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Kritik: Simon (2011)


Die Schriftstellerin Marianne Fredriksson zählte bis zu ihrem Tod 2007 zu den meistgelesenen und erfolgreichsten schwedischen Autorinnen. Ihre 14 Romane wurden in über 45 Sprachen übersetzt und verkauften sich weltweit knapp 17 Millionen Mal. Besondere Popularität genoss sie – neben Skandinavien – vor allem in den Niederlanden und Deutschland. Der Durchbruch gelang ihr mit ihrem 1985 erschienenen Familienepos "Simon", das allein in Deutschland etwa 800.000 Leser fand. Fredriksson schildert darin die Geschichte zweier Familien über einen Zeitraum von 13 Jahren, deren Ordnung durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und durch ein viel zu lange gehütetes Geheimnis gehörig aus den Fugen gerät. Die schwedische Regisseurin Lisa Ohlin verfilmte das Buch bereits im vergangenen Jahr mit einer ganzen Reihe prominenter deutscher und schwedischer Darsteller sowie an Originalschauplätzen. Ihre gelungene, intensive Familienchronik, die einen herausragenden Jan Josef Liefers in einer Nebenrolle zeigt, startet nun in den deutschen Kinos.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der sensible Simon (Jonatan S. Wächter), der mit seinen Eltern in einfachen Verhältnissen am Rande Göteborgs wohnt. Simon ist ein Sonderling, der seine Zeit am liebsten mit Büchern und auf seiner Lieblingseiche verbringt. In der Schule lernt er den Juden Isak (Karl Linnertorp) kennen, Sohn des reichen Buchhändlers Ruben Lentov (Jan Josef Liefers). Isaks Familie ist aus Nazi-Deutschland geflohen und hat in Schweden eine neue Heimat gefunden. Verbunden durch das Gefühl, anders und besonders zu sein, werden die Jungen enge Freunde. Mit dem Aufkommen des Zweiten Weltkriegs und den Schrecken der europäischen Judenverfolgung, verflechten sich die Schicksale der beiden Familien über eine lange Zeit hinweg. Einige Jahre später erfährt der mittlerweile erwachsene Simon (jetzt: Bill Skarsgård), dass er adoptiert ist. Nach dem Krieg begibt er sich auf eine Suche zu seinen Wurzeln. Eine Reise, die ihn von Grund auf verändern wird.

Mit "Simon" gelingt Regisseurin Lisa Ohlin ein stimmiges, emotionales Familiendrama, das vor allem mit seiner faszinierenden Bildsprache und dem hervorragenden Cast überzeugt. Über einen Zeitraum von 13 Jahren erzählt "Simon" die Geschichte der beiden Familien, von 1939 bis 1952. Da ist zum einen die Familie des einfühlsamen, intelligenten Simon, der sich am liebsten in seine Traumwelten flüchtet. Der Vater ist ein bodenständiger, prinzipientreuer Arbeiter, die Mutter eine liebevolle Hausfrau, die ihren Jungen fördert und unterstützt so gut sie kann. Simon darf eine höhere Schule in der Stadt besuchen und lernt dort den jüdischen Jungen Isak kennen, Sohn eines wohlhabenden Buchhändlers. Die Jungen schließen Freundschaft und die Familien treffen so zusammen. Hier lässt Regisseurin Ohlin zwei Welten aufeinander prallen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Eine einfache, in bescheidenen Verhältnissen lebende Familie aus der Arbeiterschicht trifft auf eine reiche, jüdische Familie, die sich bald den Schrecken der Judenhetze auch in Schweden ausgesetzt sieht und auf Hilfe angewiesen ist.

Es ist in erster Linie den großartigen Darstellern zu verdanken, dass die Begegnung und schließlich die Annäherung dieser unterschiedlichen Familien für den Zuschauer glaubwürdig und wahrhaftig verläuft und dabei stets mit Respekt, Vorsicht und Zurückhaltung von statten geht. Der Zuschauer wird Zeuge, wie sich zwei gegensätzliche Milieus behutsam einander annähern und schätzen lernen. Großes Lob gebührt hier Jan Josef Liefers als charismatischer Buchhändler Ruben Lentov und Stefan Gödicke als Simons strenger und konservativer Vater, der doch nur das Beste für seine Familie will. Liefers wurde für seine Leistung mit dem schwedischen Filmpreis als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Stark ist auch die Leistung der beiden Jungschauspieler Jonatan S. Wächter und Karl Linnertorp, die die Freunde Simon und Isak im Kindesalter ungeheuer intensiv verkörpern. Des Weiteren besticht der Film durch seine kraftvollen, berührenden Bilder, brillant fotografiert von Kameramann Dan Laustsen ("Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman"). Die poetischen Aufnahmen der verlassenen, unberührten Landschaft und Natur, in der Simon aufwächst, stehen sinnbildlich für dessen innere Kämpfe, unerfüllte Sehnsüchte und Träume. Der Film beeindruckt hier mit stimmungsvollen, ausdrucksstarken Bildern von der Natur Südschwedens. Kamerafahrten entlang der steilen Hänge und durch die Blätter der von Simon so sehr geliebten Eiche bestimmen hier die Szenerie und machen die visuelle Kraft des Films aus. "Simon" schildert in 120 aufwühlenden Minuten die Geschichte dieser beiden Familien auf intensive Art und Weise und wird vor allem diejenigen begeistern, die etwas mit dramatischen Familiengeschichten anfangen können und ein Faible für poetische, harmonische Bilder haben.

Fazit: Ein großartiger Cast, eine packende Geschichte um Familie und Freundschaft sowie die warmen, stimmungsvollen Bilder der südschwedischen Natur machen "Simon" zu einem aufwühlenden, sehenswerten Familiendrama.





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