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Flamenco, Flamenco
Flamenco, Flamenco
© Kairos Film

Kritik: Flamenco, Flamenco (2010)


Carlos Saura ist der große Altmeister des spanischen Kinos. Mit seinen Spielfilmen war er in den 60er- und 70er-Jahren einer der führenden kritischen Beobachter des spanischen Lebens unter dem diktatorischen Franco-Regime. Waren seine Werke anfangs noch stark vom Neorealismus geprägt, zeigte sich in späteren Filmen der Einfluss durch den surrealistischen Stil von Luis Buñuel. Seit den frühen 80er-Jahren widmet sich Saura aber auch immer wieder einem anderen, ganz speziellen Genre, in dem der spanische Nationaltanz Flamenco immer wieder eine tragende Rolle spielt: dem musikalischen Tanzfilm. Sein 1983 gedrehter Spielfilm „Carmen“, der die Geschichte der Oper mit der eines fiktiven Opernensembles auf großartige Weise miteinander verwob, wurde ein Welterfolg und mit wichtigen internationalen Filmpreisen ausgezeichnet.

1995 setzte Saura mit dem Film „Flamenco“ der Kultur des andalusischen Tanzes ein Denkmal und war mit dafür verantwortlich, dass der Flamenco eine weltweite Renaissance erlebte. Über 15 Jahre später versammelte er seinen damaligen Kameramann, Vittorio Storaro, und Isidro Muñoz, seinen alten musikalischen Leiter, erneut um sich, um mit „Flamcenco, Flamenco“ eine aktualisierte Hommage zu inszenieren. Diese sinnliche Liebeserklärung an den Flamenco startet nun in den deutschen Kinos. „Flamenco, Flamenco“ versteht sich aber nicht nur als Hommage an den beliebten, ausdrucksstarken Tanz sondern will ebenso neue eine Generation von Flamencokünstlern vorstellen. Sänger ebenso wie Musiker und Tänzer. Saura drehte seinen Film in der beeindruckenden Kulisse des spanischen Pavillons auf dem ehemaligen Weltausstellungsgelände in Sevilla.

Wie in seinem Film von 1995 gelingt Regisseur Saura mit „Flamenco, Flamenco“ eine brillant fotografierte Verbindung aus Lichteffekten, Musik und natürlich dem legendären Tanz aus Andalusien. Ebenso wie Sauras musikalische Tanzfilme (neben „Flamenco“ z.B. auch „Tango“ von 1998), steht diese Tanzform für Ästhetik, Leidenschaft und Sinnlichkeit. Diese Attribute fängt „Flamenco, Flamenco“ in edlen Hochglanzbildern ein. Ohne kommentierende Einordnung oder eine begleitende Off-Stimme werden hier bekannte und weniger bekannte Musikstücke aufgeführt, die – wie für den Flamenco charakteristisch – vom Zusammenwirken von traditionellem Tanz, der Flamenco-Gitarre und dem typischen Gesangsstil (cante) leben. Für seinen Film konnte Saura über 300 mitwirkende Künstler gewinnen, die zu teils den gefragtesten und bekanntesten Protagonisten der aktuellen Flamenco-Szene zählen. Denn das ist eines der Ziele dieser filmisch hoch künstlerischen, stilvollen Würdigung: „Flamenco, Flamenco“ zeigt nicht nur auf äußerst geschmackvolle und harmonische (Licht, Musik und Künstler verschmelzen zu einer Einheit) Weise die traditionelle Kunst des Flamenco, sondern widmet sich auch neuen Fusion-Erscheinungen (flamenco fusión). Um seinen künstlerischen Anspruch zu untermauern, bezieht Saura zudem bekannte Kunstwerke von Picasso bis Klimt in seinen Film ein.

Bei aller Kunstfertigkeit, eindringlicher Musik und all den ästhetischen Bildern darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass sich der Film in erster Linie an Personen richtet, die entweder bereits Kenner und Fans des Flamencos oder ernsthaft dazu bereit sind, sich intensiv auf die Flamenco-Kunst einzulassen. Für alle anderen wirkt der Film bereits nach wenigen Minuten wohl eher anstrengend und ermüdend, zeigt er doch lediglich eine Abfolge der verschiedenen Musikstücke, aber freilich stilsicher und großartig in Szene gesetzt. „Flamenco Flamenco“ ist daher ein typischer Zielgruppen-Film, der seine Fans und Interessierten aber begeistern und zufrieden stellen wird.

Fazit: „Flamenco, Flamenco“ ist ein mitreißender, packend bebildeter Tanzfilm, der sich als leidenschaftliche Hommage an die Kunst des bekannten spanischen Tanzes versteht und zudem einen Eindruck der aktuellen Flamenco-Szene vermittelt. Für Fans und Liebhaber dieser Kunstform in jedem Fall sehens- und empfehlenswert.




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