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Keep the Lights On - Plakat
Keep the Lights On - Plakat
© Salzgeber & Co

Kritik: Keep the Lights On (2012)


Ebenso wie die Dokumentation von Erik in dem Film, entwickelte sich auch "Keep the Lights on" selbst zu einem großen Kritiker-Erfolg. Das hochemotionale, sehr persönliche Liebes-Drama des bekennend homosexuellen Regisseur Ira Sachs, wurde in diesem Jahr auf dem Sundance Filmfestival für den Preis der Grand Jury nominiert. Auf der diesjährigen Berlinale erhielt "Keep the Lights on" den Teddy-Award als bester Spielfilm mit schwul-lesbischem Hintergrund. Es ist nicht das erste mal, dass sich Sachs der Darstellung einer gleichgeschlechtlichen Beziehung widmet. Dies tat er bereits in seinem 96er-Werk "The Delta" und ebenso wie in diesem Film rückt Sachs auch in "Keep the Lights on" eine homosexuelle Beziehung in den Mittelpunkt, die neben Nähe und Zärtlichkeit auch von der Diskrepanz der beiden Hauptpersonen bestimmt wird. In "Keep the Lights on" stehen jedoch weniger Selbstfindung, Identitätssuche und Coming-Out-Problematik im Vordergrund, als vielmehr die zerstörerische Kraft von Sucht und Rausch. Ira Sachs gelingt mit "Keep the Lights on" ein aufwühlendes, melancholisches Drama mit zum Teil expliziten Sex- und Gewaltdarstellungen und zwei herausragenden Hauptdarstellern.

Über einen Zeitraum von fast zehn Jahren schildert Regisseur Sachs die Hochs und Tiefs und die emotionale Achterbahnfahrt der Beziehung zwischen Erik und Paul, zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Erik lebt in den Tag hinein, arbeitet seit Jahren an dem gleichen Filmprojekt über den New Yorker Künstler Avery Willard und ist immer auf der Suche nach schnellem, anonymen Sex. Paul hingegen ist ein gutverdienender Schönling, der als Anwalt einer geregelten Tätigkeit nachgeht und mit einer Frau in einer festen Beziehung lebt. Umso erstaunlicher, dass die Beiden nach mehreren Sex-Dates eine feste Bindung eingehen und sogar zusammenziehen. In den folgenden Jahren wird die Beziehung immer wieder durch Pauls Drogensucht erschüttert. Ein brutaler, kräftezehrender Kreislauf aus Beziehung, Trennung und Versöhnung bringt die Männer immer wieder an den Rand der Verzweiflung. Ebenso wie Paul nicht von seinen Drogen loskommt, genauso schwer fällt es Erik, seinen Freund und den Kampf gegen die Sucht aufzugeben.

Die beiden Hauptdarsteller Thure Lindhardt und Zachary Booth tragen den Film durch ihr kraftvolles, natürliches Spiel. Sie verschmelzen mit ihren Rollen und entwickeln eine erstaunliche Intimität. So sind etwa die Liebes- und Sex-Szenen zwischen den beiden entwaffnend realistisch und glaubwürdig geraten. Zudem gelingt es dem Film, die Stimmung und Atmosphäre in der schwulen Szene New Yorks Ende der Neunziger Jahre für den Zuschauer deutlich zu machen. Die AIDS-Hysterie hat sich noch längst nicht gelegt in einem Jahrzehnt, in dem zu Beginn auch eine Reihe an prominenten Schwulen und Bisexuellen der Krankheit zum Opfer fielen (Freddie Mercury, Anthony Perkins, Rudolf Nurejew u.a.). So streift auch "Keep the Lights on" diese Thematik, etwa wenn man erfährt, dass sich Eriks Ex-Freund mit der Krankheit infiziert hat. In einer der stärksten und bewegendsten Szenen des Films, erkundigt sich Erik nach den Ergebnissen des eigenen HIV-Tests.
Crack spielte zur Jahrtausendwende in Homosexuellen-Kreisen (vor allem im Manhattan der ausgehenden 90er-Jahre) eine zentrale Rolle, um den nächsten Rausch und die nächste Hochphase zu erleben. Mit Pauls Drogensucht und dem folgenden Strudel aus Sucht, Therapie und Rückfall wird auch diese Thematik aufgegriffen. Daneben sorgen die traurigschönen Songs des Komponisten und Sängers Arthur Russell für eine bedrückende, wehmütige Stimmung und bilden daher den perfekten Soundtrack zur zerstörerischen Beziehung von Erik und Paul.

Fazit: Die expliziten, intensiven Liebes- und Sexszenen, die beiden brillanten Hauptdarsteller und der traurigschöne Soundtrack machen "Keep the Lights on" zu einem bemerkenswerten Liebes-Drama des Gay Cinema.





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