea Hotel
Chelsea Hotel
© Koch Media

Kritik: Chelsea Hotel (2008)


Sex-Pistol-Drummer Sid Vicious brachte hier vermutlich Pop-Ikone Nancy Spugen um, Andy Warhol drehte einen Film, Milos Forman fand Zuflucht, als er pleite war. Außerdem haben Dylan Thomas, Arthur Miller, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Leonard Cohen und andere legendäre Künstler hier gewohnt: das Chelsea Hotel in der West 23rd Street in New York ist längst ein legendärer Ort. Künstler haben hier Unterschlupf gefunden, Maler ihre Miete mit Bildern bezahlt. Joseph O’Neill schrieb hier einen Roman, Rufus Wainwright ein Album – und Leonard Cohen setze dem Hotel mit einem Song ein Denkmal. Doch die Modernisierung macht auch vor dem Chelsea Hotel nicht halt: Längst wurde es von einer Hotelgruppe übernommen und soll modernisiert werden. Langjährige Bewohner mussten ihre Apartments räumen – und wohl schon bald soll es dank seines Nimbus zahlungskräftige Gäste anlocken.

Vorher hat aber Abel Ferrara in seinem Dokumentarfilm "Hotel Chelsea" die Geschichte dieses Ortes wieder lebendig werden lassen. In Gesprächen unter anderem mit Ethan Hawke, Dennis Hopper, Milos Forman, Adam Goldberg und Gaby Hoffmann lässt er vergangene Ereignisse wieder aufleben, manche – wie z.B. der Tod von Sid und Nancy oder Janis Joplins Aufenthalt – werden in Spielszenen nachgestellt. Auf diese Weise entsteht ein Panoptikum des kulturellen Lebens und sozialen Wandels in New York.

Allerdings setzen die Interviews und Szenen Vorwissen voraus. Abel Ferrara verzichtet auf eine Untertitelung mit den Namen seiner Gesprächspartner, so dass oftmals erst im Verlauf ihrer Unterhaltung deutlich wird, mit wem er überhaupt spricht. Es sei denn, man ist ein Insider der New Yorker Szene. Dahinter könnte eine gewisse Arroganz stecken, zugleich untermauert Ferrara aber auch sein Anliegen: Er will das Chelsea Hotel als Sammelpunkt für Künstler präsentieren und nicht mit prominenten Namen wuchern um Aufmerksamkeit zu bekommen. Allerdings erschwert er dadurch den Zugang zu dem Film vermutlich nicht nur außerhalb der USA, sondern sogar außerhalb New Yorks.

Dabei verdankt es Abel Ferrara sicherlich seinem Ruf, dass viele offen mit ihm über ihre Erlebnisse sprechen. Doch mit zunehmendem Verlauf verliert er sich in dem anekdotenhaften Stil seines Filmes, zumal sich im Gegensatz zu den geschickt mit Archivmaterial verwobenen Interviews die Spielszenen nicht in den Film einfügen. Sie sind übertrieben gespielt und inszeniert – und geben gerade im Fall von Janis Joplin lediglich bekannten Klischees von wilden Drogenpartys Vorschub. Ohnehin scheint Abel Ferrara weniger daran interessiert, eine Geschichte zu erzählen. Stattdessen will er diesem Hotel ein filmisches Denkmal setzen.

Fazit: Der Film „Hotel Chelsea“ von Abel Ferrara vermittelt einen Eindruck, wie das Lebenan diesem Ort war – und insbesondere das Gespräch mit Milos Forman ist sehr interessant. Über das Hotel selbst ist indes leider wenig zu erfahren.





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