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Parada - Poster
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© Neue Visionen

Kritik: Parada (2012)


Im gesamten Ostblock, gerade auch in den Balkanstaaten, zeigen sich die gleichen Probleme: nur wenige erweisen sich als wirklich liberal, Schwulenhass und Fremdenfeindlichkeit sind Gang und Gebe. Der serbische Regisseur Srdjan Dragojevic hat sich nun mit seinem Film "Parada" das hochgesteckte Ziel gesetzt ein filmisches Ausrufezeichen gegen diese Entwicklung zu setzen - und dies mit einigem Erfolg an den heimischen Kinokassen. Nun soll seine Komödie, unlängst bereits auf der Berlinale als Überspitzung jeglicher Klischees in Form einer politischen Parabel der Extraklasse angekündig und bejubelt, auch in die deutschen Kinos kommen. Doch der Film, der eine schutzlose homosexuelle Bewegung in Belgrad thematisiert, kommt seinem Ruf nicht nach. Denn Dragojevic lässt zu selten erkennen, dass seine Figuren überspitze Karikaturen sein sollen. In ihrem Aussehen und in ihrer Verhaltensweise sind sie viel mehr platte Klischees. Die durchwachsene Komödie kann ihre eigentliche Intention nicht deutlich machen: Soll sie als satirische Komödie durchgehen oder möchte "Parada" ein ernstzunehmendes Drama in Form einer politischen Parabel sein – so wie es das aufgestülpte wirkende Ende aussagen möchte? Zwischen den Fronten verfängt sich "Parada" in einem großen Fragezeichen -und ist weder Fisch noch Fleisch.

Wer sich Hauptfigur Limun – Veteran, homophober Rechter und Krimineller – in seinem protzigen Aussehen und mit seiner Babypuppen-Verlobten ansieht, stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Figur in ihrem präsentierten Klischee nun mit Absicht so dargestellt wird oder einfach nur eine mustergültige Schablonenfigur ist. Denn wenn er mit einer Baretta Tierarzt Radmilo bedroht, könnte man sich einerseits an Filme von Quentin Tarrantino und Guy Ritchie erinnert fühlen, andererseits aber auch einfach fragen: Wo sind wir nun? Soll das Parodie oder ein ernstzunehmender Charakter sein? Im Hinblick auf die Entwicklung der Figuren kann es nur eine Antwort geben: "Parada" verfängt sich in den eigenen Klischees. Zwar sind die Figuren Sympathieträger und liebenswürdig – doch so platt in ihrer Entwicklung, dass auch keine "Ben Hur"- und "Die glorreichen Sieben"-Zitate helfen. Diese Klischeefalle gilt für alle Figuren, besonders aber für die beiden Homosexuellen Radmilo und Mirko, die vom Aussehen her perfekt in die Vorurteilsschiene der homophoben Szene passen. Wenn der Film aber das Ziel ausgibt Vorurteile zu bekämpfen, dann funktioniert das mit der überspitzen Darstellung eigener Klischees nur bedingt. Vor allem dann nicht, wenn die Intention zu uneindeutig formuliert wird und die Abstimmung zwischen Komödie und Drama nicht passt.

Während der Film über die gesamte Spielzeit einen humorvollen Charakter an den Tag legt und neben dem Aufräumen mit Vorurteilen auch die Kriege im Balkan durch gezielt bissige Sprüche ins Lächerliche ziehen will, hat das Ende einen so dramatischen Ansatz, dass er irgendwie nicht zum bisherigen Verlauf passen möchte. Weder die politische Aussage, noch die zum Schluss eingeblendeten Informationen über die wahren Geschehnisse in Belgrad, verlaufen im Einklang mit der Geschichte, die bis dahin zwischen Road-Trip, holpriger Komödie und leichter Unterhaltung vor allem mit Anekdoten, politischen Anspielungen und zynischen Gemeinheiten aufgefallen war, aber mit Sicherheit nicht als Drama.
Das unpassende Ende wirkt aufgesetzt, herbeigesehnt und in seiner Intention nicht wirklich schlüssig. Mit einer überzeichneten Komödie könnte man der vorurteilsbelasteten Gesellschaft eine zynische Botschaft direkt aufs Brot verkrusteter Meinungen schmieren. Und mit einem emotionalem Drama könnte man die schrecklichen Auswirkungen von Homophobie verdeutlichen und so den Zuschauer auf einer anderen, gefühlvollen Ebene erreichen. Doch beide Herangehensweisen kombiniert ergeben im Falle von "Parada" eine unausgegorene Masse, welche zu dem auch noch durch eine viel zu lange Laufzeit für gehörigen Leerlauf sorgt. Und für genug Lacher, um diese Schwäche ausreichend aufzufangen, sorgt "Parada" dann auch wieder nicht.

Fazit: Weder Fisch noch Fleisch. Ein so wichtiges Thema wie die homophobe Grundeinstellung in den Balkanstaaten braucht klare Konturen. Doch Srdjan Dragojevic möchte Komödie und Drama verbinden, überzeugt aber in beiden Einzelteile nicht wirklich und bringt dadurch nur einen mittelmäßigen, überlangen und nicht sonderlich humorvollen Film auf die Kinoleinwand.





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