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Anton Corbijn Inside Out
Anton Corbijn Inside Out
© Capelight Pictures © mindjazz pictures

Kritik: Anton Corbijn Inside Out (2012)


Eigentlich war er ein Fanboy und wollte unbedingt Teil der Musikwelt sein. Dies gelang ihm schließlich auch – allerdings als Fotograph, nicht als Musiker. Seine Portraits, unter anderem von Arcade Fire, Herbert Grönemeyer, Metallica, Lou Reed machten ihn – der Iggy Pop dazu brachte, nackt im Central Park herumzukrabbeln! – dann schließlich selbst Teil der Rockgeschichte. Bezeichnend auch: Der Film zeigt, wie er Portraits von sich selbst anfertigt, in der Verkleidung diverser Berühmtheiten wie Janis Joplin, Kurt Cobain oder John Lennon.

Anton Corbijn ist vor allem durch seine Schwarz-Weiß-Bilder mit grobkörnigen Kontrasten bekannt. Seit den 80ern machte er sich zudem als Musikvideo-Regisseur (u.a. für Depeche Mode, deren Image er entscheidend mitformte) und schließlich Filmregisseur ("Control") einen Namen. Das Subjekt der Doku gibt sich durchweg sehr ehrlich ("God I really hate digital cameras"). Nur über sein Liebesleben schweigen er und der Film sich aus. Zwischen den Zeilen klingt es allerdings so, als sei ihm aus Zeitgründen keines möglich. Der Pastorensohn (der Beruf ist auf beiden Seiten der Familie Tradition) war tatsächlich schon immer ein Außenseiter, der bei sich selbst einen "Mangel an tiefen Verbindungen zu anderen Menschen" feststellt. Seine Geschwister sorgen sich – nicht nur deshalb – um ihn. Bei ihnen lässt er sich auch nur selten blicken. Fast ständig reist der bekennende Workaholic von einem Auftrag zum nächsten. Der Film begleitet ihn unter anderem bei Fotoshoots mit U2 und Metallica, sowie zu den Dreharbeiten zu "The American", wo er George Clooney einigermaßen unbeholfen Regieanweisungen gibt. Auf Promi-Parties lässt Corbijn sich allerdings nicht gerne blicken, weil er "leicht ablenkbar" sei. Faszinierender als seine Begegnungen mit Berühmtheiten erweisen sich die Treffen mit Familienmitgliedern – so zum Beispiel ein Besuch bei seiner Mutter, die ehrlich zugibt, eigentlich in jemand anderen mehr verliebt gewesen zu sein, als in Antons Vater...

Insgesamt zeigt der Film deutlich mehr Outside, als Inside: Er ist das fragmentarische, impressionistische Portrait eines einsamen Künstlers, der seine beruflichen und kreativen Ambitionen offen mitteilt, Persönliches aber fast durchgängig ausspart.




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