VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Saiten des Lebens
Saiten des Lebens
© Senator Film

Kritik: Saiten des Lebens (2012)


Die Musik als Spiegel des Lebens ist derzeit ein beliebtes Thema in Filmen. Nun greift auch Regisseur und Autor Yaron Zilberman – wie zuletzt Dustin Hofmann in seinem Regiedebüt "Quartett" – auf die klassische Musik und ein Quartett als Figurenarsenal zurück. Doch in "Saiten des Lebens" geht es nicht nur um das Leben im Alter, sondern um die Widrigkeiten des Lebens im Allgemeinen. Deshalb stattet er seine vier Protagonisten allesamt mit Sorgen und Problemen aus. Für Cellist Peter waren "The Fugue" eine zweite Chance, nachdem sein erstes Quartett durch den Tod von Juliettes Mutter auseinander brach. Nun ist er ein Jahr nach dem Tod seiner Frau gezwungen, seine Bühnenkarriere zu beenden. Es ist das Alter, das seinen Tribut fordert. Für Bratschistin Juliette ist Peter Mentor und Ersatz-Vater gewesen, sie kann sich nicht vorstellen, ohne ihn aufzutreten. Das Quartett ist für sie eine Ersatz-Familie, für die sie auf Zeit mit ihrer Tochter Alexandra (Imogen Poots) verzichtet hat. Juliettes Ehemann und zweiter Violinist Robert sieht hingegen in den bevorstehenden Änderungen im Quartett eine Gelegenheit, selbst die Rolle der ersten Geige zu übernehmen. Er hat für dieses Quartett und seine Frau eigene Ambitionen aufgegeben, doch nun ist er nicht mehr gewillt, sein Ego hinter dem Kollektiv zurückstehen zu lassen. Dagegen sieht der perfektionistische erste Violinist Daniel mit der steten Frage konfrontiert, wie er Leidenschaft und Kontrolle im Leben und in der Musik vereinbaren kann.

Yaron Zilberman verwendet viel Sorgfalt darauf, die einzelnen Probleme herauszuarbeiten. Doch insbesondere Juliettes und Daniels Schwierigkeiten sind kaum nachzuvollziehen, hier gelingen keine Innensichten in die Figuren. Dadurch bleiben diese Charaktere blass. Stattdessen hätte sich Zilberman stärker auf das emotionale Zentrum des Films – Peter, wunderbar gespielt von Christopher Walken – konzentrieren sollen. Sobald er in den wenigen Szenen zu sehen ist, wird der Film wärmer und berührt. Auch Daniels Schwierigkeiten sind spürbar, hier wird die Leidenschaft deutlich, über die stets geredet wird.

Insgesamt ist "Saiten des Lebens" ein Film über sehr zivilisierte Menschen, die sich 25 Jahre lang einem größeren Zweck – dem Quartett – untergeordnet haben. Diese Disziplin überträgt sich auf die Inszenierung, die ebenso kontrolliert ist. Deshalb überzeugt der Film vor allem als eine Charakterstudie, die sehr genaues Sehen und Konzentration erfordert. Die Emotionen drücken sich im Film wie im Leben der Figuren vor allem über die Musik aus, die vom Regisseur sehr gut eingesetzt wurde. Eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Leben darf aber nicht erwartet werden.

Fazit: "Saiten des Lebens" ist ein ruhiger und kontrollierter Film über ein Musiker-Quartett, das nach vielen Jahren auseinanderzubrechen droht, und vor allem aufgrund der Schauspieler sehenswert ist.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.