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Holidays by the Sea
Holidays by the Sea
© Ad Vitam Distribution

Kritik: Holidays by the Sea (2011)


Der französische Autor, Regisseur und Comic-Zeichner Pascal Rabaté widmet sich in seinem neusten Film einer alljährlich wiederkehrenden Phase im Leben eines jeden Franzosen, die die entspannteste und schönste des Jahres sein soll, oft aber einfach nur stressig, skurril und fürchterlich verläuft: den Sommerferien. In der Zeit vom 15. Juli bis 15. August sind in Frankreich traditionell die Straßen leergefegt und die Menschenmassen drängen sich an den Stränden von Cote d'Azur oder Atlantik. In seiner weitgehend dialogfreien, außergewöhnlichen Sommerkomödie "Holidays by the sea" porträtiert Rabaté eine Reihe von (mal mehr, mal weniger) normalen Familien und Paaren, die in ihrem Sommerurlaub allerlei Kurioses erleben, auf seltsame Mitreisende treffen oder einfach nur ihre alltäglichen Marotten und merkwürdigen Verhaltensweisen mit in den Urlaub nehmen.

Weder sein Inhalt und die bisweilen trivialen Geschichten, noch die Botschaft, die der Film zu übermitteln versucht, sind das Besondere an "Holidays by the sea". Es ist die Art der Inszenierung, die den Film von anderen Sommerkomödien abhebt. Rabaté versteht seinen Film als Hommage an die großen Klassiker des Stummfilms. Stilistisch wie inhaltlich ist er in erster Linie an Jacques Tatis "Die Ferien des Monsieur Hulot" von 1953 angelehnt, in dem das Verhalten des französischen "Otto Normalverbrauchers" während seines geliebten Strandurlaubs auf amüsante Weise karikiert wurde. Ebenso wie sein Vorbild aus den 50er-Jahren, verzichtet auch "Holidays by the sea" fast komplett auf das gesprochene Wort. Der dramaturgische rote Faden wird ausschließlich durch die Figuren, deren körperbetontes Spiel sowie die Filmmusik zusammengehalten. Dies sorgt für einen kurzweiligen, äußerst unkonventionellen Episodenfilm mit einigen witzigen und bizarren Einfällen. Auf Spielfilm-Länge getrimmt, wirkt das Treiben der Protagonisten auf Dauer jedoch ziemlich ermüdend und belanglos und wäre im Rahmen eines Kurzfilms vermutlich besser aufgehoben.

Es ist Urlaubszeit. Und das heißt in Frankreich: raus ans Meer, so schnell wie möglich in die Sonne und an den Strand. Und so machen sich die die unterschiedlichsten Charaktere auf den Weg an einen französischen Badeort: zwei trampende Punks, ein gesetztes Rentnerehepaar in einem beengten Goggomobil und zwei golfende Diebe, um nur einige zu nennen. Jeder Protagonist hat seine eigene Geschichte und die einzelnen Szenen verbinden sich wie in einem Comicstrip.

"Holidays by the sea" ist vor allem etwas für Zuschauer, die ihre Freude an ungewöhnlichen Filmexperimenten und originellen Konzeptfilmen haben. Von der französischen Presse wurde der Film sehr unterschiedlich aufgenommen, teilweise hochgelobt und teilweise fast schon als Majestätsbeleidigung (aufgrund der deutlichen Hommage an Jacques Tati) eingestuft. Eines ist "Holidays by the sea" in jedem Fall nicht – konventionell. In Comic-Optik (bunte Bilder in lebhaften, knalligen Farben) schildert Regisseur Rabaté (der hier im Übrigen seine eigene Vorlage verfilmte) die kuriosen Ereignisse und Vorfälle, die den Urlaubern widerfahren. Rabaté ließ sich für seine sommerliche Episodenkomödie eine Vielzahl an ganz speziellen Protagonisten einfallen, die den idyllischen Badeort bevölkern.

Da ist z.B. ein Mann in Lackoutfit, der geknebelt und mit Handschellen ans Bett gefesselt versucht, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Seine Domina nahm sich seine Brieftasche, seine Autoschlüssel und machte sich auf und davon. Oder ein lesbisches Punker-Pärchen, das am Strand inmitten eines von ihnen gezeichneten Grundrisses "ihrer" Sandwohnung nächtigt. Und dann gibt es da auch noch einen jungen Mann, der seinem verloren gegangenen Drachen hinterher jagt und einen neurotischen Supermarktbesitzer, der penibel alle Scannerstrichcodes auf den Waren mit Edding und Lineal selbst zeichnet. Wahrlich absonderliche Charaktere. An schwarzhumorigen und ironischen Ideen und Szenen mangelt es dem Film sicher nicht. Regisseur Rabaté steuert sein gut aufgelegtes Ensemble zudem sicher und konsequent durch seine Geschichte.

Das Problem des Films ist, dass sich die amourösen Verwicklungen sowie peinlichen Verstickungen und Ereignisse sehr schnell abnutzen und spätestens nach der Hälfte des 77-minütigen Films vollends erschöpfen. Spätestens dann wirken die Vorfälle auf der Leinwand ermüdend, dann hat man sich bereist an der speziellen Machart des Films satt gesehen. Im Laufe der Zeit kommt dann erhebliche Langeweile auf, wenn man den Charakteren bei ihrem banalen, trivialen Treiben beobachtet. Wenn man sieht, wie die zwei alten Golfspieler erst einen Hasen und dann einen anderen Golfer mit ihrem Ball "abschießen" oder wie sich das geknebelte Domina-Opfer auch noch nach einer Stunde redlich ab- und bemüht, sich aus der peinlichen Sitution zu befreien, dann ist das nicht wirklich spannend anzusehen. Und wirklich witzig ist es leider auch nicht mehr. Erfreute man sich in der erste Hälfte des Films noch an der außergewöhnlichen Bildsprache und den bizarren Figuren, nutzt sich dies doch alles recht schnell ab. Der an sich interessante Plot, der viel Potenzial und den Stoff für viele komische Momente bietet, wäre im Rahmen eines kompakten, knackigen Kurzfilms vermutlich besser aufgehoben gewesen. Oder aber Rabaté hätte seinen Film mit einem einfallsreichen Finale nach gut 40 Minuten zu Ende gebracht.

Noch ein Wort zur Musik: Dass die Figuren in dem Film sprachlos agieren ist dem Inszenierungsstil sowie der Reminiszenz an Tati geschuldet und schadet letztlich nicht, da es so zu einigen aberwitzigen Szenen (vor allem in der ersten Hälfte des Films) kommt, welche primär den Slapstick-Einlagen der überzeugend aufspielenden Darsteller-Riege geschuldet sind. Wieso sich Rabaté bei der musikalischen Untermalung aber für eine oft schiefe, hektische und am Ende nur noch nervtötende Blasmusik entschied, welche die einzelnen Episoden zusammenhalten und verbinden soll, bleibt jedoch ein Rätsel.

FAZIT: "Holidays by the sea" ist eine unterhaltsame, erfrischend unkonventionelle Episodenkomödie im Stummfilm-Stil, deren banale Geschichten auf Dauer jedoch ermüdend wirken und schnell an Witz verlieren.





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