VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Tribute von Panem - Mocking Jay Teil 1
Die Tribute von Panem - Mocking Jay Teil 1
© Studiocanal

Kritik: Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1 (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser Versuchung konnten die Macher von "Die Tribute von Panem" nicht widerstehen: Nachdem die ersten beiden Teile bereits mehr als 1,5 Milliarden eingespielt haben, entschieden sie sich – wie die "Harry Potter"- und "Twilight"-Produzenten – den finalen dritten Teil von Suzanne Collins Buchvorlage auf zwei Filme aufzuteilen. Ein Entschluss, der glücklicherweise nicht nur Nachteile hat. Vielmehr erlaubt er, Katniss‘ (Jennifer Lawrence) neue Rolle als Symbolfigur und Rebellin innerhalb eines Systems ausführlicher zu verhandeln. Bisher hatte Katniss stets persönliche Motive für ihre heldenhaften Taten: Sie wollte ihre Schwester Primrose (Willow Shields) vor den Hungerspielen bewahren und Peeta (Josh Hutcherson) beistehen, doch nun wird von ihr verlangt, für ein abstrakteres Ziel – ein freies Land – zu kämpfen und in Kauf zu nehmen, dass sie Peeta möglicherweise nicht retten kann. Jedoch ist Katniss in einem totalitären System aufgewachsen und zweifelt daher auch an den Motiven von Präsidentin Coin (Julianne Moore) und ihren Unterstützern. Im Gegensatz zu Jugendfreund Gale (Liam Hemsworth) fügt sie sich daher in die straffe Organisation der Rebellen nicht widerstandslos ein.

Ausführlich werden die Versuche gezeigt, Katniss von ihrer Bedeutung für die Rebellion zu überzeugen, und – nachdem sie eingewilligt hat – als Symbolfigur des Widerstands zu inszenieren. Dabei liefert der Filme einen aktuellen Kommentar zur Propaganda: Die Aufnahmen von Hinrichtungen, die das Kapitol verbreitet, erinnern deutlich an die Videos von islamistischen Terrororganisationen. Katniss‘ Inszenierung als Heroin, als Jeanne d’Arc der Rebellion gegen Panem entlarvt zudem die Mechanismen, die hinter solchen Filmen stecken, und weist ein weiteres Mal darauf hin, dass alles als Krieg der Bilder beginnt.

Diese erste Hälfte des Films ist interessant und weicht von dem wiederkehrenden Spektakel der ersten beiden Teile ab. Die Bilder aus Distrikt 13 erinnern an "Metropolis", durch die Architektur und grauen Uniformen auch an die Organisation totalitärer Systeme. In Katniss‘ Heimat stapeln sich verbrannte Leichen, bei ihrem Besuch in Distrikt 8 werden Gedanken an Bilder aus dem Irak und Afghanistan geweckt. Es gibt keine bunten Kostüme mehr, kein "Brot und Spiele", sondern gegen diese Düsternis setzt Regisseur Francis Lawrence allein Effie (Elizabeth Banks), die eine größere Rolle als im Buch hat, und Haymitch (Woody Harrelson) als unterhaltsame Kontrapunkte – und Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hofman) als großartigen Manipulator. Jedoch wird dann in der zweiten Hälfte des Films deutlich, dass der Rhythmus durch die Veränderungen nicht mehr ganz stimmig ist. Einzelne Stationen werden regelrecht abgearbeitet, hier läuft es allzu deutlich auf die alles entscheidende Konfrontation hinaus, die aber erst im nächsten Film stattfinden wird. Es wird mitunter zu viel erklärt, hier fehlt das Vertrauen in die Zuschauer, dass sie manche Zwischentöne selbst deuten können – insbesondere bei der Präsentation von Peeta. Und als Katniss‘ und Finnicks (Sam Claflin) psychologischen Traumata thematisiert werden, sind die Bilder wenig originell – und werden teilweise auch zu schnell abgehandelt.

Trotz dieser Kritikpunkte ist der dritte Teil der "Tribute von Panem" gut gemachtes, gut gespieltes und unterhaltsames Kino. Jennifer Lawrence überzeugt als Katniss, glücklicherweise wurde ihr nun mit Julianne Moore als Präsidentin Coin eine starke Verbündete an die Seite gestellt – und von Natalie Dormer als Cressida, die Regisseurin der Propaganda-Videos, wünscht man sich, mehr zu sehen. Wenn Katniss jedoch in die Kamera "fire is catching" brüllt, klingt das eher wie eine Ankündigung des letzten Teils als eine Einschätzung von "Mockingjay, Part 1".

Fazit: "Die Tribute von Panem – Mockingjay, Teil 1" ist gut gemachtes Hollywoodkino mit starken Frauenfiguren, das aber vor allem Lust auf den zweiten Teil macht.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.