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Lone Survivor
Lone Survivor
© SquareOne/Universum Film

Kritik: Lone Survivor (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In den USA wurde "Lone Survivor" nicht nur von den Kritikern mehrheitlich positiv besprochen. Auch das Kinopublikum nahm den Kriegsfilm mit offenen Armen auf, erzählt er doch eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, die amerikanischem Patriotismus und Heldengeist reichlich Nahrung liefert. Bereits 2007 hatte der ehemalige Elitesoldat Marcus Luttrell zusammen mit Patrick Robinson die gleichnamige Vorlage verfasst, die unter anderem den hoffnungslosen Überlebenskampf einer kleinen Gruppe von Navy SEALs im Zuge der "Operation Red Wings" schildert. Gemeinsam mit drei Kameraden wurde Luttrell im Sommer des Jahres 2005 im Bergland der afghanischen Provinz Kunar ausgesetzt, um den Rückzugsort des berüchtigten Taliban-Anführers Ahmad Shah auszukundschaften. Ein vermeintlich routinemäßiger Auftrag, der sich jedoch zu einem Himmelfahrtskommando entwickelte, als die US-Soldaten von umherziehenden Ziegenhirten im Unterholz entdeckt wurden.

Schon mit den ersten Bildern unterstreicht Regisseur und Drehbuchautor Peter Berg, dass seine in früheren Werken (besonders "Operation: Kingdom" und "Battleship") offen zur Schau gestellte Begeisterung für das amerikanische Militär auch in "Lone Survivor" eine treibende Kraft darstellt. Dokumentarische Aufnahmen des knallharten Navy-SEAL-Trainings stimmen den Zuschauer zielgerichtet auf die Willenskraft dieser Elitekämpfer ein und betonen ihre unbeugsame Kameradschaft. Marcus Luttrell (Mark Wahlberg), Michael Murphy (Taylor Kitsch), Matthew Axelson (Ben Foster) und Danny Dietz (Emile Hirsch) repräsentieren im Folgenden den hier beschworenen Militärgeist, sind gleichzeitig aber auch Akteure einer hochgradig persönlichen Leidensgeschichte, die ihren Anfang nimmt, als die Soldaten nach einer hitzigen Diskussion beschließen, die unbewaffneten Ziegenhirten nicht zu töten, sondern weiterziehen zu lassen. Vor allem Luttrell tut sich in diesem Moment als Moralist hervor, der nicht gegen die Genfer Konventionen verstoßen will, obwohl die gesamte Mission nach der Enttarnung zu scheitern droht. Eine heldenhafte Geste, deren Mitmenschlichkeit das amerikanische Publikum gewiss sehr wohlwollend zur Kenntnis nimmt, angesichts so vieler unschöner Enthüllungen zum Auftreten des US-Militärs in den letzten Jahren.

Mit dem Weiterziehen der Hirten tritt der Film schließlich ein in seine "heiße" Phase. Die Anwesenheit der Amerikaner wird an Shah herangetragen, ein Heer von Taliban-Kämpfern rückt an, und ein schier unmenschlicher Überlebenskampf beginnt. Spätestens hier ist Actionspezialist Peter Berg ganz in seinem Element. Rastlos folgt die Kamera den vier Protagonisten, die sich den Angriffen zu erwehren suchen. Kugeln fliegen pausenlos durch die Luft. Blutige Wunden werden in Nahaufnahmen gezeigt. Und Zeitlupen stilisieren den erbitterten Widerstand der Navy SEALs. Unterstützt vom eindringlichen Sound-Design, zieht "Lone Survivor" den Zuschauer regelrecht in das Schlachtgetümmel hinein und entwickelt eine raue Direktheit, wie sie nur selten im Mainstreamkino zu sehen ist.

Was, im wahrsten Sinne des Wortes, mitreißend in Szene gesetzt ist, unterfüttert freilich die patriotische Haltung, die Berg zu keinem Zeitpunkt aus den Augen verliert. Luttrell und seine Mitstreiter sind, daran erinnert uns der Film unaufhörlich, tapfere Heroen, die dem eigenen Tod ins Auge schauen und doch ihren Zusammenhalt nicht aufgeben – zumindest so lange, wie das im Filmtitel anklingende bittere Ende abzuwenden ist. Im Unterschied dazu kommen die Afghanen lange Zeit nicht über den Status gesichtsloser Zielscheiben hinaus, deren Ableben bezeichnenderweise immer wieder aus Ego-Shooter-Perspektive eingefangen wird. Ein etwas differenzierteres Bild der Einheimischen zeichnet erst das letzte Drittel, wobei auch hier die Glorifizierung amerikanischer Tugenden und Militärkraft überwiegt.

Fazit: Zwiespältiger geht es kaum. "Lone Survivor" ist atemberaubend physisches Actionkino, leider aber auch ein klarer Fall von patriotischem Overkill.




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