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Tage am Strand - Hauptplakat
Tage am Strand - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Tage am Strand (2013)


Der sinnliche Liebesfilm "Tage am Strand" spielt mit einer besonderen Beziehungskonstellation, die die Grenze zum Tabu streift. Dass zwei junge Freunde mit der Mutter des jeweils anderen, die sie schon von Kindheit an kennen, eine Affäre beginnen, klingt ja nicht in erster Linie wegen des Altersunterschieds exotisch. Die Nähe zum Inzest scheint auf, zumal die eigenen Mütter auch jeden Tag zugegen sind, am Strand oder beim Abendessen auf der Terrasse. Die Geschichte basiert auf der Erzählung "Die Großmütter" von Doris Lessing, die wiederum einen wahren Hintergrund haben soll. Die französische Regisseurin Anne Fontaine verlässt sich bei der Inszenierung sehr stark auf die provokante Kraft des Themas an sich und konzentriert sich überwiegend auf die visuelle Ästhetik.

Lil und Roz leben jeden Tag wie andere Menschen höchstens im Urlaub: Sie haben den Strand vor der Haustür und tragen im Wohnzimmer nur ein luftiges Hemd über dem Bikini. Die beiden Söhne Ian und Tom sind auch als junge Erwachsene in der Freizeit noch meistens mit von der Partie. Die Sonne, die Wellen, die Körper der beiden jungen Wellenreiter, gesellige Abende bei einem Glas Wein – so viel Nähe hat Folgen. Wenn schließlich Lil mit Tom und Roz mit Ian ins Bett gehen, wundert man sich nur kurz, denn auf der optischen Ebene spricht wenig dagegen: Beide Mütter sehen aus wie junggebliebene Bikinischönheiten.

Das Problematische an diesem Film ist allerdings, dass er Lil und Roz auch als sehr jung im Geiste darstellt. Nie behandeln sie Tom und Ian im Gespräch wie Kinder, nie müssen die jungen Männer ihre Freiheit und Privatsphäre vor den Müttern verteidigen. War die anfängliche sexuelle Anziehung noch einigermaßen nachvollziehbar, so ist es der Schritt zur dauerhaften Beziehung, die auf Liebe gründet, nicht mehr. Ian will ja gar nicht mehr von Roz lassen, während sich Tom zwar auch in eine gleichaltrige Frau verliebt, aber recht unschlüssig wirkt. Bis hin zum überraschenden Ende bleibt das, was die Charaktere bewegt, überwiegend Behauptung.

Man möchte wie die Kamera in den Gesichtern forschen, um die inneren Konflikte zu erfassen, durch die Lil, Roz und ihre Söhne gehen. Aber der Film ruft die Emotionen recht eilig ab und die Figuren wirken oft wie in die Landschaft gestellt mit einer Aufgabe, die nicht die ihre ist. Die namhaften Schauspielerinnen Robin Wright und Naomi Watts können sich kaum entfalten. Besonders der mädchenhafte Eindruck, den Naomi Watts macht, zeigt, dass Verjüngung auch Degradierung bedeutet.

Fazit: Schöne Bilder und wenig emotionale Glaubwürdigkeit: Das mit Erotik und Tabubruch spielende Drama "Tage am Strand" über ein Quartett, in dem es nicht nur zwei Mütter und zwei Söhne gibt, sondern auch zwei Liebespaare, genießt den Reiz des Oberflächlichen.





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